For Your Eyes Only

Nach „Moonraker“ wollte man mit „For Your Eyes Only“ einen deutlich realistischeren und ernsteren Bondfilm realisieren.

Uraufführung: 24.06.1981
Regie: John Glen
Darsteller: Roger Moore, Carole Bouquet, Julian Glover, Topol, u.a…

Story:
Das britische Aufklärerschiff „St. Georges“ sinkt vor der albanischen Küste. Brisant: An Bord befindet sich ein Lenkwaffencomputer, ATAC, der unter keinen Umständen den Russen in die Hände fallen soll.

Der Archäologe Havelock (Jack Hedley), der das Schiff lokalisieren soll, wird mit seiner Frau zusammen von dem Attentäter Hector Gonzales (Stefan Kalipha) ermordet.

MI6-Staabschef Bill Tanner (James Villiers)

MI6-Staabschef Bill Tanner (James Villiers)

Nun schaltet sich der britische Geheimdienst MI6 ein. Staabschef Bill Tanner (James Villiers) setzt Agent 007 – James Bond (Roger Moore) auf den Fall an.

Die Spur des Attentäters führt Bond zunächst nach Madrid, wo selbiger sein Anwesen hat. Ehe 007 aber Handeln kann, wird Gonzales mit einem Armbrustpfeil erschossen. Die Schützin: Melina Havelock (Carole Bouquet), Tochter des getöteten Archäologenpaares.
Sie hat Rache an den Verantwortlichen am Tod ihrer Eltern geschworen, und ist fest entschlossen, diese auch zu bekommen.

Melina Havelock (Carole Bouquet) will Rache
Melina Havelock (Carole Bouquet) will Rache

Doch Gonzales war bloss ein Auftragskiller, und so geht die Suche nach den Drahtziehern weiter.
In Griechenland schliesslich, stossen Bond und Melina auf ein undurchschaubares Netz aus Spionage und Schmuggel, in welches sowohl der Gangsterboss Milos Columbo (Topol), als auch der Reeder Kristatos (Julian Glover) verwickelt sind.
Zudem gilt es den ATAC-Computer zu bergen, ehe er in falsche Hände gerät.

Der griechische Reeder Kristatos (Julian Glover)...

Der griechische Reeder Kristatos (Julian Glover)…

... und sein Gegenspieler, der Schmuggler Columbo (Chaim Topol)

… und sein Gegenspieler, der Schmuggler Columbo (Chaim Topol)

Trivia:
Nachdem der überladene „Moonraker“ bei Fans und Kritikern nicht sonders gut ankam, beschloss Albert R. Broccoli für den nächsten Bondfilm wieder näher an Ian Flemings Romanvorlage ranzugehen.

Man wollte einen realistischeren Film mit mehr Tiefgang, im Stile von „On Her Majesty’s Scret Service“ machen.
Aus diesem Grunde zog man zuerst Peter R. Hunt Regisseur desselbigen Bondfilms, in Betracht.
Da Hunt jedoch an anderen Projekten arbeitete, beauftragte man John Glen, Cutter und Regieassistent bei „On Her Majesty’s Scret Service“, „The Spy Who Loved Me“ und „Moonraker“, mit der Regie.
Für Glen war es die erste Regiearbeit überhaupt. Mit insgesamt fünf Bondfilmen ist er jedoch bis heute der meistbeschäftigste Bond-Regisseur.

Regisseur John Glen (stehend) gibt Julian Glover letzte Anweisungen

Regisseur John Glen (stehend) gibt Julian Glover letzte Anweisungen

Der Titel basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte Flemings. Allerdings wurden zusätzlich noch Elemente aus der Story „Risico“ und dem Roman „Live And Let Die“ verwendet.
Das Drehbuch stammte erneut von Richard Maibaum, der erstmals von Broccolis Stiefsohn Michael G. Wilson unterstützt wurde. Die Kameraführung übernahm Alan Hume, der für die nächsten drei Filme diesen Posten innehaben sollte. Nach Ken Adam’s Abgang übernahm dessen Assistent Peter Lamont den Posten des Production-Designers, den er, mit wenigen Unterbrüchen, bis heute für die Bond-Reihe ausführt.

John Barry war als Komponist mal wieder nicht verfügbar, empfahl den Produzenten jedoch den Amerikaner Bill Conti („Rocky“).
Conti erhielt den Zuschlag promt.
Nicht beachtet wurde hingegen die Band „Blondie“, die einen Titelsong zum Film einreichte.
Stattdessen machte die schottische Sängerin Sheena Easton mit dem von Conti komponierten Lied das Rennen.
Der Song wurde für einen Oscar, einen Golden Globe und den Grammy nominiert, wobei er letztere Auszeichnung auch gewann.
Die Sängerin war zudem im Titelvorspann des Films zu sehen, was ein Novum darstellte.

Da Roger Moores Vertrag nach „Moonraker“ auslief, sah es zunächst so aus als ob man erneut nach einem Hauptdarsteller suchen müsste. Bereits kursierten Namen wie Lewis Collins oder Nicholas Clay („Excalibur“). Allerdings konnten sich Broccoli und Moore rechtzeitig einigen, sodass man dem Publikum keinen neuen 007 vorstellen musste.

Nebst Moore kehrten auc Lois Maxwell als Monneypenny, Desmond Llewelyn als Q, Geoffrey Keens als Verteidigungsminister Gray und Walter Gotell in der Rolle des, diesmal verfeindeten, KGB-Chefs Gogol zurück.
Da Bernard Lee nach „Moonraker“ verstorben war, entschloss man sich aus Piätätsgründen dazu, den Part des M vorerst nicht neu zu besetzen. Stattdessen führte man die Figur des Staabchefs Bill Tanner (bei Fleming häufig verwendet), gespielt von James Villiers, als Interimschef ein.

Für die Rolle des Schmugglers Columbo verpflichtete man den israelischen Kinostar Chaim Topol („Fiddler On The Roof“), während sein Gegenspieler Kristatos von Julian Glover, der einige Jahre zuvor selbst noch als 007 im Gespräch war, gespielt wurde.

Bond (Roger Moore) und Gräfin Lisl (Cassandra Harris)

Bond (Roger Moore) und Gräfin Lisl (Cassandra Harris)

Den Part der Melina Havelok ging an die Französinn Carole Bouquet.
Interessant ist zudem die Besetzung der Gräfin Lisl, die von Cassandra Harris gespielt wurde.
Harris war zu diesem Zeitpunkt die Ehefrau des späteren Bonddarstellers Pierce Brosnan.

Der Film wurde in Spanien, Griechenland, Italien, und erneut in den englischen
Pinewood-Studios gedreht.
Für die Unterwassersequenzen reiste man in die Bahamas.

Fazit:
Nach dem (künstlerischen) Tiefschlag, den man mit „Moonraker“ erzielte, wollte man unbedingt eine neue Stilrichtung einschlagen.

Bereits die Pre-Title-Sequenz, in der Bond erst das Grab seiner getöteten Frau Tracy besucht, und anschliessend gegen einen glatzköpfigen, katzenstreichelnden Schurken (ganz klar Blofeld – wurde jedoch nie offiziell bestätigt…) kämpft, zeigt auf; hier wird ein härterer Ton als in den Vorgängern angeschlagen.

Ein alter Bekannter (John Hollis) macht Bond das Leben schwer

Ein alter Bekannter (John Hollis) macht Bond das Leben schwer

Auf Gadgets und Spielereien wurde nahezu verzichtet, ebenso auf überdimensionale Villains mit gigantischen Verstecken.
Der Lotus Esprit kommt zwar kurz vor, und auch Q hat seinen Auftritt, allerdings bietet der Film eine schnörkellose Agenten-Story.
Der Bösewicht des Films bleibt über weite Strecken des Films unbekannt, stattdessen fokusiert sich die Story auf Bond und Melina.

Dennoch kommt Action und Spannung nicht zu kurz, im Gegenteil, aufgrund der Realitätsnähe erzeugt der Film mehr Spannungsmomente als seine Vorgänger.
John Glen zeigt sehr deutlich das er ein absoluter Spezialist für schnelle Action und rasante Verfolgungsjagten ist.

Die Locations des Films, insbesondere das Griechische Kloster auf dem Felsen, sind sehr stimmig, und die Unterwassersequenzen sind absolut gelungen.   Roger Moore spielt gerdlinig und ernstzunehmend, zügelt den Humor und die Faxen der vorangehenden Filme und liefert seine beste Performance als 007 ab. Mit Carole Bouquet als Melina, hat er zudem ein starkes Bond-Girl an seiner Seite, zwischen Bond und ihr kommt es bis zum Schluss zu fast keinen romantischen Szenen, was die Figur umso glaubhafter erscheinen lässt. Für mich ist Bouquet das beste Bondgirl der Moore-Ära.

Die Rolle von Columbo ist mit Topol wunderbar besetzt, er erinnert über weite Stellen an Kerim Bey aus „From Russia With Love“.
Auch sein Gegenspieler Kristatos, gespielt von Julian Glover, vermag zu überzeugen.

Weniger gelungen ist sicherlich der Part von Bibi, Kristatos Protegée.
Die Figur nervt gewaltig, und hätte man genausogut weglassen können.

Ebenfalls nicht allzu positiv zu werten ist der Score von Bill Conti. Der Titelsong ist sehr gut, währenddessen der Rest des Soundtracks jedoch uninspirierender Durchschnitt bleibt.

„For Your Eyes Only“ ist ein, im grossen und ganzen, solide gemachter Bondfilm, der 007 wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt. Eine geradlinige, realistische Story, temporeiche Action, interessante Charaktere, ein Roger Moore der überzeugt und das beste Bondgirl der Moore-Ära.
Leider sind klassische „Bond-Momente“, Szenen oder Charaktere an die man sich erinnert, etwas gar rar gestreut, was wohl auch dazu beitrug dass der Film eher zu den weniger bekannten Bond-Abenteuern gehört.

4 von 5 Lenkwaffen-Computern

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