The Wizard Of Oz

The Wizard Of OzEs gibt Filme die gehören einfach in jeden Filmkanon.
„The Wizard Of Oz“ ist so einer.
Nachdem ich letzte Woche „Oz: The Great And Powerful“ gesehen und rezensiert habe, sah ich mir also mal wieder das „Original“ aus dem Jahre 1939 an.

Uraufführung: 25.8.1939
Regie: Victor Fleming (u.a…)
Darsteller: Judy Garland, Frank Morgan, Ray Bolger, Bert Lahr, Jack Haley, Margaret Hamilton u.a…

Story:
Die kleine Dorothy Gale (Judy Garland) lebt mit ihrem Onkel Henry (Charley Grapewin) und ihrer Tante Emy (Clara Blandick) auf einem Hof in Kansas.
Eines Tages erfasst ein Wirbelsturm das Haus in dem sich Dorothy und ihr kleiner Hund Toto befinden, und befördert die beiden in das zauberhafte Land Oz.

Dumm nur dass das Haus bei seiner Landung die böse Hexe des Ostens, welche das kleingewachsene Volk der Munchkins terrorisierte, geplättet hat.
Mithilfe der guten Hexe Glinda (Billie Burke) gelangt Dorothy in Besitz eines geheimmnissvollen Paares rubinroter Schuhe.
Allerdings lädt sie damit den Zorn der übellaunigen und bösen Hexe des Westens (Margaret Hamilton) auf sich, die einerseits den Tod ihrer Schwester, der Osthexe, rächen, andernseits in Besitz der roten Schuhe gelangen möchte.

Dorothy gerät zwischen die Fronten (Margaret Hamilton, Judy Garland, Billie Burke, v.l.n.r.)

Dorothy gerät zwischen die Fronten (Margaret Hamilton, Judy Garland, Billie Burke, v.l.n.r.)

Dorothy muss also dafür sorgen, dass sie und Toto Oz so schnell wie möglich wieder verlassen können.
Hierfür muss sie das mächtigste Wesen des Landes, den sagenumwobenen Zauberer von Oz (Frank Morgan), welcher in der Smaragdstadt lebt, aufsuchen.

Auf dem Weg dorthin, der gelben Backsteinstrasse folgend, stösst sie auf mehrere seltsame Wesen; eine Vogelscheuche ohne Verstand (Ray Bolger), einen „herzlosen“ Blechmann (Jack Haley), und einen feigen Löwen (Bert Lahr).
Sie alle hoffen, dass der Zauberer ihnen helfen kann, und folgen Dorothy daher auf ihrer Reise.

"We're off to see the wizard" (Berth Lahr, Ray Bolger, Judy Garland und Jack Haley, v.l.n.r.)

„We’re off to see the wizard“ (Berth Lahr, Ray Bolger, Judy Garland und Jack Haley, v.l.n.r.)

Doch die böse Hexe des Westens setzt alles daran, das Vorhaben der Gruppe zum Scheitern zu bringen.

Trivia:
1900 schrieb Frank L. Baum das Märchen „The Wonderful Wizard Of Oz“, welches innert kürzester Zeit zu einem der populärsten Kinderbücher der USA wurde.
Nebst weiteren Romanen, folgte bereits 1914 eine erste Stummfilm-Adaption des Werkes, an der sich Baum persönlich beteiligte.

Nachdem Walt Disney 1938 mit „Snow White And The Seven Dwarfs“, entgegen allen Prognosen mit einem „Kinderfilm“ den bis dato grössten Filmhit landete, wollte es ihm die Konkurenz natürlich gleichtun.
Wenn es ihm gelang, mit einem deutschen Märchenklassiker die Kinozuschauer zu gewinnen, was für ein Erfolg sollte dann die Verfilmung DES amerikanischen Märchenbuches schlechthin haben?
Louis B. Mayer, von MGM, riss sich die Rechte an Baums Werk als erster unter den Nagel.

Mervyn LeRoy wurde mit der 2,6 Millionen Dollar teuren Produktion betraut.
Da man plante, den Film als Musicalproduktion aufzuziehen, mussten selbstverständlich auch passende Musikstücke her.
In dem New Yorker Musikerduo Harold Arlen und E. Y. Harburg, schien man die richtigen Männer für den Job gefunden zu haben.

Für die Hauptrolle der Dorothy wollte man zunächst den Kinderstar der 30er, Shirley Temple, da diese jedoch vertraglich an 20th Century Fox gebunden war, verpflichtete man die zu diesem Zeitpunkt noch relativ unbekannte, Judy Garland („A Star Is Born“).
Als Zauberer war W.C. Fields im Gespräch, er brachte sich jedoch mit übermässigen Gagenforderungen aus dem Rennen, sodass Frank Morgan („Tortilla Flat“) die Rolle erhielt.
Er verkörperte nebst dem Magier noch vier weitere Rollen im Film.

Die böse Westhexe wollte man zunächst, entgegen den Buchbeschreibungen und ganz im Stil von „Snow Whites“ Böser Königin, attraktiv gestalten.
Oscargewinnerin Gale Sondergaard absolvierte erste Probeaufnahmen, als man sich jedoch dazu entschied, sie „hässlicher zu gestalten, verliess die Diva das Set und machte der Charakterdarstellerin Margaret Hamilton („Saratoga“) in der Doppelrolle Miss Gulch/ Westhexe, Platz.

Die Rolle des feigen Löwen/ Zeke wurde mit dem populären Comedian Berth Lahr („Flying High“) besetzt.
Schwieriger gestaltete sich die Suche nach einem geeigneten Blechmann/ Hickory.
Der zunächst besetzte, Brodwaytänzer Ray Bolger („Where’s Charly?“), wollte einen Part mit grösserer Bewegungsfreiheit, und wurde daher als Vogelscheuche/ Hunk umbesetzt.
Buddy Ebbsen, der ihn in der Rolle beerbte, musste jedoch aufgrund gesundheitlicher Probleme, verursacht durch giftige Metallrückstände in seinem Make-Up, durch Jack Haley („New York, New York“) ersetzt.
Dessen Schminke wurde, stilschweigend, ausgetauscht.

Glinda, die im Film zur guten Hexe des Nordens (anstelle wie im Buch des Südens) wurde, wurde von Billie Burke („Father Of The Bride“) verkörpert.
Für die Rolle der Munchkins, wurden über 100 kleinwüchsige Darsteller und Darstellerinnen aus der halben Welt engagiert.

Als Regisseur wurde zunächst Ritchard Thorpe („Ivanhoe“) engagiert, nach nur zwei Wochen musste er aufgrund von Differenzen mit Produzent LeRoy den Posten räumen.
Er wurde interimsmässig von George Cukor („My Fair Lady“) ersetzt, der vor dem Drehbeginn von „Gone With The Wind“ noch ein paar Wochen Zeit fand, einige Szenen zu drehen.
Victor Fleming („Dr. Jekyll and Mr. Hyde“) beerbte ihn auf dem Regiesessel, und drehte den grössten Teil des Filmes.
Aufgrund von Unstimmigkeiten am Set von „Gone With The Wind“, wurde er gebeten dort die Regie (wiederum von Cukor) zu übernehmen, sodass King Vidor („War And Peace“) den Film fertigstellen musste.

Viktor Fleming am Set

Viktor Fleming am Set

Etwas strukturierter verlief es bei der übrigen Crew.
Harold Rosson („The Asphalt Jungle“) führte die Kamera des Technicolors-Werkes, Blanche Sewell („Boom Town“) schnitt den Film und Herbert Stothart („The Good Earth“) schrieb, nebst den bereits genannten Liedkomponisten Harold Arlen und E. Y. Harburg, den Soundtrack des Filmes, für den er sich unter anderem bei verschiedensten klassischen Komponisten bediente.

Für die Spezialeffekte war A. Arnold Gillespie verantwortlich, der „Vater“ von Leo the Lion, dem MGM-Logo.
Als Art Director fungierte Cedric Gibbons („Quo Vadis?“), als Kostümbildner Adrian Greenberg („Rope“) und Jack Dawn („Annie Get Your Gun“) war als Maskenbildner für den einzigartigen Look gewisser Figuren verantwortlich.
Ohnehin wich man beim Look des Films teils stark von den illustrationen der Vorlage ab.
Um der neuen Technicolor-Technik Rechnung zu tragen, wurden aus den silbernen Schuhen der Vorlage rubinrote, die böse Hexe wurde giftgrün, und in der Smaragdstadt tummeln sich regenbogenfarbene Pferde.

Obschon alleine 1939, 85 Millionen Amerikaner den Film sahen, spielte er seine Kosten nur knapp wieder ein.
Bis heute hat der Film jedoch gut das hundertfache seiner Produktionskosten eingespielt, und gilt als einer der grössten Filmklassiker.
1940 war der Film für fünf Oscars nominiert, von denen er drei gewann, für die beste Musik, Judy Garland als beste Jungdarstellerin und „Somwehre Over The Rainbow“ als bester Song.

Fazit:
Der Film trug in seiner deutschen Erstfassung den, zugegeben speziellen, Titel „Das Zauberhafte Land“.
Zauberhaft ist allerdings wirklich, was hier geboten wird.

Angefangen vom Übergang von Sepia zu Technicolor als Stilmittel um die verschiedenen Welten zu zeichnen, über die schön gestalteten Sets und grossartigen Matepaintings, bis hin zum einzigartigen Figurendesign und Kostüms; die Bilder die der Film erzeugt, sind auch noch nach gut 80 Jahren unvergessen.

Hinzu kommen die eingängigen Lieder, allen voran „Over The Rainbow“, das von Garland mit einer unglaublichen Intensität vorgetragen wird.

Die Schauspieler sind an sich sehr gut gecastet.
Auch wenn die Darstellleistungen heute zum Teil wohl eher als Overacting bezeichnet werden könnte, im Anbetracht an die Zeit der Entstehung des Filmes passen sie.

Trotzdem man gewissen zeitlichen Umständen Rechnung tragen muss, kann man den Film in keinem Augenblick als antiquarisch bezeichnen.
Hierfür handelt es sich um einen zu grossen Meilenstein, gerade im tricktechnischen Bereich.
Es ist kein Wunder, dass sich spätere Fantasy- und Sci-Fi-Klassiker wie „The Lord Of The Rings“, „E.T“ oder „Star Wars“ stark an dem Werk orientiert haben.

Es gibt Filme die bleiben zeitlos; „The Wizard Of Oz“ gehört zweifelsohne dazu.
Das Werk gehört zu einem meiner Lieblingsfilme und der Handvoll Filme die es fertigbringen, mir das Wasser in die Augen zu treiben.
Soviel Sentimentalität darf sein!

5 von 5 gelben Ziegelsteinen

5

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3 Antworten zu The Wizard Of Oz

  1. donpozuelo schreibt:

    Ich muss mir den demnächst auch unbedingt mal anschauen, denn zu meiner Schande muss ich zugeben, den wirklich noch nie gesehen zu haben.

  2. Stintfang schreibt:

    Der Film ist PFLICHT. Man kann kaum glauben, dass man sich trotz der „Studioatmosphäre“ so sehr von dem Werk gefangen nehmen lässt. Und der neue Oz-Film von 2012 schafft es sogar den Look teilweise (upgedated) wiederherzustellen. Die beiden Filme sollte man sich unbedingt nacheinander anschauen.
    „We’re off to see the wizard, the wonderful wizard of Oz……“

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