Wilder Urlaub

Wilder Urlaub (VHS -Cover)Mit der Buchverfilmung „Wilder Urlaub“ realisierte Franz Schnyder seinen dritten Spielfilm.
Der Film setzte sich mitten im 2. Weltkrieg mit der Thematik der Fahnenflucht auseinander.

Uraufführung: 2.10.1943
Regie: Franz Schnyder
Darsteller: Robert Trösch, Paul Hubschmid, Sylva Denzler, Robert Freitag, u.a…

Story:
1943, die Schweizer Armee verteidigt die Grenzen des Landes gegen feindlichen Überfall.
In einer regnerischen Nacht, kommt der Soldat Hermelinger (Robert Trösch) in die Stadt Zürich.
Er ist auf der Flucht, da er in einem Streit seinen militärischen Vorgesetzten, Wachtmeister Epper (Robert Freitag) erschlagen hat.

"Einmal volltanken bitte" - Wachtmeister Epper (Robert Freitag) in zivil

„Einmal volltanken bitte“ – Wachtmeister Epper (Robert Freitag) in zivil

Der Fahnenflüchtling kriegt im Haus der nichtsahnenden Familie Ruttishuser ein Zimmer für die Nacht.
Als Hermelinger, auf der Suche nach Zivilkleidern, im Nebenzimmer den Studenten Fritz Hablützel (Paul Hubschmid), seines Zeichens Offizier, überrascht, kommt es zur Konfrontation zwischen den beiden.

Hermelinger (Robert Trösch) bedroht Hablützel (Paul Hubschmid)

Hermelinger (Robert Trösch) bedroht Hablützel (Paul Hubschmid)

Hermelinger flieht in die Dunkelheit, und durchlebt eine Nacht voller Gewissensbisse, die ihn an seinem Tun und Handeln Zweifeln lassen.

Trivia:
1943 entschloss sich Lazar Wechsler, Produzent der Praesens Film AG, den Roman „Wilder Urlaub“ von Kurt Guggenheim zu verfilmen.
Der Schriftsteller, der bereits Drehbücher zu mehreren Filmen, darunter, „Gilberte de Courgenay“ verfasst hatte, schrieb auch das Script zur Verfilmung.

Allerdings musste das Drehbuch auf Druck der Zensurbehörden mehrmals umgeschrieben werden.

Ursprünglich wollte Leopold Lindberg Regie führen, die damalige politische Lage führte jedoch dazu, dass die Fremdenpolizei dem Österreicher, keine Drehgenehmigkeit gab.

Daher entschied sich Wechsler dazu, Franz Schnyder, der für Praesens bereitst „Gilberte de Courgenay“ und „Das Gespensterhaus“ gedreht hatte, mit der Regiearbeit zu betrauen.

Die Hauptrolle des Soldaten Hermelingers spielte Robert Trösch („Landamann Stauffacher“) während der Student Hablützel von dem zu diesem Zeitpunkt äusserst populärem Paul Hubschmid („Füsilier Wipf“) verkörpert wurde.

Der Wachtmeister Epper wurde von Robert Freitag („The Great Escape“) verkörpert, während Adolf Manz („Der Schuss von der Kanzel“) Herr Ruttishuser, und Sylva Denzler die Serviertochter Emma spielte.

In einer kleinen Rolle ist zudem Max Werner Lenz, Mitinitiant des „Cabaret Cornichons“, zu sehen.

Hinter der Kamera setzte Schnyder auf ein bewährtes Team; Emil Berna und Hermann Haller zeichneten sich für Kamera bzw. Schnitt verantwortlich während Robert Blum die Musik schrieb.

Der Film wurde, trotz positiven Kritiken, ein kommerzieler Misserfolg.
Nur das geschikte Einlenken von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler, Mitglied des Verwaltungsrates der Praesens, der den Film nach Deutschland exportierten konnte, entging Praesens Film AG einem finanziellen Fiasko.

Für Regisseur Franz Schnyder blieb es jedoch der letzte Spielfilm für über ein Jahrzehnt.

Fazit:
Mit seiner dritten Regiearbeit nimmt sich Franz Schnyder erstmals einem zeitgenössischen, kritischen Stoff an.

Die Inszenierung desselbigen lässt kaum Wünsche offen, in der Tradition des amerikanischen Film-Noirs, schafft Schnyder starke und kontrastreiche Schwarz-Weiss-Bilder sowie interessante Aufnahmen.

Etwas weniger überzeugen kann hingegen die Handlung wie auch die Schauspieler.

Die Story hätte an sich in ihren Grundzügen durchaus Potential gehabt, leider wird  durch langfädige Dialogszenen viel vom Tempo des Films genommen.
Der armeekritische Teil der Story kommt etwas gar zu kurz und dass zum Schluss alles auf ein versöhnliches Happy-End hinaus läuft, will mir nicht so recht gefallen.

Schauspielerisch ist der Film ebenfalls nicht unbedingt ein Glanzlicht des helvetischen Kinos.
Die Darsteller spielen zwar solide, aber nicht wirklich berauschend, am allerwenigsten Hauptdarsteller Robert Trösch.

Somit bleibt „Wilder Urlaub“ optisch einer der besten Schweizer Filme, sowohl seiner Zeit, als auch im Werke Franz Schnyders.
Inhaltlich mildert jedoch die flaue Storyumsetzung und durchschnittliche Schauspielleistung das Filmvergnügen.

3 von 5 militärischen Urlaubsgesuchen

3

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