Les Misérables

les miserables„Les Misérables“ ist eines der bekanntesten und meistverfilmten Werke Victor Hugos, die Musicaladaption zählt zu den erfolgreichsten Musicals der Welt.
Daher war es nur eine Frage der Zeit, bis auch diese ihren Weg in die Kinosäle fand.
Dank dem oskarprämierten Regisseur Tom Hooper und einem Top-Cast mit Hugh Jackman, Russell Crowe und Anne Hathaway, ist es nun, über 25 Jahre nach der Uraufführung soweit.

Uraufführung: 23.11.2012
Regie: Tom Hooper
Darsteller: Hugh Jackman, Anne Hathaway, Russell Crowe, Amanda Seyfried, u.a…

Story:
Im post-napoleonischen Frankreich wird der, für den Diebstahl eines Brotes bestrafte, Kettensträfling  Jean Valjean (Hugh Jackman) nach 19 Jahren Haft, von seinem Aufseher, Javert (Russell Crowe) auf Bewährung freigelassen.

Inspektor Javert (Russell Crowe) und Jean Valjean (Hugh Jackman) (v.l.n.r.)

Inspektor Javert (Russell Crowe) und Jean Valjean (Hugh Jackman) (v.l.n.r.)

Eine Schicksalshafte Begegnung mit einem Gottesmann (Colm Wilkinson) bringt ihn dazu, sein altes Leben zu überdenken, und unter einem neuen Namen eine neue Idäntität aufzubauen.

Jahre später, Valjean ist mittlerweile angesehener Fabrikbesitzer und Bürgermeister einer mittelgrossen Stadt, da taucht, auf der Suche nach ihm, Javert, mittlerweile Polizeiinspektor, auf.
Valjean kann fliehen, stattet aber zunächst noch dem Hospital einen Besuch ab.

Fantine (Anne Hathaway)

Fantine (Anne Hathaway)

Denn dort liegt Fantine (Anne Hathaway), eine seiner Arbeiterinnen im Sterben.
Er verspricht ihr sich um ihre uneheliche Tochter, Cosette (Isabelle Allen), zu kümmern, die beim betrchügerischen Wirtepaar Thénardier (Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen) und deren Tochter Éponine (Natalya Angel Wallace) lebt.

Das Ehepaar Thénardier (Sacha Baron Cohen und Helena Bonham Carter) mit Cosette (Isabelle Allen)

Das Ehepaar Thénardier (Sacha Baron Cohen und Helena Bonham Carter) mit Cosette (Isabelle Allen)

Weitere Jahre vergehen, Valjean und Cosette (Amanda Seyfried) leben mittlerweile in Paris, abermals unter neuer Identität.
Man schreibt das Jahr 1832, im Volk regt sich Wiederstand gegen den amtierenden Herrscher Louis Phillipe, und revolutionäre Kreise planen einen Aufstand.
Einer der Rädelsführer, der Student Marius (Eddie Redmayne) hat ein Auge auf Cosette geworfen.
Und dann taucht auch noch Inspektor Javert auf, nach all den Jahren immer noch auf der Suche nach Valjean…

Trivia:
Das Musical „Les Misérables“ von Claude-Michel Schönberg und Alain Boublil,
welches auf Victor Hugos gleichnamigen Werk basiert, wurde 1980 in Paris, und 1985 auf Englisch in London uraufgeführt.

Es wurde schnell zu einem Grosserfolg und so zog man bereits in den achtziger Jahren eine Leinwandadaption in Betracht. Alan Parker, Regisseur des Musicalfilms „Evita“, wurde in Betracht gezogen, Aus finanziellen Gründen wurde das Projekt jedoch fallen gelassen.

Erst 2010, aus Anlass des 25 Jahr Jubiläums der englischen Fassung, wurde der Film wieder spruchreif.
Cameron Mackintosh, Produzent des Musicals, machte sich für die Sache stark.

2011 wurde Tom Hooper („The Kings Speech“) als Regisseur verpflichtet.

Regisseur Tom Hooper am Set (im Vordergrund Daniel Huttlestone)

Regisseur Tom Hooper am Set (im Vordergrund Daniel Huttlestone)

Für die Rolle von Valjean wollte Hooper von Beginn weg den Australier Hugh Jackman („X-Men“). Für seinen Gegenpart, den Polizeiinspektor Javert, war zunächst Paul Bettany im Gespräch, ehe Russell Crowe („Gladiator“) verpflichtet wurde.

Als Fantine wurde Anne Hathaway („The Dark Knight Rises“) gecastet.
Ihre Tochter Colette wurde von Amanda Seyfried („In Times“), bzw. in der jüngeren Version, von Isabelle Allen, gespielt.
Eddie Redmayne („My Week With Marilyn“) und Aaron Tveit („Howl“) gaben die Studenten Marius und Enjolras.

Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen, die bereits in „Sweeney Todd: The Demon Barber Of Fleet Street“ gemeinsam ein Musical bestritten, verkörperten das schelmische Wirtepaar Thénardier.
Ihre Tochter Éponine wurde von Samantha Barks gespielt, die die Rolle bereits in der Bühnenversion innehatte.
Sie stach damit Schauspielerinnen wie Scarlett Johansson oder Taylor Swift aus, die für den Part im Gespräch waren.

Ebenfalls von der Bühne in den Film, wurden Daniel Huttlestone als Strassenjunge Gavroche, und Colm Wilkinson als Bischof geholt.
Wilkinson spielte in der Uraufführung, 1985, den Part des Valjean.

Regisseur Hooper entschied sich  dazu, die Songs live am Set aufzunehmen, und sie nicht, wie im Normalfall bei Musicalproduktionen, im Studio nachzusynchronisieren. Somit konnten die Darsteller die Emotionen in ihrem Schauspiel direkt in die Lieder einfliessen lassen.

Die Nummern wurden anschliessend mit der Orchestermusik unterlegt.
Hierfür zeichnete sich kein Geringerer als Claude-Michel Schönberg, Komponist des Musicals,verantwortlich. Er schrieb für den Film sogar ein neues Stück: „Suddenly“.

Nach mehrwöchigen Proben, wurden Anfang 2012 im französischen Gourdon erste Aussenaufnahmen gedreht. Weitere Locations waren die englischen Städte Portsmouth und Oxford, der Londoner Stadtteil Greenwich, sowie die Pinewood Studios.

Die Kamera führte Danny Cohen, der mit Hooper bereits bei „The Kings Speech“ zusammengearbeitet hatte.

Der Film und seine Darsteller wurde für mehrere Preise, darunter die BAFTAs, Golden Globes und Oscars, nominiert.

Fazit:
Ich muss im Vornherein anmerken, dass ich nahezu keinen Bezug, weder zur Geschichte Victor Hugos, noch dem Musical hatte. Einzig die TV-Version mit Gérard Depardieu habe ich vor etlichen Jahren mal gesehen. Daher ging ich völlig vorbehaltslos und ohne grosse Erwartungen an den Stoff ins Kino.

Rein optisch wurde ich positiv überrascht, denn rein in Punkto Machart ist der Film eine Wucht. Bereits die fulminante Eröffnungsszenelle lässt einem den Atem stocken, und das Werk zieht dank seinen wunderbaren Kostümen und  tollen Sets sofort in seinen Bann und die Welt des 19. Jahrhunderts.
Ja, historische Stoffe liegen Tom Hooper, dies hat er mit Fernsehserien wie „John Adams“ und seinem Kinoerfolg „The Kings Speech“ eindrücklich bewiesen.

Auch bei der Darstellertwahl beweist der Brite grosses Geschick.
Zugegeben, Rusell Crowe hat mir auch schon besser gefallen, schlecht ist sein Spiel partout nicht.
Doch im Vergleich mit seinem „Kontrahenden“ Hugh Jackman, zieht er ganz klar den Kürzeren. Dieser überzeugt sowohl auf darstellerischen, wie auch gesanglicher Ebene.

Anne Hathaway, ihrerseits, vermag, trotz, verhältnissmässig, kurzer Leinwandpräsenz, mehr als zu überzeugen.
Sie spielt mit sehr viel Hingabe, und bereits wenn sie die ersten Zeilen von „I dreamed a Dream“ anschlägt, läuft es einem eiskalt den Rücken hinunter.

Ebenfalls grosse Leistung erbringt Samantha Barks als Éponine. Die junge Dame überzeugt in ihrem Spielfilmdebut, und man darf gespannt sein, was man von ihr in Zukunft noch so zu sehen kriegt.

Auch die beiden jüngsten Mitglieder des Casts, Daniel Huttlestone und Isabelle Allen sind grosse Klasse. In ihren jeweiligen Rollen als Strassenjunge Gavroche und junge Colette, wissen die zwei zu überzeugen, singen grossartig und gewinnen im Handumdrehen die Sympathien des Publikums.

Zu guter Letzt sind noch Helena Bonham Carter und Sacha Baron Cohen, als betrügerische Schankwirte, zu erwähnen. Die beiden strapazieren das Zwerchfell der Zuschauer aufs Ärgste (was kein Vorwurf ist!), und es ist ein Genuss den beiden bei ihrem Spiel beizuwohnen.

Die Musikstücke des Films gefallen mir zwar nicht alle gleich gut, doch es hat einige ganz tolle Themes darunter, und insbesondere die Massenszenen und grossen Chöre, ziehen in ihren Bann. Die Entscheidung die Schauspieler frei singen zu lassen hat sich bewährt, nicht zuletzt weil die Darsteller nicht nur schauspielerisch, sonder auch gesanglich zu überzeugen wissen.

Doch trotz der grossartigen Darstellerriege und der tollen Machart, hat der Film seine Schwächen.

Diese sind hauptsächlich Dramaturgischer Natur, und treten vorwiegend im letzten Drittel des Filmes auf.
Denn zum Schluss hin wird der Film sehr, sehr langatmig, und zur wahren Tortur. Hier hätte man, meiner Meinung nach, radikal kürzen müssen, denn der bis dato solide Erzählfluss wird durch zuviele neueingeführte Figuren, nicht mehr enden wollende Musiknummern und eine Verzettelung der Handlung, arg gestört.

Was im Musical sehr wahrscheinlich ganz gut funktioniert, will auf der Leinwand nicht sso recht glücken, denn immerhin obliegen Theater und Kino unterschiedliche Regeln.

„Les Misérables“ ist wunderbar inszeniertes, stark besetztes Kino, dem leider im finalen Akt durch Überlänge viel von seinem anfänglichen Drive abhanden kommt.

3.5 von 5 Papp-Maché-Elefanten

3.5

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Eine Antwort zu Les Misérables

  1. Owley schreibt:

    Du mit deinem elenden Pappmaché-Elefanten, du… 😀

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