On her Majesty’s Secret Service

Nach Sean Connerys Abgang als James Bond, präsentierte man 1969, mit dem Australier George Lazenby, erstmals einen neuen 007.
Der Film kam zwar Ian Flemings Roman sehr nahe, war verglichen mit den Vorgängerfilmen, eher unkonventionell.

Uraufführung: 13. 12. 1969
Regie: Peter R. Hunt
Darsteller: George Lazenby, Diana Rigg, Telly Savalas, Ilse Steppat, u.a…

Story:
Seit über einem Jahr ist James Bond Agent 007 (George Lazenby) auf der Suche nach Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas),dem genialen Kopf der Verbrecherorganisation SPECTRE.
Hierbei gelangt er nach Portugal.
An einem einsamen Gestade trifft er auf eine junge Frau die sich in die Fluten des Meeres stürzen will. Bond „rettet“ sie, doch die Dame mit Namen Tracy di Vincenzo (Diana Rigg), flüchtet und fährt in ihrem Auto davon.
Im Spielsalon seines Hotels trifft Bond erneut auf sie, und bereits kurze Zeit später begleitet er Tracy in ihr Hotelzimmer.

Tracy (Diana Rigg), bietet Bond (George Lazenby) Paroli.

Tracy (Diana Rigg), bietet Bond (George Lazenby) Paroli.

Am nächsten Morgen ist sie erneut verschwunden, und Auf 007 wartet ein Schlägerkommando. Dieses bringt ihn zu Marc Ange Draco (Gabriele Ferzetti) Tracys Vater, und nebenbei einer der grössten Gangsterbosse der Welt. Der charismatische Kriminelle, verspricht Bond ihm Informationen über Blofelds Verbleiben auszuhändigen, wenn dieser im Gegenzug seine Tochter heiratet. Bond denkt zwar nicht im geringsten daran, willigt dennoch ein. Das unvorhersehbare geschieht jedoch, und James und Tracy entwickeln tatsächlich Gefühle füreinander.

Tracys Vater,der Gangsterboss Draco (Gabriele Ferzetti)

Tracys Vater,der Gangsterboss Draco (Gabriele Ferzetti)

"Piz Gloria", Blofelds Alpenfestung.
„Piz Gloria“, Blofelds Alpenfestung.

Draco indess, hält sein Versprechen und bringt Bond nach Bern zur Anwaltskanzlei der Gebrüder Gumbold, die Blofeld’s Papiere verwalten. Bond fertigt heimlich Kopien derselbigen an, und stellt fest das Blofeld, sich nun als „Camp de Bleuchamp“ ausgibt und auf dem Piz Gloria im Berner Oberland, ein Sanatorium betreibt.
Da Blofelds Adeltitel jedoch noch nicht bestätigt worden ist, reist 007 unter falscher Idäntität, als Ahnenforscher Sir Hillary Bray, in die Schweizer Alpen.
Dort stellt er bald den wahren, grausamen, Zweck der Bergklinik fest.

Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas)

Ernst Stavro Blofeld (Telly Savalas)

Doch nicht bloss mit der gefährlichen SPECTRE-Organisation muss sich Bond herumschlage, ein viel grösseres Abenteuer, auf das ihn niemand vorbereitet hat, steht 007 bevor: die Ehe.

Trivia:
Nachdem Sean Connery die Rolle des MI6 Agenten nach fünf Filmen an den Nagel gehängt hatte, war die Suche nach einem neuen 007 gross.
Unter anderem kam ein gewisser Timothy Dalton in die engere Ausswahl.
Die Produzenten befanden ihn jedoch als zu jung.
Schliesslich ging die Rolle an den unbekannten Australier George Lazenby, der bis zu diesem Zeitpunkt ausschliesslich als Fotomodel tätig war.

Den Part des Blofelds besetzte man ebenfalls neu.
Spielte in „You only Live Twice“ noch Donald Pleasance den Superschurken, entschloss man sich die Rolle, die hier wesentlich mehr Actionszenen und Fights zu bestreiten hatte, Action-Darsteller Telly Savalas, der später als New Yorker Ermittler „Kojak“ internationale Erfolge feiern sollte, anzuvertrauen.

M (Bernard Lee), Miss Moneypenny (Lois Maxwell) und Q (Desmond Llewelyn), erstmals in einer gemeinsamen Szene.

M (Bernard Lee), Miss Moneypenny (Lois Maxwell) und Q (Desmond Llewelyn), erstmals in einer gemeinsamen Szene.

Die Rollen von M (Bernard Lee), Miss Moneypenny (Lois Maxwell) und Q (Desmond Llewelyn) beliess man darstellermässig unverändert.
Zum erstenmal in der Serie tritt das Trio (an Bonds Hochzeit) gemeinsam auf.
Für die Rolle der Tracy sah man ursprünglich Brigitte Bardot vor, allerdings fiel die Wahl schlussendlich auf Diana Rigg, Co-Star und Nachfolgerin Honor Blackmans in der Kultserie „The Avengers“.
Gabriele Ferzetti („Once Upon a Time in the West“), Gewinner von zwei „Nastro d’Argente“ (dem italienischen „Oskar“), spielte Bonds Verbündeten Draco, während die Deutsche Ilse Steppat („Der unheimliche Mönch“) Blofelds Henchwoman verkörperte. Es sollte ihre letzte Rolle bleiben, denn kurz nach Beendigung der Dreharbeiten starb sie.

Hauptdarsteller George Lazenby und Regisseur Peter R. Hunt.

Hauptdarsteller George Lazenby und Regisseur Peter R. Hunt.

Bei der Crew gab es einige kleinere Änderungen. So nahm auf dem Regiestuhl Peter R. Hunt Platz, der bei den bisherigen fünf Filmen für den Schnitt verantwortlich war.
An seiner Stelle schnitt nun ein gewisser John Glen den Film.
Glen selbst sollte in den 80igern bei insgesammt fünf Bondstreifen Regie führen. Produktionsdesigner Ken Adam war Unabkömmlich, sodass Syd Cain, der diesen Posten bereits bei „From Russia With Love“ innehatte, den Job übernahm.
Das wohl eindrücklichsre Set des Films, Blofelds Alpenfestung mit Panoramasicht, war jedoch bereits in Bau, als sich das Produktionsteam nach Locations umsah.
So entschloss man sich das Drehrestaurant auf dem Schilthorn (eines der ersten seiner Art) mitzufinanzieren, um im Gegenzug exlusive Drehgenehmigungen zu erhalten.

Der Soundtrack des Films wurde wiederum von John Barry komponiert. Er verwendete erstmals Syntrosizer inerhalb des Scores, aber auch lokale Klänge fanden Verwendung; so wurden unter anderem Alphörner verwendet. Aufgrund des Filmtitels konnte man sich nicht auf einen Titelsong einigen, wodurch der Film als erster seit „Dr.No“, ein ausschliesslich instrumentales Main Theme vorweist.
Denoch enthält der Film ein vokales Stück, und zwar das Liebestheme „We have all Time in the World“, welches von Barry komponiert, vom legendären Songschreiber Hal David geschrieben und von Jazzlegende Louis Armstrong vertont wurde. Für den schwer kranken Armstrong stellte das Lied sein letzten Song dar, den er starb kurz nach den Studioaufnahmen.

„On her Majestys Secret Service“ enthält als erster Bondfilm Skiszenen und -Stunts. Hierfür engagierte man den ehemaligen Abfahrtssieger Willy Bogner, der mit einer Crew, bestehend aus diversen Ski-Craks (darunter auch den späteren Olympiagewinner Bernhard Russi), atemberaubende und spektakuläre Verfolgungsjagten auf Schnee und Eis inszenierte. Bogner sollte fortan bei nahezu jedem Bondfilm mit Skiverfolgungen für deren Umsetzung verantwortlich sein.

Die Dreharbeiten fanden grösstenteils in der Schweiz, d.h im Berner Oberland, statt. Doch auch in den Pinewood Studios, und Portugal wurde gedreht.

Mit einer Laufzeit von über 2 Stunden, erwies sich der Film als der längste der bisherigen Filme, und konnte von Kinobetreibern nicht ganz so häufig vorgeführt werden wie die Vorgängerfilme. Dies brachte tiefere Einnahmen ein, und obschon der Film seine Kosten mehrfach einspielte, und die Kritiken mehrheitlich positiv waren, stempelten die Produzenten ihn als Flop ab. Dazu kamen Ungereimtheiten mit Hauptdarsteller Lazenby, welcher auf seinen Manager hörte, welcher meinte das Bondphänomän sei ein Auslafmodell. So schlug Lazenby weitere Verpflichtungen (unter anderem ein Vertrag über 7 Filme) aus, und EON-Productions stand mal wieder ohne James Bond-Darsteller da.

Fazit:
Alles neu und dennoch vertraut: so liesse sich der Film wohl am besten umschreiben.

OHMSS ist die erste Neuaufgleisung der Franchise (viele weitere sollten folgen).
Denn nach „You Only Live Twice“, welcher ja nicht sonders realitätnah war, und mit Flemings Roman eigentlich bloss den Titel gemein hat, entschloss man sich wieder näher an den Originalstoff zu gehen.

Hierfür ist die Neubesetzung Bonds gar nicht schlecht, da George Lazenby einen tiefgründigeren, menschlicheren 007 verkörpert, mit dem sich Connery wohl schwer getan hätte.
Ein Vergleich zwischen den beiden fällt schwer, erstens da der Charakter von den beiden unterschiedlich angegangen wird, zweitens da Connery die Rolle über die Länge von fünf Filmen formen konnte, wogegen Lazenby bloss einen vorweisen kann.
Auch wenn George Lazenbys Spiel nicht ganz perfekt ist, erkennt man doch das Potential, welches in ihm steckt.

Ebenfalls absolut passend (neu-) besetzt ist Telly Savalas als Ernst Stavaro Blofeld.
Im Gegensatz zu „You Only Live Twice“, in welchem Blofeld ein Befehle erteilender, unnahbarer Superschurke ist, wird er hier als charismatischer, kultivierter Verbrecher dargestellt, der durchaus bereit ist auch mal selbst mitanzupacken. Savalas spielt mit einer unglaublichen Coolness, und stahlt doch gleichzeitig etwas Unbehagliches aus, was ihn für mich zu einem der besten Bondschurken macht.
Sein quasi Gegenpart, ist der von Gabriele Ferzetti dargestellte Mafiosi Draco, der sich mit Bond verbündet.
Er erinnert stellenweise an Kerim Bey (Pedro Armendariz) aus „From Russia With Love“. Ganz grosse Klasse ist Diana Rigg, die den Part der Tracy, äusserst gelungen spielt, und ihr eine Tiefe gibt, die einem zu Ende des Films das Herz bluten lässt. Gemeinsam mit Honor Blackman als Pussy Galore stellt Diana Rigg das beste Bondgirl der sechziger Jahre.

Lois Maxwell alias Miss Moneypenny, die im Film nicht unwesentlich Einfluss auf das Geschehen nimmt, legt den wohl besten Auftritt als MI6-Sekretärinn, innerhalb ihrer 14 Streifen umfassenden Bondkarierre, hin.

Produktionstechnisch ist der Film ebenfalls sehr gelungen. Peter Hunt erzählt relativ flüssig und schnörkellos, und hält sich dabei nahe an die Fleming’sche Buchvorlage. Die Actionsequenzen, insbesondere die Verfolgungsjagten auf Skiern, Bob und im Wagen auf tiefverschneiten Strassen sind äusserst spannungsgeladen inszeniert. Was unter anderem für Cutter John Glen spricht, der hier bereits sein Händchen für Tempo und Action zeigt. Doch Hunt vermag es auch die Liebesszenen (eine Seltenheit bei Bond…) glaubhaft zu inszenieren.

Die von Kameramann Michael Reed eingefangenen Panoramaaufnahmen der Alpen geben dem Film einen grossartigen Look.

Musikalisch gibt Barry mal wieder Alles, und schafft ein grossartigen Klangteppich aus Orchestralmusik und Syntrosizerklängen. Nur schon das Titletheme ist eine Wucht. Das sanfte Lovetheme von Armstrong ist wunderschön und unterstreicht die romantischen Szenen des Films perfekt. Einzig das von Nina gesungene Pseudo-Weihnachtslied „Do you know how Christmas Trees are Grown?“ ist doch eine Spur zu kitschig.
Glücklicherweise ertönt es bloss als Hintergrunduntermalung auf dem Weihnachtsmarkt.

Ein grossartiger Film bei dem eigentlich alles stimmt; die Schauspieler, die Story die Machart, der Soundtrack. Der grösste Schwachpunkt liegt wohl bei den EON-Produzenten, die es nicht geschafft haben Lazenby für weitere Filme zu verpflichten, und die die Chance vertan haben einen würdigen Nachfolgefilm zu inszenieren, und stattdessen eine… Aber das ist eine andere Geschichte… Deshalb:

5 von 5 Ski-Abfahrten

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Eine Antwort zu On her Majesty’s Secret Service

  1. Owley schreibt:

    Jup, bin deiner Meinung. Die ersten sechs Filme gehören imho ohnehin zu den besten der Reihe, daran kann man nicht rütteln.

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