Le Magasin des Suicides

magasindessuicides-poster-fr-de-434x620Der klassische Zeichentrickfilm ist tot!
Zu diesem Schluss könnte man kommen, führt man sich aktuelle Animationsfilme zu Gemüte.
Ein Grossteil der Streifen sind computeranimiert, hin und wieder schafft es ein Stop Motion-Film auf die Leinwand, doch Zeichentrickfilme sind rar geworden.
Patrice Leconte erbringt nun mit seinem neusten Film den Beweis, dass das Subgenre noch lange nicht ausgestorben ist.

Urauffühhrung: 26.9.2012
Regie: Patrice Leconte
Sprecher:
Bernard Alane, Isabelle Spade, Kacey Mottet Klein, u.a…

Story:
In einer Stadt in der das Leben so trist ist, dass Selbstmord selbstverständlich ist, macht „Le Magasin des suicides“, ein Fachgeschäft für Suizide, grossen Umsatz.
Der Laden, in dem Lebensmüde alles für den Freitod finden, von Harakiri-Klingen über Gifte in manigfaltigen Stärken bis hin zu robusten Stricken, wird seit Generationen von der Familie Tuvache geführt.

Das Leben der vierköpfigen Familie wird auf den Kopf gestellt, als Alan (Stimme: Kacey Mottet Klein), das dritte Kind zur Welt kommt.
Denn im Gegensatz zu seinen Eltern (Bernard Alane und Isabelle Spade) und seinen Geschwistern, der depressiven Marilyn (Isabelle Giami) und dem sonderlichen Vincent (Laurent Gendron), ist der Junge eine Ausgeburt der Freude.

Familie Tuvache...

Familie Tuvache…

Für das Geschäft mit dem Tod ist der Frohsinn des Jungen natürlich Gift.
Doch nach und nach gelingt es dem Knirps, seine Familie und die Bürger der Stadt zum Umdenken zu bewegen und in ihnen die Lebensfreude wieder zu wecken.

...und deren Kundschaft

…und deren Kundschaft

Trivia:
Der Französische Regisseur Patrice Leconte („Monsieur Hire“) wagte sich mit der Leinwandadaption von Jean Teulé’s „Le Magasin Des Suicidés“, an das Genre des Zeichentrickfilms.
Dies ist allerdings naheliegend, kommt Leconte ja ursrünglich vom Comic-Fach her und war vor seiner Filmlaufbahn Zeichner beim renomierten Magazin „Pilote“, das Serien wie „Astérix“ oder „Iznogoud“ herausbrachte.

Regisseur Patrice Leconte

Regisseur Patrice Leconte

Produziert wurde „Le Magasin Des Suicides“ als Französisch -Belgisch-Kanadische Coproduktion, und unter anderem von Thomas Langmann und Emmanuel Montamat, die 2012 mit „The Artist“ den Oscar gewannen.

Bei der Besetzung der Sprechrollen griff Leconte merheitlich auf Akteure zurück, mit denen er zuvor schon zusamengearbeitet hatte.
Bernard Alane („Dracula père et fils“) sprach den Vater, Mishima, Isabelle Spade („Mon meilleur ami“) Mutter Lucrèce.
Der Schweizer Kacey Mottet Klein („L’Enfant d’en haut „) lieh Alan seine Stimme, während Isabelle Giami („Irréversible“) und Laurent Gendron („Le Solitaire“) Marilyn und Vincent „verkörperten“.

Die Musik stammte von Étienne Perruchon („Voir la mer“) mit dem Leconte ebenfalls zuvor schon kooperiert hatte.

Der Film lief am Filmfestspiel in Cannes und als Eröffnungsfilm des renomierten Trickfilmfestivales von Annecy.

Fazit:
Es braucht schon Mut, einen Film über Suizid zu drehen, insbesondere einen Trickfilm.
Dass sich dieser für alles andere als denn eine Familienunterhaltung anbietet, versteht sich von selbst.

Der Film kommt morbide daher, ohne jedoch düster zu wirken.
Im Gegenteil, der farbenfrohe, bunte Laden der Tuvaches steht im Gegensatz zur grauen Stadt, in der selbst die Tauben Suizid begehen.
Und der Film bedient sich eines tiefschwarzen Humors.

Gerade dieser morbide Grundton den der Film anschlägt erinnert stark an die Puppen-Trickfilme eines Tim Burton’s.
Spätestens wenn die Figuren anfangen in schaurig grotesker Weise zu singen, greift dieser Vergleich perfekt.
Die Lieder die hier zum besten gegeben werden erinnern stark an die Songs aus „Nightmare Before Christmas“ oder „Sweeney Todd“.

Die teilweise recht bizarren Figuren und Gestalten sind optisch sehr gut getroffen.
Mit dem Animationsstil konnte ich mich hingegen weniger anfreunden, zu ruckartig sind teils die Bewegungen, zu simpel die Gesichtsbewegungen gehalten.

Interessant sind auch die versteckten Anspielungen innerhalb des Filmes.
So tragen beispielsweise alle Familienmitglieder Namen berühmter Selbstmörder (Yukio Mishima, Lucretia, Vincent VanGogh, Marilyn Monroe, Alan Turing).
Auch sieht man Filmplakate von Filmen wie „Le Quai Des Brumes“ oder „High Noon“ an den Wänden hängen.

Inhaltlich fängt der Film verheissungsvoll an, doch leider hat es viel zu viele Handlungszweige die nicht zu Ende gedacht wurden, und nirgendwo hinzuführen scheinen.

Auch die „Heile Welt“- und „Alles wird Gut“-Stimmung die der Streifen zum Schluss anschlägt, passt irgendwie nicht so recht zur Ausgangslage der Story.

Ein ambitionierter Film, in einem konsequent eigenwilligen Stil gehalten, und mit schwarzem Humor und morbiden Songs gespickt.

Aus der vorhandenen Grundidee hätte man jedoch mehr machen müssen.

3.5 von 5 Strafzetteln (wegen unerlaubtem Ableben in der Öffentlichkeit)

3.5

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2 Antworten zu Le Magasin des Suicides

  1. Owley schreibt:

    Ich bin trotzdem total gespannt 😉

    Wie immer interessante Backgroundinfos. Gerade so ein Film lebt davon! 🙂

    Und zu deiner Einleitung passt, dass Disney gerade vor einigen Wochen für die nahe Zukunft dem Zeichentrickfilm offiziell abgeschworen hat. DISNEY! Man stelle sich das vor 😦

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