Die 6 Kummerbuben

kummerbuben poster„Die 6 Kummerbuben“ war der letzte Film des Schweizer Regisseurs Franz Schnyders.
Gleichzeitig markierte das Werk auch eine Premiere; erstmals beteiligte sich das Schweizer Fernsehen an einer Spielfilmproduktion.

Uraufführung: 3.10.1968
Regie: Franz Schnyder
Darsteller: Linda Geiser, Franz Matter, Peter Markus, Ruedi Walter, Margrit Rainer, u.a…

Story:
Im Emmental leben Gottfried (Franz Matter) und Sophie Kummer (Linda Geiser) mit ihren sechs Buben, Mändu (Urs Hofmann), Hans (Jürg Dreier), Fritz (Beat Schenk), Fred (Heinz Hiltbrunner), Peterli (Uli Hager) und Päuli (Urs Welsch), in einem kleinen Bauernhaus in einfachen Verhältnissen.
Die oberen Zimmer haben sie an das Rentnerpaar Benz (Ruedi Walter) und Bäbi (Margrit Rainer) vermietet.

Familie Kummer

Familie Kummer

Eines Tages steht Autohändler und Gemeindepräsident Hannes Lüthi (Peter Markus) vor der Tür und fordert die Zinsen auf einen Schuldbief, die Kummers ihm schulden, ein.
Doch die Taglöhnerfamilie kann den Betrag nicht aufbringen.
Lüthi stellt den Kummers ein Ultimatum, ansonsten fordert er als „Ersatz“ einen der sechs Knaben als Verdingbub an.
Dies kommt für die Familie auf keinen Fall in Frage, und so helfen alle gemeinsam mit, das Geld bis zum vereinbarten Termin zusammenzukriegen.

Hannes Lüthi (Peter ) und seine Frau (Annemarie Egger)

Hannes Lüthi (Peter ) und seine Frau (Annemarie Egger)

Doch die Zeit drängt, denn plötzlich meldet sich ein reicher Interessent aus der Stadt (Klaus Steiger), der Kummers Haus als Feriendomizil ersteigern möchte.
Dem berechnenden Lüthi kommt diese Angebot indess gerade recht…

Trivia:
Der 1934 erschienene Jugendroman „Die sechs Kummerbuben“ der in Thun lebenden Autorin Elisabeth Müller, wurde in den Jahren nach seiner Veröffentlichung zu einem wahren Kinder- und Jugendbuch-Bestseller.
In den 60er Jahren entschied sich Regisseur Franz Schnyder dazu, den Roman für die Leinwand zu adaptieren.

Da er keine Geldgeber für das 2 Millionen Schweizerfranken teure Projekt findet, wendet er sich kurzerhand an das Schweizer Fernsehen.
Dort empfing man ihn mit offenen Armen, und erklärte sich bereit die Kosten zu tragen, allerdings nur unter der Bedingung, das Schnyder parallel zum Film eine 13-teilige Fernsehserie drehe.
Somit musste im Endeffekt über 8 Stunden fertiges Filmmaterial erstellt werden.
Es war das erste Mal, dass sich das Schweizer Fernsehen an einer Spielfilmproduktion beteiligte.

Franz Schnyder gibt Anweisungen

Franz Schnyder gibt Anweisungen

Als Kameramann ersetzte Andreas Demmer, der später mehrheitlich für Erwin C. Dietrich, den Schweizer Trashkönig tätig war („Die Nichten der Frau Oberst“), Schnyders bisherigen Operateur Konstantin Tschet.
Schnyders Stammkomponist Robert Blum erhielt beim schreiben der Filmmusik tatkräftige Unterstützung vom Leiter des Radio-Unterhaltungsorchesters Hans Moeckel („Der 42. Himmel“).
Max Röthlisberger entwarf ein weiteres Mal die Filmsets.

Bei der Besetzung vertraute Schnyder auf „altvertraute“ Gesichter, die unter ihm bereits in seinen Gotthelfproduktionen mitgewirkt hatten.
Linda Geiser und Franz Matter spielten das Ehepaar Kummer, Ruedi Walter und Margrit Rainer Benz und Bäbi, Peter Markus, in den früheren Filmen Schnyders bereits erste Wahl für Schurkenrollen, gab den fiesen Lüthy und Anneliese Egger seine Frau.

Fritz Nydegger spielte Gottfrieds Halbbruder Emil, Ellen Widmann und Werner Balmer traten als Dorflehrer auf und Hedda Koppé hatte einen kleinen Auftritt als Kundin eines Berner Geschäfts.

Erstmals unter Schnyders Ägide spielte Ines Torelli („Polizist Wäckerli in Gefahr“), die Emils Ehefrau spielte, Gertrud Demenga („Das Boot ist voll“) als dessen Mutter und Ettore Cella („Al Canto del Cucu“) als italienischer Kellner.
Ebenfalls ihre ersten Leinwanderfahrungen, und zwar ganz allgemein, sammelten die Darsteller der sechs Kummerbuben, die aus mehreren hundert Knaben gecastet wurden.
Allerdings blieb keiner von ihnen dem Filmgeschäft treu.

Gedreht wurde im Sommer 1967 an Originalschauplätzen in der Umgebung von Burgdorf und in den Chicorée-Hallen in Alchenflüh.

Der Film wurde von den Kritikern negativ aufgenommen, und erzielte auch weniger Publikumserfolg als gehofft.
Mehr Glück war der, zeitgleich anlaufenden, Fernsehserie beschieden, die zu einem Strassenfeger wurde, und gar in die USA exportiert wurde.

Fazit:
Nach „Heidi und Peter“ versuchte sich Franz Schnyder erneut an einem Kinderfilm im folkloristischen Stil.

Man merkt dem Werk zwar das Herzblut und die Detailgenauigkeit an, mit der der Regisseur an dasselbige gegangen ist, leider wirkt der Film etwas antiquiert.
Denn, anstelle einer zeitgemässen (dem Jahre 1968 gerecht werdenden) Adaption, präsentiert Schnyder ein Werk, das in seiner Bildsprache und Handlung den historischen Gotthelffilmen nahekommt.

Es wird eine Bilderbuchschweiz und ein Familienbild präsentiert, welches wohl in dieser Form bereits zum Zeitpunkt der Uraufführung nicht mehr dem Zeitgeist entsprach.
Zudem bedient sich der Film einem übermässigen schwarz-weiss-Denken und einfachen Mustern;
auf dem Land ist die heile Welt, in der Stadt regiert liederliche Leben und Verkommenheit, am Ende kommt alles gut und alle (selbst der Antigonist) feiern gemeinsam.

Nebst all diesen Plattitüden im Plot, weist der Film erzählungstechnische Schwächen auf, und wirkt sehr Episodenhaft inszeniert.

Ansonsten muss gesagt werden, dass sich Schnyder und sein Team bei der Umsetzung sehr viel Mühe gegeben haben, auch wenn man Meilenweit von der Bildkraft eines „Der 10. Mai“ oder „Jakobli und Meyeli“ entfernt ist.
Bereits der Titelvorspann kommt jedoch, in Kinderbuchästhetik gestaltet, innovativ daher, es hat einige schöne Kamerafahrten und auch die Musik ist gelungen, Blum und Moeckel ergänzen sich gut.

Schauspielerisch ist eine klare Steigerung zum Vorgängerfilm erkennbar:
im Gegensatz zu „Geld und Geist“, bei dem die Darsteller gelangweilt und uninspiriert wirken, hat Schnyder hier seine Schäfchen wieder besser im Griff.
Nebst den Jungdarstellern denen die Spielfeude anzusehen ist, gefällt vorallem Linda Geiser, die eine grossartige Performance abliefert.
Etwas blasser wirkt Franz Matter, der zum Teil etwas gar hölzern agiert.
Peter Markus wiederum, ist in der Rolle des schmierigen Lüthi Hannes perfekt besetzt, und Ines Torelli passt für den Part des Grosstadttüpfis wie die Faust aufs Auge.

Das dem Film der sich tief in die Sphären des Heimatfilms begibt, 1968, dem Jahr der Studentenrevolten, kein Erfolg beschert war, verwundert kaum.
Die Zeit hat das Werk ebenfalls nicht retabliert, er wirkt nach wie vor altbacken und unwirklich.
Hätte Schnyder zu diesem Zeitpunkt vermehrt kritische Filme, wie er es zuletzt mit „Der 10. Mai“ getan hatte, gedreht, er hätte sein Publikum gefunden.

So zog er sich von der Schweizer Kinolandschaft zurück, und es gelang ihm nicht mehr, Geldgeber für seine Projekte zu gewinnen.

3 von 5 Lausbuben

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