Uli der Pächter

img_19786Nach den Erfolgen die er mit „Uli der Knecht“ und „Heidi und Peter“ 1954 feiern konnte, hatte sich Franz Schnyder, nach über 1o-jähriger Abwesenheit, wieder zurückgemeldet.
Mit „Uli der Pächter“ erfolgte 1955 der zweite Teil der gotthelfschen Geschichte, rund um den Emmentaler Knecht.

Uraufführung: 23.12.1955
Regie: Franz Schnyder
Darsteller: Hannes Schmidhauser, Liselotte Pulver, Emil Hegetschweiler, Fredy Scheim u.a…

Story:
Uli (Hannes Schmidhauser) im Glück.
Der ehemalige Meisterknecht konnte den Glunggenhof von seinem Meister (Emil Hegetschweiler) pachten, und führt diesen seither sehr erfolgreich.
In Vreneli (Liselotte Pulver) hat er zudem eine liebevolle Ehefrau gefunden, und der Nachwuchs lässt auch nicht auf sich warten.

Doch Uli hört auf vermeintliche Freunde, wie den Müller (Fredy Scheim) und den Wirt (Walter Lapp), und setzt um Geld zu sparen auf ebenso billige wie zwielichtige und arbeitsfaule Knechte und Mägde.

Uli hört auf die Falschen...

Uli hört auf die Falschen…

Dem Glunggenbauer und seiner Frau (Hedda Koppé), die im Stöckli (dem Altenwohnsitz neben dem Bauernhof) ihren Lebensabend verbringen, rücken indess der Sohn (Erwin Kohlund) und der Schwiegersohn (Alfred Rasser), mit unverschämten Geldvorderungen auf den Leib.

Alle wollen Geld von Joggeli...

Alle wollen Geld von Joggeli…

Eines Tages verkauft Uli, auf Anraten seiner „Freunde“ hin, einem Bäuerlein (Hans Gaugler) eine zweitklassige Kuh.
Als dieser sich später beschwert, will Uli nichts davon wissen, und zettelt einen Gerichtsprozess an.

Bald schon jedoch, prasselt das Unglück in Form von Unwettern, Missernte und Krankheit auf Uli herein, und es scheint so, als ob der Glunggenhof in andere Hände gelangen würde.

Und dann taucht da auch noch plötzlich der Hagu Hannes (Leopold Biberti), ein als Unmensch und Raubein verschriener Zeitgenosse, auf der Glungge auf…

Vreneli (Lilo Pulver) und Hagu Hannes (Leopold Biberti)

Vreneli (Lilo Pulver) und Hagu Hannes (Leopold Biberti)

Trivia:
Nach dem gewaltigen Erfolg von „Uli der Knecht“, entschloss sich Produzent Oscar Düby den zweiten von Jeremias Gotthelfs Uli-Romanen, „Uli der Pächter“, dessen Filmrechte er besass, in Angriff zu nehmen.

Da er sich mit Gloriafilm, Produktionsfirma des Erstlings, zerstritten hatte, wandte er sich an Praesens-Film.
Dort empfing man ihn mit offenen Armen, und gab ihn sogleich Grünes Licht für das Projekt.
Bei Cast und Crew änderte sich sogut wie nichts, und wiederum führte Franz Schnyder Regie.

Nebst der Mehrheit der Schauspieler aus „Uli der Knecht“, traten ein paar neue Gesichter auf den Plan.
Fredy Scheim („Oberstadtgass“) verkörperten den Müller, und Leopold Biberti („Swiss Tour“) den Hagu Hannes.

Sigfi Steiner („Das gefrorene Herz“) und Willy Fueter („Der 42. Himmel“), traten als Advokaten auf.
Hans Gaugler („Es geschah am hellichten Tag“) spielte das Bäuerlein und Peter Arens („Morgens um sieben ist die Welt noch in Ordnung“) den Dorfarzt.

Die Kameraarbeit übernahm erneut Emil Berna, der Soudtrack wurde wiederum von Robert Blum komponiert.

Bereits während den Dreharbeiten sorgte „Uli der Pächter“ für grosses Medienecho, da kein Geringerer als Charly Chaplin den Filmdreh besuchte.

Charly Chaplin (l.) am Set

Charly Chaplin (l.) am Set

Der Film übertraf seinen Vorgänger finaziell und zuschauermässig klar, und bahnte so den Weg für weitere Gotthelf-Verfilmungen…

Fazit:
Der Film setzt nahtlos an den Vorgänger an, kommt ganz in dessen Stil daher, schlägt jedoch auch neue Wege ein.

Das Schnyder mit nahezu derselben Crew und fast identischem Cast, wie schon beim Vorgänger arbeiten konnte, wirkt sich positiv aus.

Die Hauptdarsteller setzen ihr angestandenes Spiel fort.
Lilo Pulver wie bereits im Erstling souverän, Hannes Schmidhauser mit grosser Steigerung gegenüber dem Vorgängerfilm.
Sie wirken als (Ehe-)Paar eingespielt und harmonieren gut miteinander.

Nebst ihnen glänzen erneut Emil Hegetschweiler als Glunggenbauer, Hedda Koppé als dessen Frau, und Erwin Kohlund und Alfred Rasser als geldgierige Verwandte.

Von den „Neuzugängen“ kann insbesondere Fredy Scheim überzeugen.
Der Komiker verkörpert den raffgierigen Müller aufeine  gar herrliche Art und Weise.

Peter Arens kann als Arzt zum Schluss des Filmes auftrumpfen.
Sein, zu kurz geratener, Auftritt ist ein Vorgeschmack auf die Rolle die er später in „Anne Bäbi Jowäger“ einnehmen wird.

Nebst den Schauspielern kann der Film auch dramaturgisch überzeugen.
Es gibt mehr Wendepunkte, und die Geschichte ist tiefgründiger als in „Uli der Knecht“. Die religiös-moralische Note ist allerdings nicht kleiner geworden, im Gegenteil, und leider immer noch allgegenwärtig.

Noch hat Schnyder nicht den Mut gefunden, sich vom predigerischen Ton der Buchvorlage zu lösen.

Dafür wagt er gestalerisch mehr.
Szenen, wie die Beerdigung (von wem sei hier nicht verraten), die ob der Bildgewalt, minutenlange ohne jeden Dialog auskommen, sind wahre cineastische Höhenflüge.

Gute Schauspieler, gute Story, tolle Machart, der Film vermag es, den Vorgänger zu übertrumpfen.
Leider ist er immer noch von einer tiefreligiösen Moral durchzogen, was das Filmvergnügen etwas trübt.

4.5 von 5 Chacheli feins Caffé (=Tassen feinster Kaffe)

4.5

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Franz Schnyder Special, Reviews, Schweizer Film abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Uli der Pächter

  1. Urs Fueter schreibt:

    Weitere Bilder und Hintergrundinformationen zu den Gotthelf-Verfilmungen von Franz Schnyder finden sich unter „Hommage an Willy Fueter“, http://www.willyfueter.ch

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s