Django Unchained

django_unchained_ver9Nach zwei langen Jahren des Wartens, ist es nun endlich soweit, und der neue Film des Kultregisseurs Quentin Tarantino ist da.
Tarantino, bekennender Italo-Western-Liebhaber, inszeniert damit einen Quasi-Vertreter dieses Genres, angesiedelt in den amerikanischen Südstaaten zur Zeit der Sklaverei.

Uraufführung: 25.12.2012
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Jamie Foxx, Christoph Waltz, Leonardo DiCaprio, Kerry Washington, u.a…

Story:
Die US-Südstaaten im Jahre 1858 – die Sklaverei ist noch gang und gäbe.
Der deutschstämmige Kopfgeldjäger Dr. King Schultz (Christoph Waltz) gerät, mehr oder weniger an den Sklaven Django (Jamie Foxx), dessen Hilfe er gut gebrauchen kann.
Die beiden gehen eine Partnerschaft ein, und Django hilft Dr. King fortan bei der Eliminierung der Deliquenten.

Dr. King Schultz (Christoph Waltz) und Django (Jamie Foxx)

Dr. King Schultz (Christoph Waltz) und Django (Jamie Foxx)

Doch Django hat seine eigenen Pläne.
Er möchte seine Frau, Broomhilde von Shaft (Kerry Washington), von der er einst getrennt wurde, aus den Händen des figalanten Plantagenbesitzers Calvin Candie (Leonardo DiCaprio) befreien.

Plantagenbesitzer Calvin Candie(Leonardo DiCaprio)

Plantagenbesitzer Calvin Candie(Leonardo DiCaprio)

Dr. King erklärt sich bereit, dem Ex-Sklaven bei seinem Vorhaben zu helfen, und begleitet ihn nach „Candyland“ dem stattlichen Herrenhaus Calvins.
Doch das Ganze erweist sich als schwieriger als gedacht, und die beiden stossen auf eine äusserst intrigante und dekadente Oberschicht und tiefsitzenden Rassismus.

Trivia:
Bereits 2007 schlug sich Quentin Tarantino, bekennender Italo-Western Fan, der „Il Buono, Il Brutto, Il Cattivo“ als einer seiner Lieblingsfilme bezeichnet, mit der Idee zu einem Westernfilm herum.
Doch er drehte zunächst den Kriegsfilm „Inglorious Basterds“, ehe er 2011 das Script zu „Django Unchained“ fertigstellte.

Für die Hauptrolle war zunächst Will Smith vorgesehen, ehe sich Tarantino für Jamie Foxx entschied.
Die Rolle des Gutbesitzers Calvin Candie spielte Leonardo DiCaprio („Inception“).

Tarantino arbeitete zudem, wie schon bei „Inglorious Basterds“ erneut mit Samuel L. Jakson und dem Österreicher Christoph Waltz zusammen.
Mit Jackson stellte es gar die fünfte Kolobaration dar.
Weitere altbekannte Gesichter aus früheren Werken des Regisseurs, im Film zu sehen, sind  Zoë Bell („Death Proof“) und Die McGraw-Darsteller Michael und James Parks.
Erstmals

Kerry Washington, die Djangos Frau spielt, spielte bereits in „Ray“ mit Jamie Foxx zusammen, ebenfalls in der Rolle seiner Ehefrau.

Dass Quentin Tarantino gerne auch etwas in Vergessenheit geratene Schauspieler aus der Rumpelkammer Hollywoods reaktiviert zeigt sich auch bei diesem Film.
So spielten unter anderem „Miami Vice“-Darsteller Don Johnson als Plantagenbesitzer „Big Daddy“ Bennett, Tom „Duke Of Hazard“ Wopat mit, und der Original-Django, Franco Nero bekam einen Cameoauftritt.

Django (Jamie Foxx) und Django (Franco Nero)

Django (Jamie Foxx) und Django (Franco Nero)

Gedreht wurde im Süden der USA, grösstenteils im Bundesstaat Louisianna,
für die Kameraführung  zeigte sich erneut Oscar-Preisträger Robert Richardson verantwortlich, seit mit dem Tarantino seit „Kill Bill Vol.1“ zusammenarbeitet.

„Django Unchained“ ist der erste Film Tarantinos, der nicht mehr von Sally Menke geschnitten wurde; die Cutterin verstarb 2010.

Für den Soundtrack wurden wieder verschiedenste, bereits existierende, Musikstücke von Beethoven über Jerry Goldsmith bis hin zu Ennio Morricone verwendet.
Zudem wurden noch eigens für den Film neue Stücke geschrieben, so zum Beispiel die Hip Hop-Nummer „100 Black Coffins“ von Rick Ross oder der Song „Ancora Qui“ aus der Feder des Altmeisters Morricone persönlich.

Fazit:
Wenn Tarantino draufsteht, so geht man als Zuschauer stets mit einer gewissen Erwartungshaltung ins Kino.
So auch bei seinem neusten Werk „Django Unchained“.
Der Name verrät schon die Referenz auf das Italo-Western -Genre, eine Filmrichtung, der der Regisseur in sämtlichen Werken, mehr oder weniger stark huldigt.
Interessanterweise bezeichnet er selbst, den Film als „Southern“, was er, wenn man es denn genau betrachtet, auch ist.

Denn das zentrale Thema des Films ist ganz klar die Sklaverei in den Südstaaten der USA.
Darum wickelt Tarantino eine Geschichte, die gespickt ist mit Referenzen und Hommagen an Western von Leone über Corbucci bis hin zu Peckinpah.

Augenscheinlich fällt auf, dass die Stoffe die sich Quentin Tarantino aussucht, immer ernster und tiefgründiger werden. Wie bereits beim Vorgänger „Inglorious Basterds“ liegt der Geschichte ein dunkles historisches Kapitel zugrunde.

Wie stets bei Tarantino, darf aber auch ein gewisser, teils zynischer, teils überdrehter, Humor nicht fehlen.
Dazu kommen mal wieder geniale Figuren die durchdachte Dialoge wiedergeben und sich tolle Wortgefechte liefern.

Die Charaktere werden wieder durchs Band sehr gut verkörpert, und da zeigt sich auch eine Stärke des Regisseurs, gelungenes Casting und eine saubere Schauspielerführung.

Jamie Foxx verkörpert den Titelpart mit grossem Engagememt, und Christoph Waltz sprudelt nur so von schauspielerischen Elan.
Leonardo DiCaprio verkörpert den leicht pikierten, öligen Plantagenbesitzer genial, und wird von Samuel L. Jackson, als dessen intriganter Haussklave in bes, genial ergänzt.

Die Anspielungen an bekannte Genrevertreter (nicht nur des Westerns) von Corbucci über Sollima bis Peckinpah, von „Gone With The Wind“ bis hin zu „The White Buffalo“ , optisch wie musikalisch (der Soundtrack ist mal wieder eine exquisite Zusammenstellung), aber auch in Dialogen, lassen nicht auf sich warten, und so bietet der Film, als netter Nebeneffekt, Gelegenheit, sich auf die Suche nach Anspielungen zu machen.

Obschon es sich um einen typischen Tarantino handelt, hat der Film ungewöhnlich viel Tiefe, und vernachlässigt das allzu ernste Thema Sklaverei in keiner Weise.
Eben diese Mischung aus, von tiefschwarzem Humor durchtränktem Trivialwestern und tiefgründigem Historiendrama in Gewaltorgien-haften Bildern, macht den Film aus.

Quentin Tarantino übertrifft sich mal wieder selbst und präsentiert einen Film dem es an nichts fehlt.
Eine gute Geschichte mit historischem Bezug, toll inszeniert und in grossartigen Bildern festgehalten, im Spannungsfeld zwischen derben Humor und blutigem Ernst.
Dazu kommen pointierte Schauspielleistungen und zahlreiche Referenzen und Hommagen.

5 von 5 grossen Stücken White Cake

5

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2 Antworten zu Django Unchained

  1. Owley schreibt:

    Da muss ich gar nichts mehr sagen – bin völlig deiner Meinung! Coole Sternenvergabe übrigens.

  2. donpozuelo schreibt:

    Die verschiedenen Gastauftritte waren schon wirklich der Hammer. Franco Nero… genial!!! Das hat schon wieder was, was wirklich nur Tarantino hinbekommt. Großartiger Film, der echt gut unterhält.

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