Die Schweizermacher

schweizermacher_dieHeute feiert der Schweizer Komiker und Kabarettist Emil Steinberger seinen 80. Geburtstag.
Obwohl hauptsächlich auf der Bühne tätig, so war er mit dem, vor 35 Jahren erschienenen, Film „Die Schweizermacher“ an einem der erfolgreichsten Streifen der Schweizer Filmgeschicht beteiligt.

Uraufführung: 1978
Regie: Rolf Lyssy
Darsteller: Emil Steinberger, Walo Lüönd, Beatrice Kessler, Ueli Beck, u.a…

Story:
Der junge Einbürgerungsbeamte Moritz Fischer (Emil Steinberger), befindet sich noch in der Probezeit und wird zu diesem Zweck dem langjährigen und erfahrenen Fremdenpolizisten Max Bodmer (Walo Lüönd) zugeteilt.

Max (Walo Lüönd) und Moritz (Emil Steinberger) diese beiden... (v.r.n.l.)

Max (Walo Lüönd) und Moritz (Emil Steinberger) diese beiden… (v.r.n.l.)

Die Aufgabe der beiden, ist die Observation von Anwärtern auf den Schweizerpass.
Hierzu gehören der deutsche Psychiater Dr. Starke (Wolfgang Stendar) und seine Frau (Hilde Ziegler), der italienischstämmige Familienvater Signore Grimolli (Claudio Caramaschi) und die aus Jugoslawien stammende, aber in der Schweiz aufgewachsene, Tänzerin Milena Vakulic (Beatrice Kessler).

Fischer muss schon bald feststellen, dass Bodmer ein Bünzli ist, wie er im Bilderbuch steht, der zur Bespitzelung der Einbürgerungskandidaten auch mal einen Sonntag opfert, und in jedem Ausländer einen potentiellen Störefried des Landesfriedens sieht.
Fischer selbst ist hingegen ein aufgeschlossener, liberaler Mensch, der den Ausländern mit Respekt, Charme und Witz gegenübertritt.

Die Anwärter bereiten sich unterdessen unterschiedlich auf die bevorstehende Anhörung vor der Einbürgerungskommission vor. Während Fabrikarbeiter Grimolli mit seiner genossenschaftlichen Aktivität ringt, übt das deutsche Ehepaar in Schweizerdeutschkursen fleissig die richtige Aussprache von „di choggä cheibä Böllä“ und das helvetische „ch“, hisst allmorgentlich die Schweizerfahne und lädt Bodmer gar zum Fondueplausch ein.

Fondue isch guet und git e gueti Luune...

Fondue isch guet und git e gueti Luune…

Einzig Milena unternimmt keinerlei spezielle Anstrengungen, ist sie doch in der Schweiz aufgewachsen zur Schule gegangen und spricht Mundart. Das dies Bodmer gar nicht gutheissen kann, erklärt sich von selbst, und so werden selbst fehlende Küchengardinen und die falsche Sorte Abfallsäcke angekreidet.

Milena (Beatrice Kessler) und Moritz (Emil Steinberger)

Milena (Beatrice Kessler) und Moritz (Emil Steinberger)

Als sich Moritz auch noch Hals über Kopf in die Tänzerin verliebt, platzt dem spiessigen Bodmer endgültig der Kragen.

Trivia:
In den späten sechzigern und siebziger Jahren bewegten die sogenanten „Schwarzenbach-Initiativen“, deren Ziel die Senkung des Ausländeranteils war, die Schweiz.
Ein Hauch von Fremdenfeindlichkeit wehte durch unser Land, was auch in der Kultur und Kunstszene der damaligen Zeit reflektiert wurde.

Die junge Elite von Schweizer Filmemachern, die nach und nach die „Altherren“ Franz Schnyder und Kurt Früh ablösten, nahm die Thematik gerne auf, was Filme wie  „Hannibal“ von Xavier Koller, „San Gottardo“ oder der 1981 entstandene „Das Boot ist Voll“ beweisen.

Rolf Lyssy („Leo Sonnyboy“) näherte sich dem Thema mittels einer Komödie.
Für die Hauptrollen verpflichtete Lyss den aufstrebenden Schauspieler Walo Lüönd („Dällebach Kari“) und Komiker Emil Steinberger.
Nebst Theaterdarstellern wie Beatrice Kessler und Wolfgang Stendar, in Nebenrollen, waren auch die beliebten Volksschauspieler Valerie Steinmann, Erns Stiefel und Ueli Beck zu sehen.

Regisseur Rolf Lyss mit seinen beiden Hauptdarstellern (v.r.n.l.)

Regisseur Rolf Lyssy mit seinen beiden Hauptdarstellern (v.r.n.l.)

Gedreht wurde vorwiegend in der Stadt Zürich.

Der Film schlug nach seiner Veröffentlichung ein wie eine Bombe, und wurde von fast einer Million Zuschauern gesehen.
Dies macht ihn bis heute zum meistgesehenen Schweizer Spielfilm.

Fazit:
Komödien Made in Switzerland haben es schwer.
Nur wenige schaffen es ihr Publikum zu erreichen, meist wirken sie eher plump und gekünstelt.
Die Einbürgerungskomödie von Rolf Lyssy ist hierbei eine grosse Ausnahme.

Obschon der Film mittlerweile 35 Jahre auf dem Buckel hat, funktioniert sein Humor immer noch bestens, und ist über weite Strecken immer noch brandaktuell.
Dies mag wohl daran liegen, dass es sich mehr um eine Politsaitire denn eine Komödie im klassischen Sinn handelt.
Der zynische, zum Teil bitterböse Witz des Filmes macht riesig Spass, und Sequenzen wie die Fondueszene sind schlicht herrlich.

Die Leistung der beiden Haupdarsteller, die den Film ganz unbestritten tragen, ist sehr gut. Steinberger, spielt eine Rolle die sich zwar grundlegend von seiner Bühnenfigur unterscheidet, lässt aber hin und wieder doch den guten alten „Emil“ durchblicken.
Walo Lüönd, ist als überbeflissener, superbünzliger Einbürgerungsbeamter Bodmer schlicht genial.

Ohnehin zeigt sich insondere in der Charakterzeichnung Lyssys grosses Talent.
Die Figuren sind herrlich (über-)zeichnet und zeugen von feiner Beobachtungsgabe des Regisseurs

Von der Machart her, gibt es bestimmt künstlerisch ambitioniertere und bessere Filme, was jedoch nichts heissen soll.
Denn das Wesentliche der „Schweizermacher“ ist die Geschichte und der Humor derselbigen.

Ein Klassiker der schweizer Filmgeschichte, heute ebenso aktuell wie anno 1978.

4,5 von 5  „Choge cheibe Böllä“

4.5

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