Kill Bill – Volume 1

kill_bill_ver3Nach sechsjähriger Scharaffenspause, meldete sich Quentin Tarantino mit dem zweiteiligen Racheepos „Kill Bill“ auf die Kinoleinwand zurück.
Das Werk wurde in zwei Teile gesplittet, von denen der erste, der dem asiatischen Kino huldigte, 2003 in die Lichtspielhäuser kam.

Uraufführung: 10.10.2003
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Uma Thurman, Lucy Liu, Sonny Chiba, Daryl Hannah, u.a…

Story:
Eine hochschwangere Frau in einem Brautkleid (Uma Thurman) liegt schwer verwundet und blutüberströmt am Boden einer Kapelle.
Der Täter ist Bill (David Carradine), Anführer der „Deadly Vipers“, einer Killertruppe.
Die „Braut“ war einst selbst Mitglied dieser Bande, hat Bill jedoch für einen Anderen verlassen und ihrem alten Leben abgeschworen.

Bill’s Rache ist ein blutiges Massaker, welches er mit seiner Bande am Hochzeitstag seiner Verflossenen ausführt.

Viererbande des Schreckens

Die Viererbande des Schreckens

Wie durch ein Wunder überlebt diese jedoch den Mordanschlag, und fällt bloss in ein vier Jahre dauerndes Koma.

Als sie aus diesem erwacht, wird sie nur von einem Gedanken getrieben: Rache.

Die "Braut" schlägt zurück

Die „Braut“ schlägt zurück

Sie erstellt eine Liste mit allen fünf Mitgliedern der Killerbande. Das erste Ziel ist O-Ren Ishii (Lucy Liu) die Unterweltskönigin von Tokio.

Doch zunächst benötigt die „Braut“ ein anständiges Samurai-Schwert für ihren Rachefeldzug.
Deshalb sucht sie den legendären Schwertmeister Hattori Hanzo (Sonny Chiba) auf, von dessen Katanas man behauptet, dass sie selbst Gott persönlich vernichten könnten.

Schwertmeister Hattori Hanzo (Sonny Chiba)

Schwertmeister Hattori Hanzo (Sonny Chiba)

Trivia:
Noch während den Dreharbeiten zu „Pulp Fiction“ entwickelte Quentin Tarantino zusammen mit seiner weiblichen Hauptdarstellerin Uma Thurman die Idee zu einem Racheepos: „Kill Bill“.

Doch Tarantino drehte als nächstes „Jackie Brown“, und das erstellte Exposée verschwand zunächst in dessen Schublade.

Erst als der Regisseur nach der Jahrtausendwende wieder auf die Schauspielerin traf, nahm er die Arbeit an dem Filmdrehbuch wieder auf.
Die Hauptrolle der rachegetriebenen Braut schrieb er Thurman auf den Leib.
Als diese jedoch 2002 unerwartet schwanger wurde, dachte Tarantino kurzzeitig über eine Neubesetzung des Partes nach, entschied sich jedoch stattdessen mit den Dreharbeiten zu warten.

Für die Rolle von Bill wollte Tarantino zunächst Warren Beatty, als dieser jedoch die Rolle nicht annehmen wollte, verpflichtete er den, aus zahlreichen Kung-Fu-Filmen bekannten, David Carradine („Cannonball“) für den Part.
Carradine ist allerdings im ersten Teil nicht zu sehen, und nur seine Stimme ist zu hören.

Weitere „Genre“-Stars die im Film vorkamen waren der Japaner Sonny Chiba („The Street Fighter“) der den Schwertschmied Hattori Hanzo spielte und der Chinese Gordon Liu („Executioners from Shaolin“) als Anführer der „Crazy 88“.
Chiba verkörperte bereits in der Fernsehserie „Kage no Gundan“ einen Samuraikrieger namens Hattori Hanzo.

O-Ren Ishii war in der ursprünglichen Drehbuchfassung eine Vollblut-Japanerin. Nachdem Tarantino jedoch die Amerikanerin Lucy Liu in „Shanghai Noon“ sah, war er von ihr so begeistert, dass er sie sogleich für die Rolle anfragte und die Rolle zu einer Figur mit japanisch-chinesisch-amerikanischer Herkunft umschrieb.

Vivica A. Fox („Independence Day“) spielte die Rolle der Killerin Vernita Green und Daryl Hannah („Blade Runner“) deren Kollegin Elle Driver.

Dr.Tarantino gibt Schwester Hannah Anweisungen

Dr.Tarantino gibt Schwester Hannah Anweisungen

Michael Madsen, der bereits in „Reservoir Dogs“ unter der Ägide Quentin Tarantinos spielte, gab hier Budd, Bills Bruder.
Michael Parks und sein Sohn James spielten die beiden Texas Rangers, Earl und Edgar McGraw, die bereits in „From Dusk Till Dawn“ und später in den „Grindhouse“-Filmen vorkamen.

Oscarpreisträger Robert Richardson („JFK“) übernahm erstmals die Kameraführung, ein Posten, den er fortan (ausser bei „Death Proof“) bei allen Tarantino-Filmen einnahm.
Sally Menken kümmerte sich wie stets um den Filmschnitt.

Den Soundtrack stellte Tarantino gemeinsam mit RZA, vom „Wu-Tang-Clan“, wiederum aus Originalstücken zusammen.
Der Rapper steuerte nebst Soundelementen noch den Song „Ode to O-Ren Ishii“ bei.
Des Weiteren trat die japanische Girlband „The 5.6.7.8’s“ in dem Film auf und performte einige ihrer Stücke.
Somit war „Kill Bill“ der erste eigene Film Tarantinos, in dem Neukompositionen verwendet wurden.

Gedreht wurde in Tokio, in den „Shaw Brothers“ Studios in Hong Kong, in Peking und den USA.

Im Verlauf des Drehs, entschieden sich Produzent Harvey Weinstein und Quentin Tarantino dafür, das, ursprünglich als ein Film geplante Werk, in zwei Teile aufzuspalten.

Fazit:
Mit „Pulp Fiction“ drehte Tarantino sein, vom Inhalt und Aufbau her, bestes Werk.
Mit „Kill Bill“ setzte er optisch ein Meilenstein in die Kinolandschaft.

Gerade Volume 1 lebt von seiner visuellen Kraft, deren Wurzeln grösstenteils im asiatischen Kino, von japanischen Samurai-Filmen über die Kung-Fu-Streifen Bruce Lee’s bis hin zum indischen Kino, liegen.
Hommagen an „Lady Snowblood“, „The Streetfighter“ oder
„The 36th Chamber of Shaolin “ durchziehen das Werk.

Doch auch klassische Filme des europäischen und amerikanischen Kinos, wie der Schwedische Thriller „A Cruel Picture“ oder Brian DePalma’s „Dressed to Kill“ werden unter anderem in ihrer Bildsprache zitiert.

Tarantino gelingt das Kunststück, die unterschiedlichsten Stilrichtungen zu vereinen und zu einem stimmigen Ganzen zusammen zu fügen.

Schwarz-Weiss-Sequenzen, Flashbacks im Italo-Western-Style, Kampfszenen in bester Martial-Arts-Manier und Anime-Einschübe wechseln sich ab und ergänzen sich aufs beste.

Doch Tarantino wäre nicht Tarantino, präsentierte er dem Zuschauer bloss ein Potpurri an Filmzitaten und liesse die Story beiseite. Diese ist zwar nicht ganz so dicht und verschachtelt aufgebaut wie die Handlungen von „Pulp Fiction“ oder „Jackie Brown“, was auch an der Grundthematik liegt, doch dem Regisseur gelingt es, dank Zeitsprüngen und Zerstückelung des chronologischen Handlungsverlaufes, dies packend zu erzählen.

Wesentlich zum Gelingen des Filmes trägt natürlich die Kameraarbeit Robert Richardson’s bei, die Bilder von erstklassiger Qualität erzeugt.
Sally Menkens pointierter Schnitt tut den Rest dazu.

Der Soundtrack besteht wie bereits bei den früheren Werken Tarantinos aus gut gewählten Fragmenten aus klassischen Filmsoundtracks und von RZA, in bester Kung-Fu-Manier, komponierten Stücken, die mit dem Film eine perfekte Symbiose bilden.
Man denke nur an Elle Driver die Bernard Herrmanns „Twisted Nerve“ pfeift oder „Bang Bang (My Baby Shot Me Down)“ in der Version Nancy Sinatras das als Titelsong passt wie die Faust aufs Auge.

Die Schauspieler sind, wie stets bei Tarantino, perfekt besetzt und spielen allesamt sehr gut. Uma Thurman trägt den Film jedoch über weite Teile und übertrumpft ihre Kollegen mit erstklassigem, breit angelegtem, Schauspiel.

Ein bildstarkes, furioses und blutiges Racheepos, das dem Film huldigt; dem westlichen im allgemeinen und dem Asiatischen insbesonders.
Aus einer simplen Story macht Tarantino, dank geschiktem Aufbau, inovativer Ideen und knallharter Action ein grossartiges Epos.
Uma Thurman geht für die Rolle der „Braut“ bis an ihre Grenzen und darüber hinaus.

5 von 5 Namen auf der Todesliste

5

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