Ginger & Rosa

Ginger & RosaDie britische Regisseurin Sally Potter präsentiert mit „Ginger & Rosa“ ein Coming-Of-Age-Film der im London der frühen Sechziger Jahre spielt.
Kalter Krieg trifft auf sexuelle Revolution könnte man sagen…
Elle Fanning und Alice Englert verkörpern die  Hauptrollen.

Uraufführung: 7.9.2012
Regie: Sally Potter
Darsteller: Elle Fanning, Alice Englert, Alessandro Nivola, Christina Hendricks, u.a…

Story:
Ginger (Elle Fanning) und Rosa (Alice Englert) sind zwei Teenager im England der frühen Sechziger Jahre, und seit ihrer Geburt beste Freundinen.

Two for the road (Alice Englert und Elle Fanning, v.l.n.r.)

Two for the road (Alice Englert und Elle Fanning, v.l.n.r.)

Während Rosa alleine mit ihrer Mutter Anoushka (Jodhi May) lebt, wächst Ginger mit beiden Elternteilen auf.

British Pie (Alessandro Nivola, Christiana Hendricks, Elle Fanning, v.l.n.r.)

British Pie (Alessandro Nivola, Christiana Hendricks, Elle Fanning, v.l.n.r.)

Ihre Mutter Natalie (Christina Hendricks) versucht eine gute Hausfrau zu sein, der freigeistige, äusserst liberale Vater Robert (Alessandro Nivola), erzieht seine Tochter zu einer eigenständig denkenden Person.

Dies gelingt ihm ganz gut, denn im Zuge der Kubakrise schliesst sich Ginger einer Anti-Atom-Protestbewegung an.

Unterstützt wird das Mädchen dabei von seinen beiden Patenonkeln (Oliver Platt und Timothy Spall) und der in Exil-Amerikanerin Bella (Annette Bening).

Drei gegen die Bombe (Oliver Platt, Annette Bening, Timothy Spall, v.l.n.r.)

Drei gegen die Bombe (Oliver Platt, Annette Bening, Timothy Spall, v.l.n.r.)

Rosa versucht indess ein „normales“ Leben leben zu können und träumt von der ganz grossen Liebe. Aufgrund der immer grösser werdenden Unterschiede zwischen ihnen, driften Ginger und Rosa immer mehr auseinander.
Als Rosa ausgerechnet für Gingers Vater Gefühle entwickelt, wird die Freundschaft der beiden Mädchen auf eine harte Probe gestellt.

Trivia:
Die englische Regisseurin Sally Potter („The Man Who Cried „), die in unregelmässigen Abständen mit ihren Indie-Produktionen immer wieder beachtliche Erfolge einspielen konnte, präsentiert mit „Ginger & Rosa“ einen Film der in historischem Umfeld spielt.

Regisseurin Sally Potter

Regisseurin Sally Potter

Potter führte nicht nur Regie, sondern schrieb auch das Drehbuch des Filmes.
Als Kameramann wurde Robbie Ryan („Fish Tank“) verpflichtet, der dänische Cutter und Regisseur Anders Refn („Antichrist“), übernahm den Filmschnitt.

Die Amerikanerin Elle Fanning („We Bought A Zoo“), die jüngere Schwester von Dakota Fanning, spielte Ginger während die Neuseeländerin Alice Englert („Beautiful Creatures“) Rosa verkörperte.

Christina Hendricks („Drive“) und Alessandro Nivola („Face/Off“) spielen Gingers Eltern, Jodhi May („The Last Of The Mohicans“) Rosa’s Mutter.

Der Engländer Timothy Spall („Sweeney Todd“) und der Kanadier Oliver Platt („Frost/Nixon“) wurden als Ginger’s Patenonkel besetzt, während die Amerikanerin Annette Bening („American Beauty“) die Aktivistin Bella spielte.

Gedreht wurde unter anderem in der Grafschaft Kent, vor und auf der Isle of Sheppey und in der näheren Umgebung von London.
Nebst der Ausstattung von Carlos Conti („The Kite Runner“), der schon mehrmals mit Potter zusammengearbeitet hat, und den Kostümen von Holly Waddington („Lincoln“), verwendete Potter, um ein Sixties-Feeling zu erreichen, für den Filmsoundtrack ausschliesslich Originalstücke, unter anderem von „The Shadows“, Count Basie oder Chubby Checker.
Christina Hendricks singt zudem in einer Szene des Filmes „The Man I Love“ von George Gershwin.

An dem Film waren nebst Produktionsfirmen aus Grossbritannien, kanadische, dänische und kroatische Filmgesellschaften beteiligt.

So kam es, dass „Ginger & Rosa“ seine Premiere am Film Festival von Toronto, seine Weltpremiere feierte.

Fazit:
Sally Potter’s neuster Film ist eine Mischung aus „Coming Of Age“-Movie, Drama, Gesellschaftsstudie und ungeschöntem Blick auf eine geschichtliche Ära.

Die Story des Filmes entwickelt sich ganz langsam, nahezu unbemerkt und plötzlich findet man sich als Zuschauer in einem Finale wieder, dass an Dramaturgie kaum zu überbieten ist.

Potter konzentriert sich mehr auf feine, detailgenaue Figurenzeichnung und die charakterliche Entwicklung der Protagonisten. Hierbei wird sie tatkräftig von ihren Hauptdarstellerinnen unterstüzt.
Insbesonders Elle Fanning kann durch ihr differenziertes, starkes Schauspiel überzeugen, und man glaubt, ob der Reifen Leistung die sie vollbringt, kaum, dass die junge Dame erst 15 Lenze zählt.

Auch Alice Englert spielt sehr stark, wenn auch der Fokus des Streifens, trotz des Titels ganz klar auf Fannings Figur liegt.

Von den älteren DarstellerInnen gefällt insbesonders Christina Hendricks, die mit ihrer Darstellung die Zerrissenheit ihrer Figur, zwischen gesellschaftlichen Normen und Freiheitsdrang, perfekt zum Ausdruck bringt.
Trotz der Hervorhebung Hendricks‘ möchte ich den weiteren Akteure keinesfalls ihr wohlverdientes Lob abzuerkennen.
Denn; ein jeder Einzelner von ihnen ist perfekt besetzt und füllt seine Rolle bestens aus.

Oliver Platt und Timmothy Spall schaffen es mit ihrem herlichen Spiel, die Symphatie der Zuschauer zu gewinnen.
Es ist eine Freude, insbesonders Spall, in einer positiven Besetzung, fernab seiner üblichen Rollenmuster, sehen zu können.

Optisch ist der Film sehr gut gemacht.
In gut ausgeleuchteten, stimmig inszenierten Bildern fängt Kameramann Robbie Ryan das Geschehen ein.
Jede Szene, jedes Bild ist von ihm perfekt arrangiert und in Szene gesetzt.

Nebst den erstklassigen Schauspielleistungen und der sauberen Machart, gefällt insbesonders der historische Rahmen, in dem Potter die Handlung erzählt.
Angefangen bei der jazzigen Musik, dem Look bis hin zu kleinen Details; Potters lässt die Sechziger gekonnt wieder aufleben.
Doch es sind nicht die Swinging Sixties, die sie dem Zuschauer hier präsentiert, es ist die Ära des Kalten Krieges, in dem unklar war ob und wann der Atomkrieg ausbrechen wird, und eine dementsprechende Angst herrschte.
Genau diese ohnmächtige Furcht der Bevölkerung bringt „Ginger & Rosa“ gut zum Ausdruck.
„Dr. Strangelove“ aus Sicht der einfachen Bürger quasi.

„Ginger & Rosa“ ist ein feiner, einfacher Film, der die gesellschaftliche Situation der sechziger Jahre anhand der Charakterstudie zweier Freundinnen zum Ausdruck bringt. Der Film überzeugt durch handwerkliches Können und einen, durchs Band, erstklassigen Cast, angeführt von einer grossartigen Elle Fanning.

4.5 von 5 Anti-Atom-Demonstrationsveranstaltungen

4.5

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