Inglourious Basterds

Inglourious BasterdsMit „Inglourious Basterds“ realisierte Regisseur Quentin Tarantino 2009 erstmals ein Film der in einem historischen Umfeld spielt.
Allerdings nahm er es mit historischer Genauigkeit relativ loker, und präsentierte einen Streifen im Stil der italienischen Macaroni-Combat Movies und Spaghetti-Western, in dem unter anderem Brad Pitt, Mélanie Laurent und Christoph Waltz auftraten.

Uraufführung: 20.5.2009
Regie: Quentin Tarantino
Darsteller: Brad Pitt, Christoph Waltz, Mélanie Laurent, Diane Kruger, u.a…

Story:
1941 im, von den Deutschen besetzten, Frankreich. SS-Oberst Hans Landa (Christoph Waltz), bekannt als der „Judenjäger“ ist der jüdischen Familie Dreifuss auf der Spur.
Auf dem Hof eines Milchbauers findet er sie schlussendlich, und lässt sie eiskalt erschiessen.
Einzig Tochter Shosanna (Mélanie Laurent) kann dem Massaker entfliehen.

Drei Jahre später, eine Spezialtruppe der US-Army, genannt „The Bastards“, unter dem Kommando Lieutenant Aldo Raines (Brad Pitt), ist hinter die deutschen Linien gelangt. Das einzige Ziel der Truppe: so viele Nazis wie möglich töten.
Mit der Zeit schliessen sich ihnen immer mehr deutsche Kollaborateure, wie der Killer Hugo Stiglitz (Till Schweiger), an und selbst Adolf Hitler (Martin Wuttke) in Berlin fürchtet sich vor den Bastarden.

Mit Nazis wird nicht zimperlich umgegangen...

Mit Nazis wird nicht zimperlich umgegangen…

Zur selben Zeit plant dessen Nummer zwei, Propagandaminister Joseph Goebbels (Sylvester Groth), in Paris die Premiere seines neusten Filmes „Stolz der Nation“ um und mit dem glorreichen Scharfschützen Fredrick Zoller (Daniel Brühl).
Die Premiere des Filmes soll in dem kleinen Kino von Emmanuelle Mimieux stattfinden. Was die Nazis jedoch nicht wissen; hinter Mdm.Mimieux verbirgt sich in Tat und Wahrheit Shosanna, die ihre Chance auf blutige Rache gekommen sieht.

Hans Landa (Christoph Waltz) und Shosanna (Melanie Laurent)

Hans Landa (Christoph Waltz) und Shosanna (Melanie Laurent)

Unterdessen plant der Britische Geheimdienst mit Lieutenant Archie Hicox (Michael Fassbender) seinerseits das Kino, in dem sich die gesamte Deutsche Führung versammeln soll, in die Luft zu sprengen.
Hicox verbündet sich zu diesem Zweck mit den Basterds und der Deutschen Doppelagentin Bridget von Hammersmark (Diane Kruger).

Deutsche Gemütlichkeit...

Deutsche Gemütlichkeit…

Alles scheint perfekt, wäre da nicht der extrem skeptische Hans Landa, der mit Argusaugen über die Sicherheit der Filmpremiere wacht…

Trivia:
Bereits in den 90ern arbeitete Regisseur Quentin Tarantino an einem Drehbuch zu einem Kriegsfilm. Nach mehreren Fassungen, widmete er sich allerdings zunächst den Zweiteilern „Kill Bill“ und „Grindehouse“.

2008, nach weiterer Überarbeitung und Kürzung des Scripts, begann er schliesslich mit der Preproduction zum Projekt, das den Titel „Inglourious Basterds“ erhielt; eine absichtlich fehlerhaft geschriebene Version des englischen Titels zu Enzo G. Castellari’s Kriegsfilm „Quel Maledetto Treno Blindato“ („The Inglorious Bastards“).

Als Lt. Raine verpflichtete Tarantino Brad Pitt („Twelve Monkeys“), während Eli Roth („Hostel“) Sgt.Donnie Donowitz spielen sollte.
Roth fungierte zudem noch als Regisseur des im Film gezeigten Propagandafilmes „Stolz der Nation“.

Für die Rolle des Hans Landa war kurzzeitig Leonardo DiCaprio im Gespräch, ehe man sich entschied, den Part mit einem deutschsprachigen Darsteller zu besetzen, und den Österreicher Christoph Waltz („Carnage“) verpflichtete.
Als Bridget Von Hammersmark wollte Tarantino zunächst Natassja Kinski, da dies jedoch nicht klappte, kriegte Diane Kruger („Troy“) den Part.

Weitere deutschsprachige Besetzungen waren Daniel Brühl („Good Bye, Lenin!“) als Fredrick Zoller, Til Schweiger („Der bewegte Mann“) und Gedeon Burkhard („Ludwig II“) als die Basterds Wilhelm Wicki und Hugo Stiglitz, und August Diehl („Die Fälscher“) SS-Sturmbannführer Dieter Hellstrom.
Martin Wuttke („Hanna“) spielte Adolf Hitler während Sylvester Groth Joseph Goebbels spielte, eine Rolle die er bereits in „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“ verkörperte.

Als Winston Churchill verpflichtete man Rod Taylor („The Birds“), Komiker Mike Myers („Austin Powers – The Spy Who Shagged Me“)  verkörperte den britischen General Ed Fenech.
Der englische Komiker Simon Pegg sollte Lieutenant Archie Hicox spielen.
Da er jedoch unabkömmlich war, ging der Part an den deutsch-irischen Darsteller Michael Fassbender („Shame“).

Die Französinen Mélanie Laurent („Night Train To Lisbon“) und Julie Dreyfus („Kill Bill Volume 1“) spielten Shosanna und Goebbels Mätresse, Francesca Mondino.
Denis Menochet („Dans la maison“) gabden Bauern LaPadite und Jacky Ido („Die Weisse Massai“) den schwarzen Operateur Marcel.

Für letztere Rolle interessierte sich zunächst auch Tarantinos Stammdarsteller Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“).
Da die Figur aber ein Franzose afrikanischer Herkunft war, kam der Afroamerikaner Jackson nicht in Frage für den Part.
Dafür erhielt er ein Cameo-Auftritt als Erzähler.
Harvey Keitel („Reservoir Dogs“) lieh dem vorgesetzten General von Aldo Raine die Stimme, während Bo Svenson, Star aus „The Inglorious Bastards“ und dessen Regisseur Enzo G. Castellari, kleine Cameos hatten.

Für die Filmmusik wollte Tarantino den italienischen Komponisten Ennio Morricone („C’era Una Volta Il West“) verpflichten.
Da dieser jedoch keine Zeit dafür aufbringen konnte, griff Tarantino, wie bei seinen bisherigen Filmen, auf Originalmusik zurück.
Nebst Filmkompositionen, unter anderem von Morricone selbst, Elmer Bernstein („The Magnificent Seven“) und Lalo Schifrin („Bullit“), kamen auch „zeitgenösische“ deutsche Filmschlagern von Lilian Harvey und Zarah Leander zum Zug.

An die Kamera kehrte Robert Richardson („JFK“) zurück, und Sally Menke übernahm erneut den Filmschnitt.
Für Menke, die an allen Filmen Tarantinos beteiligt gewesen war, sollte „Inglourious Basterds“ die letzte Kollaboration mit diesem dar; sie starb 2010 an einem Hitzeschlag.

Sally Menke und Quentin Tarantino

Sally Menke und Quentin Tarantino

Gedreht wurde in den deutschen Bundesländern Berlin, Brandenburg, Sachsen den Babelsberg Studios und Paris.

„Inglourious Basterds“ lief an den 62. Filmfestspiele von Cannes im Wettbewerb um die Palme d’Or, Christopher Waltz gewann gar den Darstellerpreis des Festivals.
Daneben wurde er mit dem Golden Globe und dem Oscar als bester Nebendarsteller ausgezeichnet.
Der Film selbst war in drei bzw. acht Kategorien für die Golden Globe – und Academy Awards nominiert, darunter für bester Film und beste Regie, konnte jedoch in keiner davon gewinnen.

Fazit:
Mit „Inglorious Basterds“ betritt Tarantino in mehrfacher Hinsicht Neuland.
Es ist der erste Film von ihm der (komplett) in Europa gedreht wurde, zudem mit überwiegend europäischen Darstellern.
Zudem nimmt er sich darin erstmals einem historischen Stoff an, wenn auch mit gewisser Freizügigkeit; doch dazu später mehr…

Man könnte den Film oberflächlich betrachtet als Kriegsfilm abtun, doch das wäre sehr oberflächlich und man täte damit dem Ganzen mehr als Unrecht. Klar, nur schon der Titel ist eine Anspielung auf die italienischen Kriegsfilme, Macaroni Combats (in Anlehnung an Spaghetti Western) genannt und Vertreter dieses Subgenres wie „Cinque per l’inferno“ wie aber auch des englischsprachigen Kriegsfilmes, zum Beispiel „The Dirty Dozen“, werden zitiert.

Gleichermassen wird aber auch dem Italowestern oder dem Film Noir gehuldigt.
Nun ist es ja bei Tarantino nichts Ausergewöhnliches, dass seine Filme von Zitaten und Hommagen an vergangene Filmepochen nur so stotzen, ja sie leben geradezu von ihnen.
Hier geht er jedoch einen Schritt weiter, indem er ein Lichtspielhaus, und damit die Institution Kino im Allgemeinen, in den Mittelpunkt der Handlung stellt.

So sind denn ein Grossteil der Figuren direkt mit Film verbunden, sei es Shosanna die Kinobetreiberin, Frederik Zoller der Hauptdarsteller eines Filmes, oder Lt. Archie Hicox, der ausserdienstlich als Filmkritiker arbeitet.

Das Tarantino hier aus dem vollen schöpft, erklärt sich von selbst. Stilsicher bietet der Film Hommagen an das deutsche Kino von G.W.Pabst über Leni Riefenstahl über
die Edgar Wallace-Filme bis hin zu „Keinohrhasen“ von Til Schweiger.
Selbst Joseph Goebbels und Winston Churchil outen sich im Verlauf der Handlung als Filmkenner.

Punkto Storyaufbau geht Tarantino das Ganze zunächst langsam an, doch von Kapitel zu Kapitel steigert sich das Tempo merklich, bis zum fulminanten, blutigen Finale im Kinosaal.
Die Unterteilung in einzelne, zunächst voneinander unabhängige Kapitel, ermöglicht zudem eine schöne Einführung der Figuren.
Leider konzentriert sich Tarantino fast zu sehr auf die Handlung, und venachlässigt dabei etwas gar die Dialoge, die hier dann auch weniger pointiert ausfallen wie bei spielsweisin einem „Pulp Fiction“.

Mit der historischen Korrektheit nimmt es der Film nicht allzu genau.
Dies stört jedoch in keiner Weise, und war ja auch nie der Anspruch von Tarantino.
Dafür legt er umso mehr Wert auf die sprachliche Authenzität.
Will heissen: die Deutschen werden von deutschsprachigen Schauspielern verkörpert, die Franzosen von französischsprechenden und die Engländer/Amerikaner von Darstellern aus dem angelsächsischen Sprachraum.

Die Figuren sprechen auch konsequent ihre Sprache, Verständigunsprobleme und Kominikationsschwierigkeiten gehören ganz natürlich zur Handlung.

Grosses Lob muss hier Christoph Waltz, der sage und schreibe, viersprachig auffährt. Ohnehin ist Waltz mit seinem pointierten, feinstimmig charmanten Spiel der Fels in der darstellerischen Brandung.
Was nicht heissen soll, dass seine Kollegen schlecht sind, im Gegenteil. Brad Pitt als, für ihn eher atypischer, Südstaatenoffizier, gefällt ebenso wie Michael Fassbender als steifer britischer Offizier, Til Schweiger als Meuchelmörder und August Diehl in der Rolle des SS-Offiziers Hellstrom.

Bei den Darstellerinnen gefällt vorallem Mélanie Laurent.
Ihr Spiel ist ausdrucksstark und facettenreich, und kommt Uma Thurmans Leistung in „Kill Bill“ verdächtig nahe.

Optisch lässt Tarantino wiederum nichts anbrennen, und schafft ein Film bei dem schlicht jedes Bild einzigartig arrangiert und durchkompositiert ist.
Kameramann Richardson und Cutterin Menken liefern sehr gute Arbeit ab, und bringen es gar fertig, die Betrachtung eines Apfelstrudels zu einem Bilderreignis zu machen.

Der Soundtrack ist wie stets bei Tarantino sehr passend arrangiert.
Vielschichtige, sanfte Morricone-Kompositionen wechseln sich mit kantigen E-Gittarren-Riffs eines David Allen ab, je nach Stimmung.

„Inglourious Basterds“ ist in erster Linie eine grossangelegte Hommage an das Kino im allgemeinen, angelegt als Kriegsfilm mit Elementen aus dem Italo-Western. Die Darsteller, insbesonders Christoph Waltz und Mélanie Laurent, gefallen sehr gut, ebenso die Machart.
Vielleicht nicht der Beste, aber bestimmt einer der besseren Filme Quentin Tarantinos.

4.5 von 5 Nazi-Scalps

4.5

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