Death Proof

9lt571Rf7LqHWVpn49fqMUYlKtZGemeinsam mit seinem Kollegen Robert Rodriguez machte sich Quentin Tarantino 2006 an die Realisation ihres, zwei Filme-umfassenden, Grindhouse-Projektes.
Während Rodriguez den Zombiefilm „Planet Terror“ drehte, filmte er selbst den, an das Carsploitation-Genre angelehnte, Autofilm „Death Proof“, in dem Kurt Russell einer Gruppe junger Damen ans Leder will.

Uraufführung: 6.4.2007
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Kurt Russell, Rosario Dawson, Zoë Bell, Michael Parks, u.a…

Story:
In Austin, Texas sind drei junge Frauen, die Radio DJane Jungle Julia (Sydney Tamiia Poitier), Arlene, genannt Butterfly (Vanessa Ferlito) und Shanna (Jordan Ladd), mit ihrem Auto unterwegs zum Strandhaus in welchem sie ein Wochenende verbringen möchten.

Auf halbem Weg legen sie einen Halt bei einer kleinen Bar ein.
Dort befindet sich nebst mehreren Typen, die den Damen Avancen machen, auch Pam (Rose McGowan), die auf eine Mitfahrgelegenheit wartet, und der Stuntman Mike (Kurt Russell).

In Warren's Bar geht die Post ab

In Warren’s Bar geht die Post ab

Dieser ist ein ausgefressener Psychophat und folgt der Frauengruppe mit seinem Chevrolet, den er zu einem todsicheren Stuntwagen umgebaut hat.
Er fährt sie. eiskalt über den Haufen und überlebt dank seinem Stuntwagen als einziger den Crash.

Stuntman Mike (Kurt Russell) observiert seine Opfer

Stuntman Mike (Kurt Russell) observiert seine Opfer

14 Monate später in Lebanon, Tenessee. Die neuseeländische Stuntfrau Zoë (Zoë Bell ) besucht ihre Berufskollegin Kim (Tracie Thoms) und deren Freundinen Abernathy (Rosario Dawson) und Lee (Mary Elizabeth Winstead).

Girls! Girls! Girls! (Zoë Bell, Tracie Thoms,Rosario Dawson, Mary Elizabeth Winstead, v.l.n.r)

Girls! Girls! Girls! (Zoë Bell, Tracie Thoms,Rosario Dawson, Mary Elizabeth Winstead, v.l.n.r)

Mike, der sein „Jagdrevier“ inzwischen verlegt hat, folgt den Frauen, die für eine gemeinsame Ausfahrt einen originalen 1970er Doge Challenger gemietet haben.
Er ist der Meinung, mit den Girls leichtes Spiel zu haben. Doch da hat er sich gehörig getäuscht…

Trivia:
Die beiden Regisseure und Kumpels Quentin Tarantino und Robert Rodriguez, die seit „Four Rooms“ immer wieder zusammengearbeitet hatten, entwickelten gemeinsam die Idee zu einem „Grindhouse“-Filmprojekt.

Zur Erklärung: „Grindhouse“ bezeichnete ursprünglich die US-Kinos die in den 70ern vornehmlich Exploitation- und B-Movies zeigten. Da sie oftmals zwei Streifen hintereinander, im Doppelpack also, abspielten wurde der Begriff bald zum Synonym für Double-Features.

Während sich Rodriguez entschied den Zombie-Schocker „Planet Terror“ zu drehen, realisierte Tarantino „Death Proof“ der ganz im Zeichen der Carsploitation-Filme und deren Auto-Verfolgungsjagten stand.

Die Filme wurden parallel gedreht und mehrere der Darsteller traten in beiden Filmen auf. So beispielsweise Michael und James Parks die zum wiederholten Male die Texas Rangers Earl und Edgar McGraw spielten, Marley Shelton („Nixon“) als Dr. Dakota Block, Rose McGowan („Scream“) und Quentin Tarantino selbst.

Letztere traten hier als Pam, das erste Opfer Mikes, und Warren, der Barkeeper, auf.
Tarantino stand hier zum ersten Mal seit „Pulp Fiction“ wieder in einem eigenen Film vor der Kamera.
Für die Hauptrolle des Stuntman Mike, verpflichtete Tarantino Kurt Russell („Escape From New York“).

Als Arlene / Butterfly wurde Vanessa Ferlito („Wall Street: Money Never Sleeps“) gecastet, Jordan Ladd („Never Been Kissed“) als Shanna und Sydney Tamiia Poitier („Hood Of Horror“) die Tochter von Sidney Poitier, dem ersten schwarzen Oscarpreisträger verkörperte Jungle Julia.

Zur zweiten Gruppe gehörten nebst Mary Elizabeth Winstead („Scott Pilgrim vs. The World“) als Lee, Rosario Dawson („Sin City“) als Abernathy und Tracie Thoms („The Devil Wears Prada „) als Kim, die Stuntwoman Zoë Bell („Hansel And Gretel: Witch Hunters“), die in „Kill Bill“ Uma Thurman doubelte, und hier sich selbst verkörperte.

Ihre Berufskollegin Monica Staggs, in „Kill Bill“ das Stuntdouble von Daryl Hannah, spielte die Drogendealerin Lena Frank.

Komiker  Jonathan Loughran („Little Nicky“) spielte dem Inhaber des Doge Challengers, während Omar Doom und Eli Roth, die auch in Tarantinos nächstem Film „Inglorious Basderds“ mitspielten, als zwei der Typen, die den Mädchen in Warrens Bar Avancen machen, agieren.

Wie Rodriguez bei seinem „Planet Terror“, führte auch Quentin Tarantino hier selbst die Kamera.
Während dies für Robert Rodriguez, der bereits bei mehreren seiner Filme als Kameramann agiert hatte, nichts Ungewöhnliches darstellte, so war es für Tarantino eine Premiere.

Tarantino bedient die Kamera

Tarantino bedient die Kamera

Beim Schnitt liess er jedoch wiederum seine Cutterin Sally Menke ans Werk.
Die Musikauswahl, die ausschliesslich aus bereits bestehenden Stücken bestand, umfasste Filmmusik von Ennio Morricone und aus Brian DaPalmas „Blow Out“, wie auch Songs von „Dave Dee, Dozy, Beaky, Mick & Tich“ oder April March.

Die Filme wurden, um den billigen Look der echten B-Movies zu erzielen nachträglich auf Alt getrimmt, nebst Kratzern und Bildstörungen fehlen in beiden Filmen ganze Szenen. Das Ganze ging sogar soweit, dass man gefakte Trailer zu Genrefilmen, die zu Beginn des Filmes gezeigt wurden, produzierte.
Von den fünf Trailern, an denen unter anderem Rob Zombie („House of 1000 Corpses“), Edgar Wright („Shaun Of The Dead“) und Eli Roth („Hostel“) beteiligt waren, schafften es „Machete“ und „Hobo Whit A Shotgun“ später tatsächlich zu eigenen Kinofilmen.

Die beiden Filme erschienen in den USA in der, von Tarantino und Rodriguez geplanten, Double Feature-Fassung mitsamt den Trailern.
Da der gewünschte Erfolg jedoch ausblieb, und Grindhouse in nicht-englischsprachigen Gebieten gänzlich unbekannt war, wurden die beiden Filme ausserhalb Amerikas getrennt veröffentlicht, dafür in längeren Fassungen.

Fazit:
Mit „Death Proof“ wagt sich Tarantino weit in die Tiefen des Exploitation-Kinos.
Er inszeniert den Film ganz im Stil der B-Movies der 70er, von der Machart her wie auch inhaltlich. Das heisst, er lässt seinen Film absichtlich „billig“ und trashig wirken.

Dies bietet zwar Punkto Machart so einige tolle Spielereien, und das Feeling der Billigfilme kommt optisch gut rüber, inhaltlich wirkt das Ganze dann doch zu platt und kann im Vergleich mit „Pulp Fiction“ oder „Kill Bill“ nicht punkten.

Über die Machart muss man nicht gross diskutieren.
Trotz des kaputten Looks, Schnittfehlern und fehlendem Bildmaterial (alles natürlich mit Absicht) lässt sich das Können von Tarantino und seinem Team nicht verbergen.
Der Regisseur macht als Kameramann eine ausgesprochen gute Falle, Sally Menkens Schnitt ist (abgesehen von den absichtlichen Fehlern) erneut tadellos und die Autoverfolgungsjagdten sind sehr, sehr gut inszeniert.

Der Soundtrack passt mal wieder sehr gut zum Film und nimmt eine ähnlich aktive Rolle ein wie zuletzt in „Reservoir Dogs“.
Daneben macht es mal wieder Spass die ganzen Verweise auf zahlreiche Genrvertreter wie „Vanishing Point“ oder „Gone In 60 Seconds“ und Tarantinos eigene Filme zu entdecken, beispielsweise als Kim erzählt sie sei das Stuntdouble von Daryl Hannah.

Nun zum Inhalt; und da bin ich nicht halb so erfreut wie vom Stil.

Die Story an sich ist denkbar einfach gehalten, was ja eigentlich nicht sonders stört.
Was jedoch gehörig nervt sind die ellenlangen Gespräche der Girls, in denen es grösstenteils nur um Jungs und Sex geht, die rein gar nichts mit den grossartigen Dialogen aus den früheren Tarantino-Streifen mehr gemein haben.

Auch fehlen die einzigartigen Figuren, von denen die Filme Quentin Tarantinos stets leben.
Die Damen sind zwar allesamt ganz nett, bleibenden Eindruck hinterlässt aber keine von ihnen, da braucht es schon mehr als ein Lapdance – gutes Schauspiel nämlich.

Kurt Russell bleibt in seiner Rolle über weite Strecken der Handlung arschcool und man glaubt dass er das Niveau des Streifens anheben kann, in der Schlussszene geht dieses colle Image aber innerhalb von Minuten flöten.

So bleibt der Film, von der Machart her, gut inszeniert, story- und figurentechnisch aber ganz klar Billigkino.
Man könnte sagen Tarantino, der ja bewiesen hat dass er gute Storys erzählen kann, macht dies mit Absicht, gaben ja auch die Grindehouse-Filme in der Regel inhaltlich nicht allzuviel her.

Dann liegt aber genau da das Problem des Streifens.
Denn sämtliche Filme Tarantinos fussen ja mehr oder weniger im Exploitationbereich, er hat es aber stets geschaft, diese auf ein höheres, künstlerisches, Niveau zu heben. Allerdings gelingt ihm genau dies hier nicht, willentlich oder nicht.

Der Mann ist mit dem Film schlicht unterfordert und eigentlich ist „Death Proof“ bloss eine Fingerübung für ihn, in der er sein eigenes Werk zitieren kann.
Verglichen mit den übrigen Vertretern desselbigen, schneidet er jedoch schlecht ab.

Ein handwerklich solider, inhaltlich jedoch äusserst trashiger Film, von dem einzig die rasanten Autoverfolgungsjagten in Erinnerung bleiben.

3.5 von 5 Sportwagen

3.5

Dieser Beitrag wurde unter Reviews, Specials, Tarantino Special abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Eine Antwort zu Death Proof

  1. donpozuelo schreibt:

    Einer dieser Tarantino-Filme mit dem ich nur sehr wenig anfangen kann. Ja, Kurt Russell ist eine coole Sau und die Abschluss-Jagd ist großartig, aber der Rest ist einfach langweilig. Von der Grindhouse-Kooperation gefiel mir dann „Planet Terror“ doch wesentlich besser.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s