Uli der Knecht

img_159941954, nach über 10-jähriger Filmpause realisierte Franz Schnyder mit „Uli der Knecht“ den ersten Gotthelf- Film.
Das Werk schlug ein wie eine Bombe, und zählt bis heute zu den beliebtesten Schweizer Filmklassikern.

Uraufführung: 19.10.1954
Regie: Franz Schnyder
Darsteller: Hannes Schmidhauser, Liselotte Pulver, Heinrich Gretler, Hedda Koppé, u.a…

Story:
Uli (Hannes Schmidhauser) ist Knecht beim Bodenbauer (Heinrich Gretler).
Er ist ein notorischer Frauenheld, trinkt des öfteren einen über den Durst, und verrichtet seine Arbeit nur liederlich.

Dennoch glaubt sein Meister an ihn, und redet ihm ins Gewissen.
Als er ihn, auch noch vor einem Ungemach bewahrt, in dass ihn falsche Freunde stürzen wollen, krempelt Uli seinen Lebenswandel komplett um, und wird zu einem der tüchtigsten Knechte des ganzen Emmentals.

Dies kommt auch Joggeli, dem Glunggenbauern (Emil Hegetschweiler) zu Ohren, der einen solchen Knecht gut auf seinem heruntergewirtschafteten Hof gebrauchen könnte.
Es gelingt ihm, Uli aus den Diensten des Bodenbauerns zu lösen, und in seine Dienste zu nehmen.

Der Bodenbauer (Heiri Gretler) und der Glunggenbauer (Emil Hegetschweiler)

Der Bodenbauer (Heiri Gretler) und der Glunggenbauer (Emil Hegetschweiler)

So wird Uli der neue Meisterknecht auf dem Glunggenhof.
Doch dort weht ihm ein kalter Wind entgegen.
Nicht nur die Gehässigkeit des intrigen Bauern und die faulen Knechte und Mägde machen ihm zu schaffen; auch Johannes (Erwin Kohlund), Joggelis Sohn, und seiner Frau Trinette (Stephanie Glaser), ist der „Neue“ ein Dorn im Auge.

Die Glunggenbäuerin (m.) Uli (Hannes Schmidhauser) und Vreneli (Lilo Pulver)

Die Glunggenbäuerin (m.) Uli (Hannes Schmidhauser) und Vreneli (Lilo Pulver)

Einzig die Glunggenbäuerin (Hedda Koppé) und die Magd Vreneli (Liselotte Pulver) sind Uli wohlgesonnen.
Und Elsi (Marianne Matti), Tochter des Glunggenbauers, hat ein Auge auf den tüchtigen Knecht geworfen.

Trivia:
Wie soviele Schweizer Filme der 50er, entstand auch „Uli der Knecht“ im Zuge eines Radiohörspiels.
Ab 1951 wurden die Hörspiele von Ernst Balzli, nach Vorlagen Jeremias Gotthelfs auf Radio Beromünster ausgestrahlt, und lokten eine grosse Zuschauerzahl vor die Radioempfänger.

Oscar Düby, Produktionsleiter der Gloriafilm Studios, empfahl deshalb, 1954, zum 100. Todestages des Emmentaler Schrifstellers, eine Verfilmung dessen Werks in Angriff zu nehmen.

Man entschied sich für den populären Roman „Wie Uli der Knecht glücklich wird“, bekannt unter dem Titel „Uli der Knecht“.
Als Regisseur verpflichtete man den aus Burgdorf stammenden, mit Gotthelfs Werk vertrauten, Franz Schnyder.
Das Drehbuch schrieb dieser gemeinsam mit Richard Schweizer und Werner Düggelin, wobei man sich möglichst nahe an die Romanvorlage hielt.

Franz Schnyder

Franz Schnyder

Für die Hauptrolle wurde Hannes Schmidhauser („Hinter den sieben Gleisen“), zu diesem Zeitpunkt Captain der Schweizer Fusballnationalmannschaft, verpflichtet.
Das Vreneli spielte die, in Deutschland bereits sehr erfolgreiche Liselotte „Lilo“ Pulver („Das Wirtshaus im Spesart“).

Viele der weiteren Rollen wurden mit populären Schweizer Schauspielern wie Heinrich Gretler („Wachtmeister Stude“) als Bodenbauer, Emil Hegetschweiler („Bäckerei Zürrer“) als Glunggenbauer, Erwin Kohlund („Dällebach Kari“) als dessen Sohn, Alfred Rasser („HD Läppli“) in der Rolle des Basler Baumwollhändlers und Max Haufler („Der Teufel hat gut lachen“) als fauler Knecht, besetzt.

Die in die USA ausgewanderte Theaterschauspielerin Hedda Koppé, spielte mit der Rolle der Glunggenbäuerin erstmals seit Jahren in einem Schweizer Spielfilm mit.

Daneben kamen einige neue Gesichter zu ihrem Kinodebut.
Stephanie Glaser („Die Herbstzeitlosen“) spielte Trinete, während Linda Geiser („Die 6. Kummerbuben“) und Radiolegende Elisabeth Schnell, zwei Mägde, die Uli den Kopf verdrehen, verkörperten.

Marianne Matti („S’Waisechind vo Engelbrerg“) schliesslich, gab die hochnäsige Bauerntochter Elisi.

Gedreht wurde an „Originalschauplätzen“ im Emmental, Innenaufnahmen entstanden im Filmstudio Rosenhof in Zürich.
Für die Kamera war Emil Berna verantwortlich, während Robert Blum die Filmmusik schrieb.

Noch während den Dreharbeiten zerstritten sich Produzent Oscar Düby und die Gloriafilm.
Düby verliess das Projekt und wurde durch Max Dora ersetzt.
Er nahm jedoch die Filmrechte für die Fortsetzung „Uli der Pächter“ mit, und realisierte denselbigen ein Jahr später für die Praesens-Film.

„Uli der Knecht“ wurde von über 1,6 Millionen Kinogängern gesehen, was 1954 ein absoluter Rekord in der Schweiz war.

Fazit:
Mit „Uli der Knecht“ lancierte Franz Schnyder den ersten Gotthelf-Film und einen der populärsten Schweizerfilme ever.

Das Ganze ist im Stile eines Bauerntheaters angelegt, und scheut sich nicht folkloristische und urchige Elemente, aber auch mal rohe Gewalt zu zeigen. Optisch hält der Film stand, auch wenn er nicht zu den Bildgewaltigsten Werken Schnyders gehört. Schnyder bedient sich zudem einer urtümlichen Sprache, die sehr nahe am Gotthelfschen Original (von 1841) ist, und zu einen grossen Teil den Reiz des Streifen ausmacht. Hinzu kommen Darsteller die gut in die jeweiligen Rollen passen.

Nebst den grossen Volksschauspielern Gretler und Hegetschweiler, die ihre Sache ausgezeichnet machen, können insbesondere die beiden Hauptdarsteller Schmidhauser und Pulver überzeugen. Insbesondere Liselotte Pulver spielt in einer Klasse für sich, und bringt viel Tiefe in die Figur und in den Film. Ihr legendäres Lachen wirkt zudem hochansteckend, und sie und Schmidhauser geben ein schönes Liebespäärchen ab.

Die „Schlechten“, und von denen hat’s mehr als genug; sind allesamt herrlich überzeichnet, nahezu parodistisch gezeichnet. Erwin Kohlund und Alfred Rasser als geldgierige Schwäger, und Stephanie Glaser und Marianne Matti als deren Frauen sorgen für ordentlich Stimmung, insbesondere wenn sie sich sprichwörtlich an die Gurgel gehen.

Was mich persönlich stört, ist die, stets über der Geschichte schwebende, Moralkeule und die unablässige Frömmigkeit des Films. Man kann dies zwar auf die Buchvorlage abmünzen, Schnyder hat jedoch in späteren Gotthelf-Filmen bewiesen, dass es sich auch mit weniger Schulmeisterei machen lässt.

Insgesamt ein schönes Stück Schweizer Film, in urchigem Umfeld mit tollen Darstellern und einem schönen Liebespaar.
leider aber, kommt das Ganze stellenweise etwas gar schulmeisterlich und moralisch daher, und hat daher etwas Staub angesetzt.
Wer sich jedoch auf das Werk einlässt, dem wird solide und gut gemachte Unterhaltung made in Switzerland geboten.

4 von 5 goldgelben Berner Röstis

4

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