Audrey Hepburn Memorial

Heute vor 20 Jahren verstarb die Filmschauspielerin, UNICEF-Botschafterin, und Stilikone Audrey Hepburn.

Ich bin ein grosser Bewunderer dieser Ausnahmekünstlerin, die nicht bloss filmisch Grosseartiges geleistet hat.

Aus diesem Grund widme ich ihr dieses Memorial.

Audrey Kathleen Hepburn kam am 4.Mai 1929 in Brüssel zur Welt.

Ihr Vater, ein englischer Bankier, verliess die Familie Mitte dreissiger Jahre, sodass Audrey mit ihrer Mutter, einer Cousine der niederländischen Königin, ins holländische Antwerpen zog.

Bis zum Kriegsausbruch pendelte sie zwischen Holland und England, wo ihr Vater zwischenzeitlich lebte, sie ein Internat besuchte und eine Balletausbildung anfing.

1941, nach dem Einmarsch der deutschen Wehrmacht in Holland kehrte Sie in ihre Heimat zurück, half zwischenzeitlich beim Roten Kreuz als Krankenschwester und pflegte Kriegsverwundete, darunter auch den britischen Filmregisseur Terence Young.

Nach dem Krieg wollte sie ihre Balletkarriere in London wiederaufnehmen, musste jedoch erkennen, dass sie aufgrund ihrer Grösse, als Ballerina wohl nur wenig Chancen hätte.

Sie tanzte deshalb vorerst in kleinen Revue-Shows in London, und spielte erste kleinere Filmrollen in britischen Filmproduktionen, vorwiegend in Filmen der Ealing-Studios, wo sie auch an der Seite Alec Guinness‘ („The Bridge On The River Kwai“) auftrat.

In einer kleinen Nebenrolle nebst Alec Guinness in "The Lavender Hill Mob"

In einer kleinen Nebenrolle nebst Alec Guinness in „The Lavender Hill Mob“

1952 spielte sie in „Secret People“ eine erste grössere Rolle; eine Tänzerin.
Im selben Jahr trat sie auch im Musikfilm „Monte Carlo Baby“ auf.
Obwohl beide Filme bei den Kritikern durchfielen, so wurde Audrey’s Darstellung doch sehr gelobt. So schrieb beispielsweise die „New York Times“:
„Es ist schon erstaundlich, wie deutlich sie sich in dieser völlig vertrockneten Wüste der Mittelmässigkeit vom Rest des Ensembles abhebt.“

Bei den Dreharbeiten zu „Monte Carlo Baby“ lernte sie die französische Schriftstellerin Colette kennen, die mit der Bühnenadaption ihres Romanes „Gigi“ beschäftigt war, und verzweifelt eine passende Hauptdarstellerin suchte.
Als sie Audrey zum ersten Mal sah, soll sie ausgerufen haben : „Voilà ma Gigi!“
Fakt ist, dass sie auf der Stelle engagiert wurde, „Gigi“ am am Broadway ein durchschlagender Erfolg wurde, und die Kritiker ihre Darstellung überschwänglich lobten.

Broadway-Poster zu "Gigi"

Broadway-Poster zu „Gigi“

Der zunehmende Erfolg machte sie für die Filmbranche immer interessanter, und so drehte sie 1952 in Rom unter der Regie William Wylers („Ben Hur“) und an der Seite Gregory Pecks („Moby Dick“) den Liebesfilm „Roman Holiday“.
Gregory Peck war von seiner Filmpartnerin so begeistert, dass er sich beim Produzenten dafür einsetzte, dass Audrey’s Name auf Plakaten und im Film vor dem seinigen aufgeführt wurde. Auf die Bedenken der Produzenten hin, erwiderte er:
„Wenn wir es nicht tun, blamieren wir uns damit, denn dieses Mädchen wird mit ihrer allerersten Hollywood-Rolle den Oscar gewinnen.“
Er sollte Recht behalten, denn Audrey gewann 1954 tatsächlich den Academy Award als beste Hauptdarstellerin, und nebenbei auch noch den Golden Globe.

Audrey Hepburn und Gregory Peck auf der Vespa in "Roman Holiday"

Audrey Hepburn und Gregory Peck auf der Vespa in „Roman Holiday“

Ebenfalls 1954 erschien „Sabrina“ bei welchem Billy Wilder („Some Like It Hot“) Regie führte, und sie an der Seite Humphrey Bogarts („Casablanca“) und William Holden („The Wild Bunch“), die Titelrolle spielte.
Diese brachte ihr im Folgejahr die zweite Oscarnomination ein.
Ihre Filmkleider wurden zudem erstmals vom französischen Modedesigner Hubert de Givenchy entworfen, mit dem sie fortan bei fast jedem Film, und auch privat zusammenarbeitete.

Im Frühjahr 1954 spielte sie in „Ondine“ wieder in einer Theaterproduktion, diesmal an der Seite von Mel Ferrer („The Longest Day“).
Audrey erhielt für ihre Darstellung den Tony-Award als beste Hauptdarstellerin.
Nach Derniere des Stückes verbrachten Mel und Audrey, mittlerweile ein Paar, einen gemeinsamen Urlaub in der Schweiz. Am 24. September 1954 heirateten die beiden im luzernischen Bürgenstock.

Audrey an der Seite ihres Mannes Mel Ferrer in "War And Peace"

Audrey an der Seite ihres Mannes Mel Ferrer in „War And Peace“

1955 stand das Ehepaar erstmals gemeinsam vor der Kamera, und zwar in King Vidors („The Crowd „) Verfilmung des Tolstoi-Romans „War And Peace“.
Ein Jahr später trat Audrey in Stanley Donens („Singin In The Rain“) „Funny Face“ auf, einem Tanzfilm, bei dem sie an der Seite ihres grossen Idols, der Tänzerlegende Fred Astaire („Easter Parade“), spielen durfte.

1959 folgte der, auf wahren begebenheiten beruhende, Film „The Nun’s Story“, bei dem Fred Zinnemann („High Noon“) Regie führte.
Um sich optimal auf die Rolle der Ordensschwester vorzubereiten, lebte Audrey eine Weile lang in einem belgischen Kloster.
Ihre schauspielerischen Leistungen wurden auch prompt mit einer weiteren Oscarnommination honoriert.

Als Ordensschwester in "The Nuns Story" 1959

Als Ordensschwester in „The Nuns Story“ 1959

Weniger gut kam der im gleichen Jahr entstandene „Green Manisons“ an, bei dem ihr Ehemann Mel Regie führte.

1960 kam, nach zwei Fehlgeburten, ihr erstes gemeinsames Kind, Sean Hepburn Ferrer, zur Welt.

1961 folgte mit „Breakfast At Tiffanys“ einer der wichtigsten Filme in Audrey Hepburns Karriere.
Truman Capote, Autor der preisgekrönten Buchvorlage, wollte für die Rolle des Partygirls Holly Golightly zwar Marilyn Monroe, doch Regisseur Blake Edwards („The Pink Panther“) setzte sich vehement für Audrey ein, und sollte Recht bekommen.

Als Holly Golightly in "Breakfast At Tiffany's"

Als Holly Golightly in „Breakfast At Tiffany’s“

Sie wurde durch den Film, in dem sie kleine Schwarze von Givenchy trug und Henry Manchinis unvergessliche Hymne „Moon River“ sang, endgültig zur Stilikone.
Sie erhielt ihre vierte Oscarnimination, ihre Fangemeinschaft nahm stetig zu, und selbst der damalige US-Präsident J.F. Kennedy outete sich als Bewunderer.

In „The Childrens Hour“ spielte sie im selben Jahr an der Seite von Shirley McLain („Irma la Douce“), und wieder unter Ägide William Wylers, der sie zum Kinostar gemacht hatte. Sie verkörperte darin eine zu unrecht diffamierte Lehrerin.
Mit der Rolle stellte ihre schauspielerische Bandbreite unter Beweis, und dass sie sich auch vor kontroversn Stoffen nicht fürchtete.

Mit Shirley MacLaine im Drama "The Children's Hour" von 1961

Mit Shirley MacLaine im Drama „The Children’s Hour“ von 1961

Ihre Wandlungsfähigkeit zeigte sich auch 1963 in ihrem nächsten Film, der Krimi-Komödie „Charade“ wieder, in dem sie an der Seite Cary Grants („North By Northwest“) und Walter Mathaus („The Odd Couple“) spielte.
Der Film gehört zu ihren grössten kommerziellen Erfolgen.

1963 in "Charade"

1963 in „Charade“

Zur selben Zeit entstand Jack L. Warner, Inhaber von Warner Bros., die Filmrechte an „My Fair Lady“, einem der erfolgreichsten Broadway-Musicals seiner Zeit.
Dass Hauptdarsteller Rex Harrison („Cleopatra“) auch in der anstehenden Verfilmung die Rolle des Professor Higgins spielen würde, war unbestritten, doch die filmunerfahrene Julie Andrews, am Brodway Harrisons Partnerin, machte Warner Sorgen.
Er glaubte nicht, dass sie als Hauptdarstellerin die nötige Magnetwirkung auf das Publikum haben würde, und so kontaktierte er Audrey Hepburne.

Diese sagte jedoch zunächst ab, und setzte sich dafür ein, dass ihre Schauspielkollegin Andrews den Part doch spielen dürfe.
Schliesslich gab sie jedoch klein bei, und übernahm die Rolle trotzdem.

An der Seite Rex Harrisons in "My Fair Lady"

An der Seite Rex Harrisons in „My Fair Lady“

Obschon der Film zu den kommerziellen Überfliegern 1964 gehörte, Publikum und Kritik begeistert waren, und insgesamt 12 Oscarnominationen erhielt, ging Audrey leer aus. Grund hierfür war wohl der Entscheid der Produzenten ihre Singstimme durch die Sängerin Marnie Nixon nachzsynchronisieren zu lassen.
Den Oscar als beste Hauptdarstellerin erhielt in jenem Jahr indess keine Geringere als Julie Andrews.

Im selben Jahr zog Audrey Hepburne nach Tolochenaz-Sur-Morges am Genfersee, in ein altes Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert, in welchem sie fortan, und bis zu ihrem Tod lebte.

1965 drehte sie erneut unter William Wyler.
Der Film hiess „How To Steal A Million“ und ihr Filmpartner war diesmal Peter O’Toole(„Lawrence Of Arabia“).
In ihm hate sie erstmals einen männlichen Filmpartner, der jünger war als sie.

In "How To Steal A Million" an der Seite Peter O'Tooles.

In „How To Steal A Million“ an der Seite Peter O’Tooles.

1967 erschienen der Roadmovie „Two For The Road“ und der Psychothriller „Wait Until Dark“, bei dem Terence Young („From Russia With Love“) Regie führte, der Mann, den sie im Krieg einst gesundpflegte.
Zur Vorbereitung und Studie für die Rolle einer blinden Frau die sie im letztgenannten Film zu spielen hatte, verbrachte Audrey mehrere Wochen in einem Blindenheim.
Der Aufwand lohnte sich, denn sie wurde zum fünften Mal für einen Oscar nominiert, der in diesem Jahr allerdings an ihre Namensvetterin, Katherine Hepburne, ging.

Als Blinde in "Wait Until Dark"

Als Blinde in „Wait Until Dark“

Die Rolle sollte für nahezu ein Jahrzehnt ihre letzte sein. Denn in ihrer Ehe mit Mel Ferrer häuften sich die Probleme, und so erfolgte 1967 die Scheidung.

Doch bereits ein Jahr später lernte sie den Italiener Andrea Dotti kennen, den sie 1969 heiratete. 1970 machte die Geburt ihres zweiten Sohnes Lucas Dotti das kleine Familienglück komplett.

1975, nach über acht Jahren Leinwandabsenz, liess sie sich von Richard Lestner („A Hard Days Night“) zum Dreh von „Robin And Marian“ überreden.
An der Seite von Sean Connery als gealterter Robin Hood spielte sie seine, ebenfalls älter gewordene, grosse Liebe, Maid Marian.
Die Romanze wurde von den Kritikern sehr gut aufgenommen, und „Times“ schrieb über Audrey: „Wir sind verblüfft, weil sie uns bewusst macht, wie lange es her ist, dass zum letzten Mal eine Schauspielerin so betört und inspiriert hat. Hepburn ist einzigartig und mittlerweile eine der letzten ihrer Art.“

An der Seite Sean Connerys in der Robin Hood-Verfilmung "Robin And Marian"

An der Seite Sean Connerys in der Robin Hood-Verfilmung „Robin And Marian“

Hollywood lechzte nach einem Comeback der Actrisse, und sie wurde tagtäglich mit Angeboten und Drehbüchern überhäuft.
Erst Terence Young gelang es sie für einen weiteren Film zu verpflichten: „Bloodline“.
Der mit Romy Schneider, Omar Sharif, James Manson und Gert Fröbe starbesetzte Krimi, erschien 1979 und stellte die letzte filmische Zusammenarbeit zwischen ihr und Hubert de Givenchy dar.

Ebenfalls zu Ende ging in diesem Jahr die Ehe mit Andrea Dutti.

Wie bereits bei der Scheidung mit Mel Ferrer, blieben sich die beiden, trotz allem, freundschaftlich verbunden.

1980 drehte sie in New York den Film „They All Laughed“, an dem auch ihr Sohn Sean beteiligt war.
Bei den Dreharbeiten lernte sie auch den holländischstämmigen Robby Wolders kennen. Wenn auch die Kritiken zu dem Film nicht die besten waren, so fand sie dank ihm doch einen neuen Mann an ihrer Seite.

In den achtzigern zog sich Audrey erneut vom Filmgeschäft zurück, und widmete sich ganz der Arbeit beim Kinderhilfswerk UNICEF.

Ab 1988 wurde sie Sonderbotschafterin der Organisation, tätigte Hilfsreisen in die Krisengebiete der Welt, unter anderem nach Äthiopien, hielt an verschiedenen Veranstaltungen und vor der UNO-Vollversammlung Reden, und drehte weltweit ausgestrahlte, vielbeachtete TV-Spots.

1989 spielte sie in Steven Spielbergs („Jaws“) Regie ihren allerletzten Kinofilm „Always“, in dem sie einen Engel spielte.

In "Always", ihrem letzten Film, spielte sie mit Richard Dreyfuss

In „Always“, ihrem letzten Film, spielte sie mit Richard Dreyfuss

1992 trat sie ihre letzte UNICEF-Mission ins kriegsversehrte Somalia an. Die Strapazen der Reise zehrten stark an ihr, und im November desselben Jahres wurde bei ihr ein bösartiger Tumor diagnostiziert. Trotz einer erfolgreichen Operation und guten Prognosen der Ärzte, verschlechterte sich ihr Zustand zunehmends.

1992 reisre Audrey für die UNICEF nach Somalia

1992 reisre Audrey für die UNICEF nach Somalia

Am 20. Januar 1993 entschlief Audrey Kathleen Hepburn in Tolochenaz-Sur-Morges, im Kreise ihrer Familie, friedlich.

Mit ihr verlor die Welt nicht nur eine Schauspielerin, die in ihrer Karriere ihre Wandlungsfähigkeit mehrfach unter Beiweis gestellt hatte, nicht nur eine Stilikone, weit über ihre Generation und Zeit hinaus, sondern eine einzigartige Persönlichkeit.

Ein Weltstar, der, ging es um ihre Person, durch und durch bescheiden war, sich jedoch stets für Gerechtigkeit, den Schwächsten gegenüber, einsetzte.

Ein Vorbild für alle, die der Welt etwas von dem zurückgeben wollen, was sie von ihr erhalten haben, wie es dieses Zitat schön zum Ausdruck bringt:

„Mit der Zuneigung zueinander fängt es an, das ist mir wirklich wichtig. Die Welt könnte soviel besser sein, wenn sich alle an diesen Grundsatz hielten.“

audrey hp

In diesem Sinne:
„Rest in Peace Audrey – We will always remember you“

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