Octopussy

Bereits zum 6. Mal spielte Roger Moore 1983 die Rolle von 007.
Sein grösster Gegenspieler war in diesem Jahr allerdings kein geringerer als sein Vorgänger Sean Connery, der mit dem inoffiziellen „Never Say Never Again“ es noch einmal als Bond versuchen wolte…

Uraufführung: 6.6.1983
Regie: John Glen
Darsteller: Roger Moore, Maud Adams, Louis Jordan, Robert Brown, u.a…

Story:
Der MI6-Agent 009 (Andy Bradford) wird auf der Flucht von Ost- nach Westberlin umgebracht. In seinen Händen findet man eine gefälschtes Farbegé- Ei.

Geheimdienstchef M (Robert Brown) übergibt James Bond- 007 (Roger Moore) den Fall. Dieser begibt sich ins Londoner Auktionshaus Sotheby’s, in dem das echte Farbegé-Ei versteigert wird.
Er trifft dort auf den afgahnischen Prinzen Kamal Khan (Louis Jordan), einen international bekannten Kunsthehler.

Prinz Kamal Khan (Louis Jordan)

Prinz Kamal Khan (Louis Jordan)

Bond heftet sich an seine Fersen, und folgt ihm bis ins indische Udaipur, wo Khan seinen Palast stehen hat.
Er wird jedoch von Khans Scherge Gobinda (Kabir Bedi) überwältigt, und in ein Palastverliess gesteckt.

Gobinda (Kabir Bedi), Khans Henchman

Gobinda (Kabir Bedi), Khans Henchman

Von dort aus kann 007 allerdings ein geheimmes Treffen zwischen Khan und dem sowjetischen General Orlov (Steven Berkoff) belauschen.
Sie besprechen eine gemeinsame Schmuggel-Aktion, und es fallen dort Namen wie Karl-Marx-Stadt und Octopussy.

Der sowjetische General Orlov (Steven Berkoff)

Der sowjetische General Orlov (Steven Berkoff)

Am nächsten Morgen kann Bond fliehen, und nach einer turbulenten Verfolgungsjagd durch den Dschungel, bei der Elefanten, Tiger und Schlangen vorkommen, entkommt er Kamal Khan.

Er begibt sich auf die Suche nach Octopussy (Maud Adams), einer Juwelenschmugglerin, und Chefin einer Zirkustruppe, die mit ihren „Mädchen“ in einer Palastanlage auf einer streng bewachten Insel lebt, zu der nur Frauen Zutritt haben.
Mithilfe seines indischen Kontaktmannes Vijay (Vijay Amritraj) und des MI6-Tüfftlers Q (Desmond Llewelyn), gelingt es Bond trotzdem in den Palast zu gelangen.
Dort findet er heraus, dass Octopussy und Ihn mehr verbindet als geahnt hat.

James Bond (Roger Moore) und Octopussy (Maud Adams) kommen sich näher

James Bond (Roger Moore) und Octopussy (Maud Adams) kommen sich näher

Doch die Zeit läuft, denn General Orlov plant nicht nur Juwelen zu schmuggeln, sondern auch eine Nuklearbombe, die Westberlin dem Erdboden gleichmachen soll.

Trivia:
1983 war mal wieder unsicher wie es mit der Bond-Franchise weitergehen soll.
MGM hatte soeben United Artists, das Studio das die Bondreihe produzierte, übernommen, Kevin McClory kündigte sein „Thunderball“-Remake mit Sean Connery in der Hauptrolle an, und Roger Moore war sich nicht sicher, ob er die Rolle des 007 ein weiteres Mal spielen sollte.
Bereits waren illustere Namen wie Christopher Reeve („Superman“) oder James Brolin im Gespräch.
Nach harten Verhandlungen zwischen Moore und Produzent Cubby Broccoli, kam man schliesslich zu einer Einigung, und Moore spielte aufs neue den britischen Geheimagenten.

Neben Ihm agieren erneut Desmond Llewelyn als Q, Geoffrey Keens als Verteidigungsminister Gray, Walter Gotell als Gogol, und Lois Maxwell als Moneypenny. Sie erhielt in diesem Film mit Penelope Smallbone (Michaela Clavell) erstmals eine Assistentin, die man als eventuelle Nachfolgerin sah. Allerdings wurde die Idee nach nur einem Film fallen gelassen.

Neu mit dabei war Robert Brown der den Part des M spielte.
Er war bereits in „The Spy Who Loved Me“ als Flottenadmiral zu sehen.
Es ist allerdings nicht klar ob es nun diese Figur, derselbe Charakter, den Bernard Lee verkörperte, oder eine gänzlich neue Person ist, die Brown hier spielt.

MI6-Boss M (Robert Brown)

MI6-Boss M (Robert Brown)

Für die Rolle Kamal Khans engagierte man den Franzosen Louis Jordan („Gigi“), während sein Verbündeter, General Orlov, von Steven Berkoff („The Girl with the Dragon Tatoo“) gespielt wurde.

Die Titelrolle der Octopussy wollte man erst Faye Dunnaway geben, die bereits für „Thunderball“ und „Diamonds Are Forever“ im Gespräch war.
Schlussendlich erhielt die Schwedin Maud Adams, die bereits in „The Man With The Golden Gun“ mitspielte den Part.
Adams ist nebst Ursula Andress („Dr. No“, „Casino Royale“*) die einzige Schauspielerinn, die zweimal ein Haupt-Bondgirl spielen durfte.
Ihr weiblicher Co-Star war mit Kristina Wayborn als Magda wie bei „The Man With The Golden Gun“ erneut ebenfalls aus Schweden.

Für die Nebenrollen wurden mehrheitlich indische Akteure eingesetzt.
So spielte der Bollywood-Star Kabir Bedi den hühnenhaften Gobinda, während Bonds indischer Helfer Vijay von dem indischen Tennis-Crack Vijay Amritraj als eine Art Parodie auf sich selbst gespielt wurde.
In einer kleinen Nebenrolle als Tänzerin trat zudem Desmond Llewelyns Tochter Tracy Llewelyn auf.

Hinter der Kamera setzte man auf dieselbe Crew wie bei „For Your Eyes Only“.
So übernahm wiederum John Glen die Regie, Peter Lamont agierte erneut als Production Designer und Alan Hume führte die Kamera.
Das Drehbuch, das Elemente der Flemingschen Kurzgeschichten „Octopussy“, „Property Of A Lady“ und „The Living Daylights“ enthielt, wurde erneut von Richard Maibaum und Michael G. Wilson geschrieben. Hinzu kam der Romanautor George MacDonald Fraser als Mitautor.

Zur Franchise zurück kehrte mal wieder Komponist John Barry, der mit dem Texter Tim Rice („Evita“, „Aladdin“) zusammen auch gleich den Titelsong komponierte.
Da man „Octopussy“ etwas gar zu anstössig fand, für einen Song, der ja auch im Radio gespielt werden sollte, entschloss man sich für den Titel „All Time High“, welcher von der Sängerin Rita Coolidge gesungen wurde.

Gedreht wurde in Berlin, London, den USA, Pinewood -Studios und erstmals in Indien.

Der Film erschien fast zeitgleich mit Sean Connerys „Thunderball“-Remake „Never Say Never Again“, schlug die Konkurenz aber an den Kinokassen klar.

Fazit:
Nachdem er mit „For Your Eyes Only“ seinen Einstand als Bond-Regisseur gab, inszenierte John Glen mit „Octopussy“ sein zweites 007-Abenteuer. Während der erstgenannte Film für mich der beste der Moore-Ära darstellt, schneidet „Octopussy“ deutlich schlechter ab.

Ich will nicht sagen dass der Film schlecht ist, allerdings gibt es einige zu bemängelnde Punkte.

Dazu gehören sicherlich die Schauspielleistungen, von denen keine über solides Mittelmass herausreicht. Roger Moore verfällt nach der überzeugenden Darbietung im Vorgänger, wieder in altes Fahrtwasser zurück, und dümpelt durch den Film, und Maud Adams hat mir persönlich in „The Man With The Golden Gun“ besser gefallen. Weshalb zudem bei der Wahl der Bondgirls nicht eine indische Schönheit (von denen Bollywood wahrlich genügend hat) berücksichtigt wurde, ist mir ein Rätsel.

Bei den Bösewichtern driften die Leistungen stark auseinander. Steven Berkoff spielt nicht schlecht und vermag einigermassen zu überzeugen, während Louis Jordan ein Paradebeispiel an Overacting zum Besten bietet. Wiederum greift die „Lonsdalsche Formel“ (Franzose = Bondvillain = No Go).

Robert Brown als M bietet nicht viel Neues, und versucht die Lücke die Bernard Lee hinterliess, zu füllen. Hingegen vermag Desmond Llewelyn als Q zu überzeugen. Der Waffenmeister hat in diesem Film die bis zu diesem Zeitpunkt grösste Leinwandpräsenz, und es ist eine Freude ihm zuzusehen. Ebenfalls eine solide Darbietung gibt Walter Gotell als General Gogol ab. Seine Figur hat hier eine Schlüsselposition inne, und er gibt die beste Performance (als General Gogol) seiner Bondkarierre ab.

Die Story bietet grosses Potenzial, welches leider nicht brachgelegt wird. Anstatt eines packenden Actionthrillers, inszeniert Glen einen Adventure-Film, der zu häufig ins lächerliche driftet.

Punkten kann der Streifen ganz klar bei der Wahl der Locations (die von Kameramann Alan Hume wunderbar in Szene gesetzt wurden), der grossartigen Ausstattung, und nicht zuletzt bei den temporeichen Actionszenen. Hier zeigt sich John Glens grosses Talent…

Der Soundtrack aus Barrys Feder ist gewohnt gut, und „All Time High“ zählt zu meinen Lieblingssongs der Moore-Ära.

Ein Film mit grossem Potential, welches jedoch sträflichst vernachlässigt wurde. Etwas weniger Clownerie und dafür mehr Ernsthaftigkeit hätte dem Film mehr als nur gut getan.

3 von 5 Polypen

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