Blancanieves

bnNachdem letztes Jahr mehrere Filme zum Thema „Schneewittchen“ in die Kinos kamen, doppelt Spanien nun mit „Blancanieves“ nach.
Der als schwarz-weisser Stummfilm inszenierte Film war im Rennen um eine Oscarnomination für den besten fremdsprachigen Beitrag.

Uraufführung: 12.9.2012
Regie: Pablo Berger
Darsteller: Macarena García, Maribel Verdú, Daniel Giménez Cacho, Ángela Molina, u.a…

Story:
Im Spanien der 20er Jahre ist Antonio Villeta (Daniel Giménez Cacho) einer der gefeiertsten Torreros.
Als er jedoch bei einem Stierkampf lebensgefährlich verletzt wird, daraufhin im Rollstuhl landet, und gleichzeitig seine Frau bei der Geburt ihrer Tochter stirbt, zieht er sich in tiefem Gram versunken, von der Öffentlichkeit zurück.

Zu seiner Tochter Carmencita (Sofía Oria), hat er keinen Kontakt, und dass Mädchen wächst bei seiner, es liebevoll umsorgenden, Grossmutter (Ángela Molina) auf.
Nach deren Tod nimmt der Vater die Tochter endlich zu sich.

Doch dessen zweite Frau, die ebenso attraktive wie ehrgeizige,  Encarna (Maribel Verdú), sorgt dafür dass die Kleine abgeschirmt von ihrem Vater aufwächst.

Die böse Stiefmutter (Maribel Verdú)

Die böse Stiefmutter (Maribel Verdú)

Als Carmencita (Macarena García), mitlerweile Carmen genannt eine junge, hübsche, Frau ist, wächst die Eifersucht der Stiefmutter ins Unermessliche.
Sie will sie umbringen lassen, doch Carmen kann in letzter Minute fliehen.

Die Torerro-Zwerge

Die Torerro-Zwerge

Sie landet bei einem Trupp kleinwüchsiger Gaukler, die sich selbst die „Zwergen-Torreros“ nennen, und mit Schaukämpfen die Massen erfreuen.
Doch Carmen hat den Stierkämpfen im Blut und stellt sich unter dem Namen „Blancanieves“ selbst in die Arena.
Durch ihr Auftreten gewinnt sie schnell die Herzen der Zuschauer und immer mehr Leutewollen sie sehen, sodass schon bald ein Kampf in der grössten Stierkampfarena Spaniens ansteht; vor restlos ausverkauften Rängen…

Carmen (Macarena García) als Stierkämpferin Blancanieves

Carmen (Macarena García) als Stierkämpferin Blancanieves

Trivia:
Der Spanische Drehbuchautor und Regisseur Pablo Berger („Torremolinos 73“) wollte schon immer einen schwarz-weissen Stummfilm drehen.
Seit 2005 arbeitete er daher an „Blancanieves“, einer Adaption des Grimmmärchen „Schneewittchen“.

Pablo Berger

Pablo Berger

Doch die Produktion verschlang Unsummen an Geld, und kein Produzent wollte das Risiko eingehen, in einen Stummfilm zu investieren.
Doch dann kam „The Artist“, der das Genre neu aufleben liess, und dies zudem finanziell wie künstlerisch, äusserst erfolgreich.
Somit war die Finanzierung von Bergers Film schlagartig gesichert.

Um Kosten zu sparen, drehte Berger in Farbe und  auf 16-Millimeter- Filmband.

Für die Hauptrolle der Carmen verpflichtete man die, in Spanien sehr bekannte Fernsehdarstellerinn Macarena García, während Sofía Oria die junge Carmencita spielte.

Maribel Verdú („Pan’s Labyrinth“) gab die böse Stiefmutter, Daniel Giménez Cacho („La Mala Educación“) Carmens Vater.
Ángela Molina („1492: Conquest Of Paradise“) schliesslich, spielte die Grossmutter des Mädchens.

Kiko de la Rica („The Oxford Murders“) übernahm die Kameraführung, der Soundtrack stammte von Alfonso de Vilallonga („Princesas“).

Die Dreharbeiten gerieten in das Blickfeld Spanischer Tierschutzorganisationen, da angeblich mehrer Stiere ihr Leben lassen mussten.
Diese Vorwürfe konnten sich nicht erhärten.

Die Spanische Filmbehörden reichte den Film als Beitrag für den besten fremdsprachigen Film ein.
Der Film wurde jedoch von der Academy nicht nominiert.

Fazit:
Im letzten Jahr erlebte sowohl der Stummfilm mit dem Sieg von „The Artist“ bei  der Oscarverleihung eine Art Revival, als auch das Märchen „Schneewittchen“, das von Hollywood breitflächig ausgeschlachtet wurde.

Während „The Artist“ ohne Zweifel ein grossartiger Film war, überzeugten weder „Snow White And The Huntsman“ als auch „Mirror Mirror“.
Beide Schneewittchenfilme waren mir viel zu lahm und trivial, letzterer konnte immer noch mit einer gewissen künstlerischen Ambition punkten.

Nun verband also mit Pablo Berger ein Regisseur von der iberischen Halbinsel die beiden Genres.

Wie die beiden Hollywoodstreifen interpretiert Berger den grimmschen Märchenstoff neu.
Er verlegt die Handlung vom tetonischen Zauberwald ins Spanien der 20er Jahre, in die Welt des Stierkampfes.
Zudem erzählt er die Geschichte nicht in ihrer altbekannten Form, sondern setzt die Handlungsstränge und Figuren in neuen Kontext, sodass sich neue Wendungen ergeben.

Er wählt die Form des Stummfilmes bewusst, denn statt Dialogen dominieren bei ihm die Bilder.
Diese sind eine wahre Augenweide.
Kameramann Kiko de la Rica schafft wunderbare poetische und zugleich kraftvolle Bilder, mit wunderbaren Detailaufnahmen, die von Cutter Fernando Franco („Bon Appétit“) geschickt arangiert werden.

Das Endprodukt das hierbei entsteht, erinnert stark an das surealistische Frühwerk Luis Buñuel’s.
Denn im Gegensatz zu „The Artist“, der eine grosse Hommage an den Stummfilm darstellt, wirkt  „Blancanieves“ wie ein tatsächlich 1920 gedrehter Film.

Allerdings ist das Bild des Filmes glasklar und die detailreiche Ausstattung des Filmes vom Allerfeinsten.
Berger schafft es, durch die Ästhätik die er anwendet, selbst dem, in meinen Augen, blutigen und bestialischen Stierkampf, eine gewisse Eleganz zu verleihen.

Zu der wunderbaren Optik gesellt sich ein wunderbarer Soundtrack.
Alfonso de Vilallonga schafft einen grossartigen Klangteppich der den Film durchfliesst und ein klassische Orchestrieg, ganz im Stil der Filme der 20er, ebenso angehört wie feurige Flamencoklänge und traditionelle Spanische Musik.

Gleiches Feingefühl wie bei der visuellen Inszenierung obliegt dem Film bei seinem Cast.
Macarena García spielt gut, noch besser jedoch Sofía Oria, die als Carmencita schon nach kurzer Zeit das Publikum um den Finger gewickelt hat.
Die Szene mit ihrem Vater, sind sehr emotional und äusserst berührend.

Ganz klar überragend spielt allerdings Maribel Verdú.
Sie verkörpert die bösen Stiefmutter als schönes Biest, in einer herrlich eiskalten und grausamen Art und Weise und lässt dennoch Platz für eine humoristische Seite.

Im Direktvergleich mit den Oscarpreisträgerinnen Charlize Theron und Julia Roberts, die letztes Jahr dieselbe Rolle innehatten, siegt Verdú auf der ganzen Linie.

„Blancenieves“ ist ein wunderbar inszeniertes, bildgewaltiges und eindrücklich Kinoerlebnis, mit wunderbarer Ausstattung, grossartigem Score und einer sehr guten Maribel Verdú.
Eine wahre Filmperle, die zu überzeugen weiss.

5 von 5 krähenden Hühnervögeln

5

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