Es geschah am hellichten Tag

es geschah am hellichten tagHeute, am 25. Februar, würde der deutsche Schauspieler Gert Fröbe 100 Jahre alt.
Fröbe drehte zahlreiche Filme in Deutschland, ehe er mit der deutsch-schweizerischen Produktion „Es geschah am hellichten Tag“ ein weltweites Publikum auf sich aufmerksam machte und seine internationale Karriere startete.
Aus diesem Grund, und zu Ehren Gert Fröbes, möchte ich den Film heute etwas genauer betrachten.

Uraufführung: 4.7.1958
Regie: Ladislao Vajda
Darsteller: Heinz Rühmann, Gert Fröbe, Marià Rosa Salgado, Michel Simon, u.a…

Story:
Im zürcherischen Mägendorf wird die Leiche eines kleinen Mädchens gefunden.

Der Kriminologe Dr. Matthäi (Heinz Rühman) wird mit dem Fall betraut.
Er verspricht den Eltern (Margrit Winter und Hans Gaugler) des verstobenen Mädchens, den Mörder zu finden.

Die Kommisare Hanzi (Siegfried Lowitz) und Matthäi (Heinz Rühmann)

Die Kommisare Hanzi (Siegfried Lowitz) und Matthäi (Heinz Rühmann)

Während für die Dorfbevölkerung und die lokale Polizei, der Bettler Jacquier (Michel Simon), der die Leiche gefunden hat, der Täter ist, zweifelt Matthäi an dessen Schuld.
Sein Assistent Leutnant Henzi (Siegfried Lowitz) kann Jaquier zwar ein Geständniss abringen, kurz darauf begeht der Clochard jedoch Suizid.

Matthäi ist inzwischen eine seltsame Kinderzeichnung des getöteten Mädchens in die Finger gekommen, welche wohl mit dem Verbrechen in Zusammenhang stehen muss.
Es scheint so, als ob das Mädchen seinen Täter gekannt, und ihn auf dem Bild festgehalten hat.
Nach und nach kann der Kriminologe diese „entschlüsseln“ und glaubt darin zu lesen, dass der Mörder einen schwarzen Wagen mit einem Bündner Nummernschild fährt.

Er mietet desshalb an der Strecke Zürich-Chur eine Tankstelle um dem Täter abzuwarten. Zudem stellt er die alleinerziehende Frau Haller (Marià Rosa Salgado) als Haushälterin ein, deren Tochter Annemarie (Anita von Ow) er als „Lockvogel“ einsetzt, natürlich ohne das Wissen der beiden.

Sein Plan scheint zu funktionieren, denn eines Tages macht der Grossunternehmer Schrott (Gert Fröbe) Halt an der Tanke.
Er fängt ein Gespräch mit der kleinen Annemarie an, und erzählt ihr er sei ein grosser Zauberer.

Schrott (Gert Fröbe) lockt mit seiner Puppe...

Schrott (Gert Fröbe) lockt mit seiner Puppe…

Matthäi ist sich sicher, dass Schrott der gesuchte Mörder ist, und spannt langsam eine Falle um diesen.
Doch er setzt auf alles und bringt das Mädchen dadurch in grosse Gefahr.

Trivia:
1957 trat Lazar Wechsler, Produzent der Praesens-Film AG, auf den Schriftsteller und Theaterautor Friederich Dürrenmatt zu, und bat ihn, das Drehbuch für einen Kinofilm zu schreiben, dessen Thematik Sexualverbrechen an Kindern sei.

Friederich Dürrenmatt

Friederich Dürrenmatt

Dürrenmatt schrieb ein erstes Script, und schlug dafür die Titel „Gott schlief am Vormittag“ und „Schrott geht bummern“ vor.
Wechsler und seine Co-Produzenten von der deutschen CCC-Film und der spanischen Chamartín SA entschieden sich jedoch für den Titel „Es geshah am hellichten Tag“.

Als Regisseur wurde der Ungare Ladislao Vajda („Der Lügner“) verpflichtet, der seinerseits das Drehbuch umschrieb.

Für die Hauptrolle des Dr. Matthäi, wollten die Produzenten zunächst Martin Held engagieren, dieser konnte jedoch aus terminlichen Gründen nicht verpflichtet werden, sodass Heinz Rühmann („Die drei von der Tankstelle“) den Zuschlag erhielt.
Gert Fröbe („Berliner Ballade“) spielte den Kindesmörder Schrott, Berta Drews („Die Blechtrommel“) seine Frau.

Siegfrid Lowitz („Der Hexer“) gab Matthäis Assistenten, Leutnant Henzi, während die Spanierin Marià Rosa Salgado („Balarrasa“) Frau Haller, Mutter von Annemarie, verkörperte.

Daneben traten viele bekannte Schweizer Darsteller und Darstellerinnen im Film auf.

Michel Simon („Le Poison“) spielte den Clochard Jacquier, neben ihm waren Sigfrid Steiner („Das gefrorene Herz“), Heinrich Gretler („Heidi“), Emil Hegetschweiler („Cafe Odeon“), Margrit Winter („Anne Bäbi Jowäger“), Ettore Cello („Bäckerei Zürrer“) und Max Haufler („Kinder der Berge“) in Nebenrollen zu sehen.

Gedreht wurde hauptsächlich an Originalschauplätzen, im Kanton Zürich und in der Gegend zwischen Landquart und Chur.

Der Film lief 1958 an der Berlinale im Wettbewerb um den Goldenen Bären.

Für Gert Fröbe war es der internationale Durchbruch, dank seiner Darstellung erhielt er 1964 die Rolle des Schurken Auric Goldfinger im James Bond Film „Goldfinger“.

Friederich Dürrenmatt zeigte sich vom fertigen Werk, dass sich doch erheblich von seiner Vorlage unterschied, nicht allzu begeistert, und schrieb auf Grundlage derselbigen den Roman „Das Versprechen“, der wesentlich düsterer ausfällt als der Film.

Dieser Roman wurde 2001 von Sean Penn mit Jack Nicholson, Helen Mirren und Benicio Del Toro unter dem Titel „The Pledge“ verfilmt.

Fazit:
„Es geschah am hellichten Tag“ gehört zweifelsohne zu den besten deutschen Thrillern der Nachkriegszeit, das darf gesagt werden.

Die düstere Story geht unter die Haut, und hat auch nach bald 60 Jahren nichts von ihrer Kraft verloren.
Obschon umgeschrieben, ist Dürrenmatts Grundidee noch gut erkennbar, und es wird klar weshalb der Mann zu den besten Autoren der Schweiz zählt.
Die Spannung ist durchgehend hoch und der Handlungsaufbau inteligent aufgeschichtet.

Regisseur Ladislao Vajda gelingt es zudem, die Vorlage grossartig umzusetzen.
Er bedient sich einer ausdruksstarken Bildsprache und arbeitet mit exessivem Sounddesign, und erinnert somit stellenweise an die Werke eines  Alfred Hitchcocks.

Die schwarzweiss-Bilder und die Geschichte, stehen in krassem Gegensatz zu den idyllischen Landschaften der Bündner Herrschaft.

Das Ensemble ist auch sehr ansprechend.
Heinz Rühmann, zu diesem Zeitpunkt hauptsächlich auf Komödien spezialisiert, gelingt es den Komissar mit der nötigen Figurentiefe und Glaubhaftigkeit auszustatten.

Gert Fröbe seinerseits, liefert als Kindermörder Schrott eine seiner besten Performances ever ab.
Er spielt ihn als psychisches Wrack, das unter der Peinigungen seiner Frau leidet, aber gleichermassen, in grosspuriger Manier auffährt.
Ein Antagonist den man nicht so schnell wieder vergisst, und wie ihn nur ein Dürrenmatt erschaffen konnte.

Nebst den beiden, muss auch Michel Simon als Clochard Jacquier, hervorgehoben werden.
Seine Darstellung geht unter die Haut, und er vermag es die Gefühle der Zuschauer zu wecken.

Das zufriedenstellende Ende des Films, das man wohl aus Angst vor allfäligen Reaktionen geschrieben hatte, hätte es meiner Meinung nach gar nicht gebraucht.
Im Gegenteil, mit dem vom Autor vorgesehenen Ende, wäre man wohl gar nicht schlecht gefahren.

Dennoch ein starkes Stück deutscher Kriminalfilm, das dank guten Darstellern, einer spannungsgeladenen Story, die niemanden kalt lässt, und packender Inszenierung bis heute nichts von seiner Ausdrukskraft verloren hat.

4.5 von 5 Kasperlefiguren

4.5

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