Gilberte de Courgenay

Gilberte de CourgenayWie versprochen, das erste Review zu meinen Lieblingsfilmen des Schweizer Regisseurs Franz Schnyder.
Ich fange gleich mit seinem Erstlingswerk, dem Soldatenfilm „Gilberte de Courgenay“ an.

Uraufführung: 17.4.1941
Regie: Franz Schnyder
Darsteller: Anne-Marie Blanc, Erwin Kohlund, Zarli Carigiet, Heinrich Gretler, u.a…

Story:
Zur Zeit des Ersten Weltkrrieges müssen Schweizer Soldaten aus allen Landesteilen die Grenzen der neutralen Schweiz schützen. So auch im Dörfchen Courgenay im nördlichen Jurabogen.

Doch den dort stationierten Soldaten fällt der Dienst leicht, denn im örtlichen Dorfrestaurant serviert Gilberte (Anne-Marie Blanc), die bildhübsche und liebreizende Tochter des Wirtes.

Gilberte (Anne-Marie Blanc) im Kreis der Soldaten

Gilberte (Anne-Marie Blanc) im Kreis der Soldaten

Unter den Soldaten befindet sich auch der Berner Peter Hasler (Erwin Kohlund), der von Liebeskummer geplagt wird.
Denn seine Angebetete, Tilli (Ditta Oesch), Tochter des reichen Hoteliers Odermatt (Heinrich Gretler), zugleich auch Peters Arbeitgeber und Götti, reagiert schon seit Monaten nicht mehr auf dessen Briefe, und er muss annehmen, dass sie kein Intresse mehr an ihm hat.

Die Soldaten Peter Hasler (Erwin Kohlund), René Gengenbach (Rudolf Bernhard) und ihr Hauptmann (Heinz Woester) (v.l.n.r.)

Die Soldaten Peter Hasler (Erwin Kohlund), René Gengenbach (Rudolf Bernhard) und ihr Hauptmann (Heinz Woester) (v.l.n.r.)

Mit zunehmender Kriegsdauer schiebt sich auch die langersehnte Dienstentlassung der Soldaten heraus, und Missstimmigkeit und Militärkoller breitet sich unter den Wehrmännern aus.
Doch da ist Gilberte, die sich den Sorgen der Soldaten mit viel Herzblut und unbestechbarem Charme annimmt.

Trivia:
„Gilberte De Courgenay“ basiert auf der Wirtstochter Gilberte Montavon (1896-1957), die im Ersten Weltkrieg zahlreiche Soldaten bewirtet hat, und zur helvetischen Symbolfigur wurde.
Es wurden Romane, Theaterstücke und ein Lied über sie geschrieben.
Letzteres, von Hanns in der Gand komponierte Stück, wurde auch im Film verwendet.

Im Zweiten Weltkrieg, im Zuge der geistigen Landesverteidigung und dem aufkeimenden Patriotismusgedanken, erlangte Gilberte De Courgenay erneut grosse Popularität, und Lazar Wechsler, Produzent der Praesens Film AG, entschloss sich dazu den Stoff auf die Leinwand zu bannen.
Mdm. Montavon stimmte dem Filmprojekt zu, mit der Auflage jederzeit Einblick ins Drehbuch zu erhalten und eventuell auch Einfluss darauf nehmen zu können.

1940 schrieben Kurt Guggenheim und der spätere Oscarpreisträger Richard Schweizer das Drehbuch.
Der ursprunglich vorgesehene Regisseur, August Kern, zerstritt sich allerdings mit Wechsler, verliess das Projekt und drehte das Konkurenzprodukt „S‘ Margritli Und D’Soldate“.

Da „ausländische“ Regisseure, wie Leopold Lindberg, von der schweizerischen Fremdenpolizei keine Drehgenehmigung erhielten, wurde der Film dem jungen Franz Schnyder anvertraut.

Heiri Gretler und Regisseur Franz Schnyder (v.l.n.r.)

Heiri Gretler und Regisseur Franz Schnyder (v.l.n.r.)

Für die Hauptrolle waren Elsi Attenhofer und Ditta Oesch im Gespräch.
Letztere erhielt schlussendlich den Part.
Anne-Marie Blanc („Die Missbrauchten Liebesbriefe“) sollte die Rolle der Tilli Odermatt spielen.
Doch Regisseur Franz Schnyder war, nur nach wenigen Aufnahmen, von Blanc’s Darstellung so angetan, dass er kurzerhand die beiden weiblichen Hauptdarstellerinnen, Blanc und Oesch, umtauschte.

Soldat Peter Hasler wurde von Erwin Kohlund („Romea Und Julia Auf Dem Dorfe“) verkörpert, während seine Kameraden unter anderem von den „Cabaret Cornichon“-Stars Rudolf Bernhard, Zarli Carigiet, Schaggi Streuli und Peter W. Staub gespielt wurden.

„Burgtheater“-Schauspieler Heinz Woester, spielte den Hauptmann der Kompanie, während Heinrich „Heiri“ Gretler („Wachmeister Studer“) den Hotelier Odermatt gab.

Die Kameraführung übernahm Emil Berna, während Robert Blum die Filmmusik schrieb. Mit beiden arbeitete Schnyder später, bei einem Grossteil seiner Filme, wieder zusammen.

Sowohl die „echte“ Gilberte, wie auch General Guisan, der Oberbefehlshaber der Schweizer Armee, dem der Film exklusiv vorgeführt wurde, waren von dem Werk sehr angetan.
Das helvetische Filmpublikum tat es ihnen gleich, und so wurde der Film 1941 zu einem wahren Kassenschlager.

Fazit:
Obschon der Film im Ersten Weltkrieg spielt, was der Untertitel „Ein Film Aus der Zeit Der Grenzbesetzung“ verdeutlicht, ist der Geist seiner Entstehungszeit, der Ära der geistigen Landesverteidigung, stark zu spüren.

Es wird an den Durchhaltewillen appeliert, aber auch der Konflikt zwischen den Zivilisten und den Soldaten wird zur Sprache gebracht.
Insbesondere in den Szenen zwischen Erwin Kohlund und Heinrich Gretler kommmt dies sehr stark zur Geltung.

Die Titelgebende Gilberte, bleibt über weite Strecken eher im Hintergrund, greift aber in entscheidenden Momenten ins Geschehen ein.
Viel mehr wird der Fokus auf die Liebesgeschichte zwischen Peter und Tilli gelegt.
Aber auch die Beziehung der Soldaten untereinander, und die Entwicklung der Wehrmänner wird beleuchtet.

Schauspielerisch kann der Film überzeugen.
Anne-Marie Blanc spielt die Rolle der Gilberte, notabene zweisprachig, mit sehr viel Einfühlvermögen, ebenso Erwin Kohlund den liebesgeplagten Peter Hasler.
Heiri Gretler als intriganter Hotelier ist ein Genuss; er spielt den Part in einer nahezu karrikaturhaften, leicht überzeichneten, aber äusserst ansprechenden, Art und Weise, die viel über seine fundierte Arbeit als Bühnendarsteller verrät.

Die heimlichen Hauptdarsteller des Filmes sind allerdings, die vom Cabaret her kommenden, Zarli Carigiet und Rudolf Bernhard, die mit viel Schalk und Schlitzohrigkeit agieren.
Für Carigiet war es eine der ersten Rollen in seiner langjährigen Film-Karriere.

Der Film weist in seiner Machart bereits viele Merkmale der Filme Franz Schnyders auf. Starke Schwarz-Weiss-Kontraste, viele Detailaufnahmen und eindrückliche Close-Up’s, um nur einige zu nennen.

Wenngleich die Geschichte vieleicht nicht mehr ganz zeitgemäss ist, so ist sie dramaturgisch gut erzählt und kommt ansprechechend daher.
Hinzu kommen tolle Darsteller, die den, insbesondere zum Schluss, etwas gar dick aufgetragenen Pathos, verkraftbar machen.

4.5 von 5 Schweizer Soldatenliedern

4.5

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Eine Antwort zu Gilberte de Courgenay

  1. Owley schreibt:

    Den kenn ich sogar! So lange nicht mehr gesehen, aber er ist mir gut in Erinnerung geblieben.

    Hat nicht der Michael von der Heide das Stück mal gesungen? 😀

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