Live And Let Die

Zum dritten Mal in Folge musste man 1972 die Rolle des James Bond neubesetzen.
In Roger Moore schien man den Richtigen gefunden zu haben, verfügte er doch bereits über einen gewissen Bekanntheitsgrad, und brachte der Figur des 007 etwas mehr Charme und Humor.

Uraufführung: 27.6.1973
Regie: Guy Hamilton
Darsteller: Roger Moore, Jane Seymour, Yaphet Kotto, Geoffrey Holder u.a…

Story:
In New York, New Orleans und der Karibikinsel „San Monique“ werden nahezu zeitgleich drei britische Geheimagenten umgebracht.
MI6-Boss M (Bernard Lee) sendet Agent 007-James Bond (Roger Moore) los, um in der höchst mysteriösen Sache zu ermitteln.

James Bond (Roger Moore) in New York

James Bond (Roger Moore) in New York

In New York nimmt Bond die Spur von Dr. Kananga (Yaphet Kotto), dem Herrscher von San Monique auf, der sich zu diplomatischen Zwecken beim UNO- Hauptquartier aufhält. Durch seinen Freund, den CIA- Agenten Felix Leiter (David Hedison), erfährt er dass Kananga Verbindungen zum geheimnissvollen Unterweltsboss Mr. Big unterhält.

Dr. Kananga (Yaphet Kotto)

 

Dr. Kananga (Yaphet Kotto)

Im Schwarzenviertel Harlem, trifft 007 nicht nur auf Kanangas Begleiterin, die Wahrsagerin Solitaire (Jane Seymour), sondern auch dessen Bodyguard, den einarmigen Tee Hee (Julius W. Hariss).

Tee Hee (Julius W. Hariss) und Bond

Tee Hee (Julius W. Hariss) und Bond

Er nimmt die Verfolgung des Herrschers und seiner Begleitung, bis nach San Monique auf. Dort angekommen muss Bond bald feststellen, dass hinter der Fassade des Inselparadieses, Drogen im grossen Stil angebaut werden.

Der finstere Baron Samedi (Geoffrey Holder)

Der finstere Baron Samedi (Geoffrey Holder)

Um Eindringlinge abzuschrecken, instalierte Kananga unter der Führung des Voodoopriesters Baron Samedi (Geoffrey Holder), ein lückenloses Abwehrsystem.
Die Voodofiguren und -Tricks schrecken zwar die Einheimischen ab, können aber James Bond nicht wirklich beeindrucken. Mit Hilfe der CIA-Agenten Rosie Carver (Gloria Hendry) und Quarell Junior (Roy Steward) pirscht er sich durch die Wälder der Insel bis hin zu Kanangas Festung.

Die Kartenlegerin Solitaire (Jane Seymoure)Die Kartenlegerin Solitaire (Jane Seymoure)

Dort trifft er erneut auf Solitaire, welche er durch einen Trick zu sich ins Bett lockt, wo er die Jungfräulichkeit nimmt.
Dies allerdings mit Kalkül, denn ihrer Unschuld beraubt, ist die Kartenlegerin nicht mehr länger fähig in die Zukunft zu sehen.
Solitare flieht gemeinsam mit Bond nach New Orleans, dem dritten Mordschauplatz. Doch Kananga und seine Schergen sind ihnen schon auf den Fersen, und so beginnt eine wilde Verfolgungsjagd zu Boot, quer durch die Mangrovensümpfe Louisannas.

Schliesslich gelingt es Kananga, Bond ausser Gefecht zu setzten und Solitare zurückzunehmen.
Doch 007 folgt ihnen und so kommt es in San Monique zu einem Showdown, in dem sich Bond mit den Mächten der Finsterniss messen muss.
Und wer ist der mysteriöse Mr. Big?

Trivia:
Zum dritten Mal innerhalb vier Jahre, galt es 1972 für EON-Productions einen neuen Bond-Darsteller zu casten. Um ein Debakel, wie man es mit George Lazenby erlebt hatte, zu verhindern, entschloss man sich einen, dem Publikum bekannten Schauspieler zu verpflichten.
So wurde bald ein bunter Strauss von Namen, wie beispielsweise Clint Eastwood, Robert Redford, Paul Newman aber auch Julian Glover (der einige Jahre später einen Bond-Villain gab), präsentiert.
Schlussendlich machte aber Roger Moore, Star aus den Fernsehserien „The Saint“ und „The Persuaders“, der bereits 1962 als Bond im Gespräch war, das Rennen.

Die Regie übernahm erneut der Brite Guy Hamilton; es war seine dritte Regiearbeit für die Reihe.
Tom Mankiewicz, der bei „Diamonds Are Forever“ noch als Co-Autor fungierte, zeigte sich erstmals alleinverantwortlich für das Drehbuch, welches jedoch nur sehr lose auf Ian Flemings Romanvorlage basierte.

Ursprünglich plante man den Film wie Connery’s Erstling „Dr. No“, auf Jamaica spielen, und Honey Rider wieder auftretten zu lassen. Die Idee wurde zwar fallen gelassen, Jamaica wurde trotzdem als Drehort verwendet, wenn auch nur für das fiktive San Monique.
Weitere Drehorte waren New York, New Orleans, der Bundesstaat Louisianna sowie die Londoner Pinewood Studios.

Nebst „Neuling“ Moore traten auch die „Veteranen“ Lois Maxwell als Moneypenny und Bernard Lee als M erneut auf. Einzig Desmond Llewelyn konnte aufgrund terminlicher Probleme die Figur des Waffenmeisters Q nicht spielen; das einzige Mal innerhalb seiner 17 Filme umfasenden Bondkarriere.
Den Part des Felix Leiters wurde traditionsgemäss neubesetzt; diesmal mit David Hedison. Er sollte die Rolle als erster Darsteller ein zweites Mal spielen dürfen, und zwar im Timothy Dalton-Streifen „Licence To Kill“.
Ebenfalls zu einem zweiten Einsatz sollte Clifton James kommen, der den mürrischen Südstaaten-Sheriff J.W. Pepper gab. Aufgrund hoher Popularität der Figur liess man ihn im Nachfolgefilm „The Man With The Golden Gun“ erneut auftretten.

Sheriff J.W. Pepper (Clifton James)
Sheriff J.W. Pepper (Clifton James)

Die Schurken des Films wurden allesamt von dunkelhäutigen Schauspielern gespielt. Yaphet Kotto („The Thomas Crown Affair“, „Alien“) gab den Oberschurken Dr. Kananga. Dessen Name (im Roman heisst er Buonaparte Ignace Gallia) hat es in sich,
denn Ross Kananga hiess der Besitzer der Krokodilfarm, die im Film vorkommt.

Kanangas Henchmen Tee Hee wurde von Julius Harris („The Taking of Pelham One Two Three“) verkörpert, während der Sänger und Schauspieler Geoffrey Holder („Everything You Always Wanted to Know About Sex* (*But Were Afraid to Ask)“) den finsteren Baron Samedi spielte.

Gloria Hendry, die die CIA-Agentin Rosie Carver spielte, ist das erste schwarze Bondgirl.
Ursprünglich sollte auch Solitaire dunkelhäutig sein; so war bereits Diana Ross im Gespräch; ehe man sich umentschied und den Part doch Jane Seymour gab.

CIA-Lady Rosie Carver (Gloria Hendry)

CIA-Lady Rosie Carver (Gloria Hendry)

Da sich Produzent Harry Saltzman und Komponist John Barry zerstritten hatten, zeigte sich letzterer nicht bereit einen weiteren Bondscore zu schreiben. Somit wurde „Live And Let Die“ der erste Bondfilm der ohne Beteiligung des legendären Komponisten auskam. Stattdessen verpflichtete man Beatles- Mitproduzent George Martin den Score zu komponieren. Der Titelsong stammte ebenfalls von einem Ex-Beatle; Paul McCartney und seiner neuen Band „The Wings“. Er stellte den ersten Popsong als Bond-Titellied dar, bekam weltweit hohe Chartplazierungen, und gar eine Oscarnomination als bester Filmsong.

Fazit:
Mit „Live And Let Die“ versuchten die Bondproduzenten auf die Blaxploitation-Welle aufzuspringen.
Da die meisten Darsteller des Filmes afroamerikanmischer Herkunft sind, wirkt der Brite James Bond etwas verloren in diesem Umfeld.
Szenen beispielweise wie jene, in der Bond als einziger Weisser nach Harlem spaziert- WER BITTE HAT SICH SOWAS AUSGEDACHT???

Ohnehin nimmt man Moore die Rolle des toughen MI6-Agenten nicht wirklich ab. Er besitzt zwar Stil und Charme, die Abgebrühtheit eines Sean Connerys fehlt ihm jedoch gänzlich, und die ständigen Sprüche nerven mit der Zeit gehörig.

Der Bösewicht wirkt fade und uninteressant, zudem gehört sein „Tod“ zu den schlechtest umgesetzten der Filmgeschichte (ich sag nur Gummipuppe). Hingegen sind der hünenhafte Tee Hee mit seiner Hakenhand, sowie Baron Samedi zwei der interessantesten Figuren des Films und haben (als Henchmens) durchaus Charme.

Gleiches kann man von den Bondgirls nicht behaupten. Rosie Carver ist ein „Dummchen“ vom CIA, welche wenig bis gar keinen bleibenden Eindruck hinterlässt, und Kartenlegerin Solitaire wirkt äusserst unsympathisch.

Gelungen sind ganz klar die Actionsequenzen; insbesondere die Bootsverfolgung ist genial inszeniert.

Ebenfalls sehr gut ist der Soundtrack von George Martin, insbesondere der fetzige Titelsong.

Nach dem schwachen „Diamonds Are Forever“ zeigt die Leistungskurve der Bondfilme wieder scheu nach oben. Ein überrissener Plot, ein langweiliger Bösewicht und jede Menge political incorrectness lassen den Film jedoch schnell wieder vergessen.
Bloss der grossartige Titelsong bleibt in Erinnerung.

Mit Roger Moore als 007 konnte ich zwar nie richtig warm werden, dennoch schafft er es der Figur einen ganz eigenen Touch zu verleihen.

3 von 5 Tarotkarten

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5 Antworten zu Live And Let Die

  1. Owley schreibt:

    „James Bond (Roger Moore) in New York“
    Damit wäre auch klar, warum dieses Buch nicht verfilmt wird 😉
    Fand den gar nicht mal so übel. Etwas öde, aber nicht wirklich schrecklich. Belanglos.

  2. Mr. Nick schreibt:

    Daher 3 Sterne: Mittelmass

  3. Mr. Bond schreibt:

    Nö. Super Film mit viel 70er Charme, sehr viel Atmosphäre, tolle Locations und einem der schnuckelisten Bondgirls (Jane Seymour), wer bitte kommt sonst auf die Schnapsidee Sie wäre unsympathisch??? Und Moore überzeugt neben Connery am meisten in einem Bond-Debüt, als hätte er zuvor nie was anderes gemacht.
    Ansonsten hat man einen sehr starken Score von George Martin und den besten Titelsong aller Bondfilme von Paul McCartney.

    • Mr. Nick schreibt:

      Nun, verglichen mit andern Bondgirls, rangiert Jane Seymour für mich eher auf den hinteren Rängen.
      Ich kann mit ihrer Art nicht richtig warm werden, sie wirkt auf mich kaltschnäuzig.
      In Bezug auf Titelsong (für mich zwar nicht der Beste, aber einer der Top-10), Soundtrack und Locations muss ich dir jedoch recht geben.

  4. Mr. Bond schreibt:

    Kaltschnäuzig? Verstehe ich nicht. In welchem Zusammenhang?

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