Geld und Geist

Geld und GeistMit „Geld und Geist“ produzierte Regisseur Franz Schnyder erstmals einen Gotthelf-Film in Farbe.
Es war allerdings auch die letzte Gotthelf-Adaption Franz Schnyders.
Der Film war zudem 1964 die einzige Schweizer Spielfilmproduktion.

Uraufführung: 8.10.1964
Regie: Franz Schnyder
Darsteller: Erwin Kohlund, Margrit Winter, Peter Arens, Elisabeth Berger u.a…

Story:
Auf dem Emmentaler Liebiwyl-Hof leben der Bauer Christen (Erwin Kohlund) und seine Frau Änneli (Margrit Winter) mit den Kindern Resli (Peter Arens), Annelisi (Verena Hallau), und Christeli (Fritz Nydegger) in grosser Bescheidenheit.

"Home Sweet Home" (v.l.n.r. , Peter Arens, Erwin Kohlund, Margrit Winter, )

„Home Sweet Home“ (v.l.n.r. , Peter Arens, Erwin Kohlund, Margrit Winter, )

Als Christen sich eines Tages vom Gemeindeschreiber (Bernhard Enz) zur Spekulation mit seinen Ersparnissen überreden lässt, und dabei das ganze Geld verliert, gerät das harmonische Leben der Familie aus den Fugen.

Missgunst, Streit und Zwietracht dominieren nun den Alltag auf dem Liebiwyl-Hof. Weder Christen noch Änneli sind bereit dazu, den ersten Schritt zur Versöhnung zu machen.

Unterdessen trifft Sohn Resli bei einem Brand eines Bauernhauses, bei dem er zu Hilfe eilt, Anne-Mareili (Elisabeth Berger). Die beiden verlieben sich ineinander.

Resli (Peter Arens) und Anne-Mareili (Elisabeth Berger)

Resli (Peter Arens) und Anne-Mareili (Elisabeth Berger)

Doch Anne-Mareilis Vater, der geldgierige Dorngrüt-Bauern (Max Haufler), hat seine Tochter bereits dem alten und vermögenden Kellerjoggi (Ruedi Walter) versprochen. Als Resli um ihre Hand anhält, stellt der Dorngrütbauer unverschämte, nahezu nicht erfüllbare Forderungen an den Heiratswilligen.

er Dorngrütbauer (Max Haufler), Kellerjoggi (Ruedi Walter) und die Dorngrütbäuerin (Margrit Rainer) (v.l.n.r.)

Der Dorngrütbauer (Max Haufler), Kellerjoggi (Ruedi Walter) und die Dorngrütbäuerin (Margrit Rainer) (v.l.n.r.)

Trivia:
„Geld und Geist oder Die Versöhnung“ vom Emmentaler Pfarrer Albert Bitzius alias Jeremias Gotthelf, erschien ab 1843 als Fortsetzungsroman.
1964 entschloss sich Regisseur Franz Schnyder dazu, den Roman zu verfilmen.
Es war dies die erste Gotthelf-Verfilmung in Farbe und zugleich die letzte Adaption Franz Schnyders. Das Budget des Filmes war mit einer Million Schweizer Franken für damalige Verhältnisse geradezu gigantisch. Vom Schweizerischen „Land- und Kleinstädteverband der Kinos“ erhielt er gut 500’000 Franken, mit weiteren 200’000 Franken beteiligte sich das Bundesamt für Kultur.

Obschon sich der Film, durch Farbe und Breitbandbild von seinen Schwarz-Weiss-Vorgängern unterschied, griff Schnyder auf ein altbewährtes Team zurück.
Richard Schweizer schrieb mit Schnyder gemeinsam das Drehbuch, Robert Blum komponierte wiederum die Filmmusik, Max Röthlisberger war für die Sets verantwortlich und Konstantin Tschet führte erneut die Kamera. Es war die letzte Zusammenarbeit zwischen ihm und Schnyder.

Auch bei den Darstellern engagierte Schnyder viele Stammschauspieler der Serie.
Erwin Kohlund, als einer der wenigen, ausnahmslos bei jedem Gotthelf-Film mit an Bord, spielte den Bauer Christen. Seine Ehefrau, Margrit Winter, spielte auch im Film seine Frau, Peter Arens, einst für die Titelrolle in „Ueli der Knecht“ im Gespräch verkörperte Sohn Resli.

Der Dorngrütbauer wurde von Max Haufler, seine Frau von Margrit Rainer, gespielt. Ruedi Walter verkörperte den alten und gebrechlichen Kellerjoggi.

In kleineren Rollen zu sehen waren unter anderem Werner Balmer als Annelisis Verehrer Hans-Ueli, Bernhard Enz als hinterhältiger Gerichtsschreiber, Peter Markus alias Pierre Tagmann als Notar, Fred Tanner als Ammann und Hans Gaugler als Bäuerlein.

Neu zum Darstellerstab stiessen die Berner Theaterschauspielerin Elisabeth Berger als Anne-Mareili, Verena Hallau („Der 42. Himmel“) und Fritz Nydegger („Der Fall“) als Annelisi und Christeli, und die deutsche Filmlegende Mathias Wiesman („Der Schimmelreiter“) in der Rolle des Dorfpfarrers.

Gedreht wurde zwischen Juli und August 1964, an Originalschauplätzen im Emmental und der Studioeigenen „Chicorée-Halle“ in Alchenflüh bei Kirchberg. Das brennende Bauernhaus, war ein baufälliges Abbruch-Haus, welches die Produktionsgesellschaft erwerben konnte und vor laufender Kamera abbrannte.

Das brennende Haus

Das brennende Haus

„Geld und Geist“ war der einzige Schweizer Spielfilm der 1964 in die hiesigen Kinos kam. Der Film verbuchte einen gewaltigen Publikumserfolg, und konnte 3,7 Millionen Schweizer Franken umsetzen.

Fazit:
Von allen Gotthelf-Filmen ist „Geld und Geist“ der mit Abstand Schwächste.
Obschon man visuell grosse Ambitionen an den Tag legte und keine Kosten scheute, bleibt der Film inhaltlich weit hinter seinen Vorgängern zurück.

Konstantin Tschets Kameraarbeit, die noch in „Anne Bäbi Jowäger“ kontrastreiche und extrem starke Bilder auf die Leinwand brachte, kann in Farbe nicht wirklich überzeugen. Einzig die Landschaftsaufnahmen des Emmentals, die in Farbe so richtig zur Geltung kommen, haben ihren Reiz. Auch die Brandszene kann punkto Aufbau und Dramaturgie noch einigermassen überzeugen, dann ist jedoch bald mal Schluss.

Inhaltlich schwächelt der Film schon von Beginn weg.
Über die ganze Dauer der Story kommt nie wirklich Spannung auf, dafür wird der Film von einer Frömmigkeit beherrscht, ob der es einem schlecht wird.
Das Ganze wirkt wie ein Auftragswerk der Kirche; die Moralpredigt, die inneren Monologe der Hauptfiguren, die „Heile Welt“-Vorstellung und das (schon 1964) antiquarische Welt- und Familienbild, welches Schnyder seinen Zuschauern zumutet, das alles wirkt extrem altbacken.

Gar nichts mehr vom Charme und Witz der früheren Gotthelf-Filme ist übriggeblieben.

Hinzu kommen Schauspielleistungen die zu einem Grossteil nicht wirklich überzeugen. Margrit Winter und Erwin Kohlund liefern hier ihre schlechteste Performance in einem Gotthelf-Film ab und auch Peter Arens kann nicht wirklich überzeugen.
Elisabeth Berger wirkt im Vergleich zu ihren „Vorgängerinnen“ Lilo Pulver, Annemarie Düringer und Kathrin Schmid absolut nichtssagend.
Einzig Verena Hallau bringt etwas Würze ins Geschehen, kommt aber übers Ganze gesehen eher zu kurz.

Max Haufler, Ruedi Walter glänzen als verschlagene Schurkenfiguren und Margrit Rainer überzeugt als gutherzige Mutter.
Die drei lassen die Klasse der früheren Filme ein wenig aufleben, und gehören zu den filmischen Höhepunkten von „Geld und Geist“.

Der Film ist dank seiner allgegenwärtigen Frömmigkeit, gelangweilt wirkenden Darstellern und dem Fehlen jeglicher Spannung und dramaturgischen Höhepunkten, eher mühsame Filmkost.
Dass der Film zum Kassenschlager wurde, ist wohl bloss der Sogwirkung der Vorgänger sowie fehlender Konkurenz aus dem Inland zuzuschreiben

2 von 5 brennenden Bauernhäusern

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