Jackie Brown

jackie-brownBei Quentin Tarantinos dritter Regiearbeit, „Jackie Brown“ kam es zu einem Novum.
Erstmals handelte es sich nämlich bei einem Film Tarantinos um eine Buchadaption.
Die Vorlage stammte von Kriminalauto Elmore Leonard.
Die Hauptrolle besetzte Tarantino mit einer seiner absoluten Lieblingsschauspielerinen; dem Blaxploitation-Star Pam Grier.
Der Film ist auch eine Hommage an das schwarze Kino der 70er.

Uraufführung:
25.12.1997
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Pam Grier, Robert Forster, Robert De Niro, Samuel L. Jackson, u.a…

Story:
Die Stewardess Jackie Brown (Pam Grier) wird am Zoll 50’000 Dollarn Schwarzgeld und einem Päckchen Kokain erwischt, die sie von Mexiko in die USA schmuggeln möchte.

Jackie (Pam Grier) schiesst scharf

Jackie (Pam Grier) schiesst scharf

Die Polizisten Ray Nicolette (Michael Keaton) und Mark Dargus (Michael Bowen), bieten ihr an sie laufen zu lassen, wenn sie ihnen hilft, ihr  Auftraggeber, den Waffenschieber Ordell (Samuel L. Jackson), dingfest zu machen.

Max (Robert Forster) guckt aus der Wäsche

Max (Robert Forster) guckt aus der Wäsche

Dieser hat soeben Beaumont Livingston (Chris Tucker), einen seinen Männer, mithilfe des Kautionsanwaltes Max Cherry (Robert Forster) aus dem Gefängniss befreit.
Da er Livingstone jedoch nicht mehr vertrauen kann, erschiesst er ihn kurzerhand.

Nun beauftragt er Max damit, Jackie aus dem Flughafengefängniss zu holen.
Diese hat sich unterdessen mit den Zollbehörden arrangiert, und sich bereit erklärt Ordell auflaufen zu lassen.
Denn in Mexiko wartet noch eine halbe Million Dollar darauf, über die Grenze gebracht zu werden.

Odell (Samuel L. Jackson) erklärt (Robert De Niro) was zu tun ist

Odell (Samuel L. Jackson) erklärt (Robert De Niro) was zu tun ist

Mit Ordell plant sie ihrerseits, die Polizei aufs Kreuz zu legen.
Hierbei sollen auch dessen leicht beschränkter Kumpel Louis (Robert DeNiro) und das Surfer-Girl Melanie (Bridget Fonda) helfen.

Doch Jackie Brown hat es faustdick hinter den Ohren, und verfolgt insgeheim ihre ganz eigenen Pläne.

Trivia:
1994, nachdem sein Film „Pulp Fiction“ erfolgreich in den Kinos lief,
erwarb Regisseur Quentin Tarantino die Rechte an dem Kriminalroman „Rum Punch“ von Elmore Leonard („Get Shorty“).

Tarantino adaptierte das Werk zu einem Heist-Movie im Stil der Blaxploitationfilme der 70er Jahre.
So wurde aus der weissen Jackie Burke kurzerhand die schwarze Jackie Brown, deren Name gleichzeitig zum Filmtitel wurde; eine Anspielung an „Foxy Brown“.
Dies kam allerdings nicht von ungefähr, denn von Anfang an hatte Tarantino den Blaxploitation-Star Pam Grier („Coffy“), die in „Foxy Brown“ mitspielte und zu seinen Lieblingsschauspielerinnen gehört, im Kopf für die Hauptrolle.

Filmplakat zu Foxy Brown (1974)

Filmplakat zu Foxy Brown (1974)

Grier sagte sofort zu als Tarantino sie anfragte, die Rolle der Jackie Brown zu übernehmen.
Den Part von Odell, übernahm Samuel L. Jackson, der bereits in Tarantinos „Pulp Fiction“ brillieren durfte.

Dieser wollte ursprünglich dessen „Partner“ John Travolta als Polizist Ray Nicholetta besetzten.
Da Travolta jedoch nicht abkömmlich war, ging der Part an Michael Keaton („Batman“), der dieselbe Rolle später in Steven Sonderberghs „Out Of Sight“, ebenfalls nach Elmore Leonard, erneut spielte.

Oskarpreisträger Robert DeNiro („Taxi Driver“) interessierte sich für die Rolle des Kautionsanwaltes Max Cherry.
Da Tarantino jedoch bereits den B-Movie-Star Robert Forster („The Black Hole“) gecastet hatte, DeNiro dennoch in seinem Film haben wollte, bot er ihm den Part von Odell’s Buddy Louis an, welche dieser promt auch annahm.

Bridget Fonda („Point Of No Return“) spielte das Surfer-Girl Melanie, Michael Bowen („The Godfather Part III“) den Polizisten Mark Dargus.

In kleineren Rollen, wirkten Chris Tucker („Rush Hour“) als Beaumont Livingston, Sid Haig („House Of 1000 Corpses“) als Richter, und der Wrestler Tommy „Tiny“ Lister Jr. („The Dark Knight“) als Winston, Cherrys Mann fürs Grobe, mit.

Der Mexikaner Guillermo Navarro („Desperado“), Stamm-Kammeramann von Guillermo Del Torro, übernahm die Kameraführung.
Sally Menken war ein weiteres Mal für den Schnitt verantwortlich.

Beim Soundtrack bediente sich Tarantino dieses Mal in der Schublade von Blaxploitation-Genreklassikern wie „Across 110th Street“ oder „Coffy“.
Daneben wartet er aber auch mit Soulklassikern von Randy Crawford oder den „Delfonics“ auf.

Der Film spielte, bei einem Produktionsbudget von 12 Millionen Dollar, weltweit deren 72 ein.
Pam Grier und Samuel L. Jackson waren je für einen Golden Globe in der Schauspielerkategorie nominiert, Robert Forster für einen Nebendarsteller-Oskar.
Samuel L. Jackson erhielt zudem den Silbernen Bären an der Berlinale 1998.

Fazit:
Mit „Jackie Brown“ legt Tarantino sein, bis dato, ungewöhnlichstes Werk hin.
Dennoch fügt sich der Film nahtlos in dessen Schaffen ein, und als typischer „Tarantino“ erkennbar.

Im Gegensatz zu seinen Vorgängern „Reservoir Dogs“ und „Pulp Fiction“, strahlt der Film eine gewisse Ruhe und Langsamkeit aus, und nimmt sich viel Zeit die Geschichte zu erzählen.

Diese verläuft für tarantinosche Verhältnisse recht linear, was jedoch der Komplexität der Erzählung keinen Abbruch tut.
Tarantino schafft es, eine Story zu bieten, die von Anfang bis Ende spannend
bleibt, und man als Zuschauer mitfiebert.

Nebst der inteligenten Story, bietet der Film wiederum tolle Charaktere, die ein weiteres Mal sehr gut besetzt sind.
Nebst coolen Typen, wie sie bereits in den Vorgängerfilmen vorkamen, werden auch tiefgründigere Figuren präsentiert.
Insbesondere Grier und Forster spielen da sehr gut, und verleihen ihren Rollen viel Tiefe.

Samuel L. Jackson überzeugt als arschcooler Gangsterboss und Robert DeNiro spielt als dämlicher Louis eine, für ihn, atypische Rolle, dies jedoch genial.

Selbst die Nebenrollen sind ädiquat besetzt; sei es Bridget Fonda als dauerbekifftes Surfer-Girl oder Michael Keaton als Cop, sie passen allesamt gut in ihre Parts.

Zwar huldigt der Film in Sachen Machart klar der Blaxploitation-Welle der 70er, was sich durch Titel-, und Musikauswahl erkennen lässt, doch auch Action- Horror- und Stoner-Filme der 70er werden zitiert und ihnen die Ehre erwiesen.

Der oben bereits erwähnte Soundtrack passt wiederum perfekt zur Stimmung des Filmes.
Sei es „Across 110th Street“ von Bobby Womack oder „Baby Love“ von den „Supremes“, die Songs sind mit viel Liebe zum Detail augewählt.

Das Ganze präsentiert Tarantino in stimmungsvollen Bildern und gut aufgebauten Szenerien, die im Endschnitt gut arrangiert werden.

Alles in allem ist der Film also sehr gut gelungen.
Für sich alleine gesehen überzeugt der Streifen auf Ganzer Linie.

Vergleicht man ihn jedoch mit den übrigen Werken Tarantinos, so fällt er etwas nach hinten.
Dies nicht etwa weil er schlechter wäre, sondern vielmehr weil ihm das „gewisse Etwas“ fehlt, dass die Werke Tarantinos ausmacht.
Fast möchte man sagen für einen echten QT, ist er zu „gewöhnlich“…

Dennoch ein gelungener Film, mit inteligenter Handlung, gutem Schauspiel und tollem Soundtrack.

4 von 5 Delfonics-Platten

4

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Reviews, Specials, Tarantino Special abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s