Pulp Fiction

Pulp Fiction (1994) 1Nachdem ihn „Reservoir Dogs“ über Nacht bekannt gemacht hatte, doppelte Regisseur Quentin Tarantino mit „Pulp Fiction“ nach.
Was dabei herauskam, war nicht weniger als einer der grössten Kultfilme der letzten 20 Jahre und einer der erfolgreichsten Independentstreifen.

Uraufführung: 12.5.1994
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: John Travolta, Samuel L. Jackson, Uma Thurman, Bruce Willis, u.a…

Story:
Die beiden Profikiller Vincent Vega (John Travolta) und Jules Winnfield (Samuel L. Jackson) haben den Auftrag, einen Koffer der ihrem Boss, dem Mafiapaten Marcellus Wallace (Ving Rhames), gestohlen wurde, zurück zu bringen.

I am the Lord!

I am the Lord!

Der Boxer Butch (Bruce Willis) lässt sich von eben diesem Marcellus bestechen, seinen letzten Match absichtlich zu verlieren.

Zur gleiche Zeit versucht das Killerpärchen Pumpkin (Tim Roth) und Honey Bunny (Amanda Plummer) eine Autobahnraststätte auszurauben.

Am Abend desselben Tages soll Vincent, Marcellus attraktiver Frau, Mia (Uma Thurman), Gesellschaft leisten, da sich ihr Gatte auf „Geschäftsreise“ befindet.

Mia Wallace (Uma Thurman)

Mia Wallace (Uma Thurman)

Butch verfolgt indess während des Boxmatches eigene Pläne, und hält sich nicht an die Abmachung mit Marcellus.
Daher setzt dieser sogleich seine Schergen auf ihn an.

Trivia:
„Pulp Fiction“ liesse sich sinngemäss mit „Groschenroman“ übersetzen, und genau die Stimmung derselbigen wollte Regisseur Quentin Tarantino mit seinem zweiten Spielfilm einfangen.

Noch ehe er sich an „Reservoir Dogs“ machte, schrieb der Videotheken-Angestellte Tarantino gemeinsam mit seinem Kollegen Roger Avary („The Rules Of Attraction„) ein, aus drei Geschichten bestehendes Drehbuch.

Nachdem „Reservoir Dogs“ voller Erfolg wurde interessierten sich mehrere Studios für Tarantinos nächstes Projekt.
Erst Harvey Weinstein von „Miramax“ konnte jedoch mit Tarantino einig werden.

Für die „Hauptrolle“ des Vincent Vega, sah Tarantino zunächst Michael Madsen vor, der in „Reservoir Dogs“ Vincents Bruder, Vic Vega alias Mr. Blonde, spielte, vor.
Da Madsen allerdings an andere Projekte gebunden war, besetzte man den Part mit John Travolta („Hairspray“), der zu diesem Zeitpunkt am Tiefpunkt seiner Karriere war.

Vega’s Kollege, der gottesfürchtige Jules Winnfield, wurde von Samuel L. Jackson („Star Wars – Attack Of The Clones“), der Paul Calderón („Out Of Sight“) beim Casting ausstach.
Dieser durfte jedoch die Rolle des Barkeepers spielen.

Für den Part der Mia wollte Harvey Weinstein zunächst Holly Hunter oder Meg Ryan.
Nachdem Tarantino jedoch Uma Thurman („The Avengers“) traf, setzte er sich dafür ein, dass sie den Part erhielt.

Bruce Willis („Die Hard“) wollte unbedingt in dem Film mitspielen, und sprach für für die Rolle des Vincent Vega vor, wurde schliesslich als Boxer Butch besetzt.
Den Gangsterboss Marcellus verkörperte Ving Rhames („Mission: Impossible“), während Christopher Walken („True Romance“) den Captain Koons gab.

Harvey Keitel („Point Of No Return“) und Tim Roth („Broken“) die bereits in „Reservoir Dogs“ mitspielten, spielten hier den Spezialisten „The Wolf“ und den Gauner Pumpkin.
Dessen Freundin, Honey Bunny, wurde von Christopher Plummers Tochter, Amanda („The Fisher King“), verkörpert.

Wie bereits bei „Reservoir Dogs“ spielte Tarantino selbst auch wieder in dem Film mit.

Quentin Tarantino gibt Bruce Willis Anweisungen

Quentin Tarantino gibt Bruce Willis Anweisungen

Bei der Crew vertraute er grösstenteils auf die Mannschaft von „Reservoir Dogs“.
Andrzej Sekuła führte wiederum die Kamera und Sally Menken übernahm erneut den Schnitt.

Der Soundtrack besteht wiederum aus Originalstücken, vornehmlich aus den 70ern, zum Beispiel Dusty Springfield’s „Son Of A Preacher Man“ oder Chuck Berry’s „You Never Can Tell“.

Gedreht wurde an 51 Drehtagen in einer Zeitspanne von 14 Monaten.
Um das niedrige Budget nicht überzustrapazieren, drehte Tarantino auf (kostengünstigem) Filmband mit geringer Lichtempfindlichkeit.

Der Film gewann 1994 überraschend die Palm d’Or am Filmfestival von Cannes und wurde für 7 Oscars, darunter in 3 Schauspielkategorien (Travolta, Jackson und Thurman), für die beste Regie, den besten Schnitt und besten Film nominiert, gewann aber „nur“ den Preis für das beste Originaldrehbuch.

Fazit:
Mit „Pulp Fiction“ liefert Quentin Tarantino, bereits mit seinem zweiten Film sowas wie die Quintessenz seines Schaffens ab.
Einer der coolsten Gangsterfilme ever, den man immer und immer wieder schauen kann.

Dem Film, der inhaltlich lockerer und cooler als „Reservoir Dogs“ daherkommt, liegt ein gut durchdachtes, intelligentes Drehbuch zugrunde, das die Handlung achronologisch zerstückelt und den klassischen Erzählfluss, ganz im Stil eines Jean-Luc Godard, ad absurdum führt.

Die Dialoge sind schlicht genial und haben nicht grundlos Kultstatus erreicht.
Bei Sätzen wie: „Just because you are a character doesn’t mean that you have character.“, bleibt einem doch glatt die Spucke weg vor lachen.

Zudem bietet das Werk Hommagen an die Pop-Kultur und zahlreiche Filme.
Seien es französische Gangsterfilme wie „Bande Aparte“, „Jules Et Jim“ oder  „Nikita“, Elemente aus den Filmen Hitchcocks (McGuffin) oder der Fifties-Schuppen in dem Elvis und die Monroe servieren; der Film ist voller Zitate und Anspielungen, mal offensichtlich, mal subtil.

Das Umfeld, in dem die Geschichte spielt, ist angesiedelt in einer fiktiven Welt, zwischen Fifties-Googie-Stil und Film Noir Feeling.
In der man sich einen „Big Kahuna“-Burger bestellen, und „Green Apple“-Fluppen rauchen kann.

Man merkt dem Film zwar die tiefen Produktionskosten an, doch stört die, nicht ganz einwandfreie, Bildqualität des Werkes in keiner Weise.
Im Gegenteil, die „dreckige“ Machart passt perfekt zum trashigen Ton, den der Film erzeugen will.
Qualität hin oder her, die Bildsprache ist auf alle Fälle grossartig und der Filmschnitt präzise.

Die Soundauswahl, die von Surf-Rock über Soul alles bietet was Oldiesfans lieben, gehört zu Tarantinos Besten.
Ein jeder Song passt wie die Faust aufs Auge.

Ebenso pointiert ausgewählt sind die DarstellerInnen des Films.
Travolta überzeugt als cooler Gangster und kommt damit von seinem „Grease“-Image los.
Uma Thurman passt gut in die Rolle der Femme Fatale, Bruce Willis beweist dass er nicht bloss das Actionfach beherrscht, und Harvey Keitel als „The Wolf“ ist ein Charakter wie ihn nur ein Tarantino erschaffen kann.

Sie alle werden jedoch vom überragenden Samuel L. Jackson an die Wand gespielt.
Wenn er seinen Bibelspruch zum besten gibt, dann erlebt man Schauspielkunst auf höchstem Niveau. Chapeau!

Des weiteren sind auch die Nebenrollen sehr gut besetzt, angefangen von Tim Roth und Amanda Plummer über Maria de Medeiros als Butchs Freundin Fabienne, bis hin zu Eric Stoltz als Drogendealer in Stoffpantoffeln.

Ein absoluter Kultfilm, der coole Figuren, geniale Dialoge und ein interessant aufgebauter Plot bietet.
Der Streifen lebt von den tollen Darstellern, dem herrlichen Score, den man sich immer und immer wieder anhören kann, und dem trashigen Look und Feeling welches er erzeugt.
Tarantino war nie (mehr) besser.

5 von 5 Five-Dollar-Shakes

5

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