Johnny Depp – Der ewige Ausenseiter

1Heute kann Johnny Depp seinen 50sten Geburtstag feiern.
Eine gute Gelegenheit sich ein wenig mit dem Schauspieler zu befassen…

Hollywood lebt seit jeher von seinen Heldenfiguren.
Doch immer schon sind es gerade die Aussenseitertypen gewesen, diejenigen Figuren die oftmals am Rande der Gesellschaft stehen, die uns berühren.

Johnny Depp, der heute seinen 50sten Geburtstag begehen kann, füllt diesen Figurentypus seit Jahren schon mit grossem Erfolg und schauspielerischem Können aus, wenngleich es auch etwas einfach wäre, ihn bloss auf dieses eine Rollenschema zu reduzieren.
Denn Depp zeichnet sich vorallem durch eine Eigenschaft aus: Vielseitigkeit.

Johnny Depp

Johnny Depp

Zur Welt kam er am 9. Juni 1963 als John Christopher Depp, im US-Bundesstaat Kentucky.
Bereits aus seinem Stammbaum könnte man Zusammenhänge zu seinem späteren Charakterthema des ewigen Outsiders ziehen, weist er doch indianische Wurzeln auf.

Mit 6 Jahren zog die Familie vom länlichen Kentucky nach Florida.
Dort lernte der junge Johnny, dank des Nachmittags-TV-Programmes, die Stummfilmstar Lon Chaney und Buster Keaton kennen, die er noch heute zu seinen grossen Vorbildern zählt.

In seiner Jugend brachte er sich dass Gitarrespiel bei und trat er der Rockband „The Kids“ bei.
Nachdem er von der Highschool flog, zog er, in der Hoffnung eine Musikkarriere starten zu können, nach Los Angeles, wo er sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser hielt.
Hier lernte er die Sängerin Lori Ann kennen, welche er 1983 heiratet; – die Ehe wurde zwei Jahre später wieder geschieden.

1984 nahm Depp auf Anraten seines Freundes Nicolas Cage am Vorsprechen zu Wes Craven’s „Nightmare On Elm Street“ teil, welches ihm seine erste kleine Nebenrolle einbrachte.

In der Fernsehserie „21 Jump Street“ spielte er ab 1987 eine der Hauptrollen, was ihn über Nacht zum Teenie-Idol machte.
Doch anstatt diesen Ruhm auszubauen, machte er in dieser Zeit des öfteren durch Rockstarhafte Eskapaden, bei denen schon mal eine Hotelsuite samt Interieur zu Bruch ging, von sich reden.

In "21 Jump Street"

In „21 Jump Street“

1990 verliess er die Serie, die ihn schlagartig berühmt gemacht hatte, da er, nach eigenen Worten nicht zu einer „erstarrten, plakatierten, patentierten Plasikpuppe“ gemacht werden wollte.

Er arbeitete fortan an seiner Hollywoodkarriere und ging dabei unkonventionelle Wege.
Statt auf grosse Blockbusters zu setzten, trat er zunächst in John Waters „Cry Baby“ auf, in welchem die Filmindustrie, mitunter recht kritisch, verhönt wird.

Im selben Jahr arbeitet er erstmals mit Regisseur Tim Burton zusammen.
In „Edward Scissorhand“ konnte er erstmals die Rolle des exzentrischen Aussenseiters verkörpern.
Der Film brachte ihm nicht nur eine Golden Globe – Nominierung ein, Burton und Depp wurden beim Dreh zu dicken Freunden, und diese Freundschaft brachte (bis heute) sieben Filme hervor.

Am Set von Edward Sciossorhands mit  Regisseur Tim Burton (m.) und Vincente Price (l.)

Am Set von „Edward Sciossorhands“ mit Regisseur Tim Burton (m.) und Vincente Price (l.)

Eine weitere Golden Globe-Nomination erfolgte 1993 für „Benny & Joon“, in dem er im Stil eines Charlie Chaplin oder Buster Keaton auftrat.
In „What’s Eating Gilbert Grape“ spielte er zudem erstmals unter der Regie Lasse Hallströms.

1995 spielte er zum zweiten Mal unter Ägide Tim Burtons in „Ed Wood“ in welchem er die Titelfigur, den „schlechtesten“ Regisseur aller Zeiten, Edward D. Wood, verkörperte.
Anschliessend knöpfte er an seine alte Zeiten an, indem er, an Seite von Hollywoodlegende Marlon Brando, den Liebhaber Don Juan in „Don Juan de Marco“ gab.

An der Seite Marlon Brandos in "Don Juan DeMarco"

An der Seite Marlon Brandos in „Don Juan DeMarco“

Doch bereits im Folgejahr driftete er von dieser Bahn wieder ab, indem er die Titelrolle in Jim Jarmusch’s eigenwilligen schwarzweiss-Western „Dead Man“ übernahm.

In Jim Jarmuschs Dead Man

In Jim Jarmusch’s „Dead Man“

In ebendieser Zeit nahm Depp auch seine Musikkarriere wieder auf, auch wenn seiner Band P nur kurze Lebensdauer und nur gerade ein Album zu Teil wurde.
Dafür durfte er auf dem Oasis Album „Be Here Now“ mit seinem Gittarenspiel mitwirken.

Nebst seinem Engagement in Mike Newell’s Mafiafilm „Donnie Brasco“, versuchte er sich 1997 erstmals als Regisseur.
In seinem Regieerstling „The Brave“, welches in Cannes im Wettbewerb um die Goldene Palme antrat, trat, nebst ihm selbst, auch sein guter Freund Marlon Brando auf.

Einen anderen seiner Freunde, den Schriftsteller Hunter S, Thompson, verkörperte er 1998 in der Terry Gilliam-Verfilmung dessen autobiographisch geprägter Erzählung „Fear And Loathing In Las Vegas“.

Als Hunter S. Thompson in "Fear and Loathing in Las Vegas"

Als Hunter S. Thompson in „Fear and Loathing in Las Vegas“

Ebenfalls 1998, lernte er die französische Sängerin Vanessa Paradis kennen, mit der er bis 2012 liiert war.
Aus der Beziehung stammen zwei Kinder: Tochter Lily-Rose Melody (27.5.1999) und Sohn Jack John Christopher (9.4.2002).
Das Paar zog schon bald nach Frankreich, wo sie unter anderem auch ein kleines Weingut betrieben.

In den folgenden Jahren spielte Depp die verschiedesten Rollen; von grübelnden Detektiven in Burton’s „Sleepy Hollow“ und der Comicverfilmung „From Hell“, über Typen mit Hang zum Okkulten in Roman Polanski’s „The Ninth Gate“ bis hin zu charmanten Liebhabern in Sally Potters „The Man Who Cried“ oder Lasse Hallström’s „Chocolat“.
Was all diese Rollen vereint, ist nebst einer mehr oder weniger ausgeprägten Exzentrik, dass es allesamt Figuren sind, die am Rande der Gesellschaft stehen.

Ebenso wie die nächste Rolle, die zur ruhmreichsten in seiner Karriere avancieren sollte: Captain Jack Sparrow.

Als Piratenkapitän Jack Sparrow

Als Piratenkapitän Jack Sparrow

Entgegen allen Vorbehalten von Seiten der Produzenten, liess Regisseur Gore Verbinski seinem Hauptdarsteller bei der Charakterisierung des Piratenkäptns in „Pirates Of The Carribean – The Curse Of The Black Pearl“ weitgehend freie Hand.
Dieser liess sich dies nicht zweimal sagen und verkörperte Sparrow als versoffener, tuntenhafter und ungepflegter Typ, der mit den eleganten Seeräubern eines Erol Flynn rein gar nichts gemeinsam hatte.
Verständlich dass die Verantwortlichen bei Disney Blut und Tränen schwitzten (immerhin handelte es sich um die Verfilmung einer Themenpark-Attraktion für ein eher jüngeres Publikum).
Doch der gewaltige Erfolg des Filmes (und seiner Nachfolger) gab Depp recht.

Der Film katapultierte ihn schlagartig in die Liga der Topverdiener Hollywoods und brachte ihm ungeahnten Ruhm ein, was sich unter anderem 2004 in einer Oscarnomination für die beste Hauptrolle bemerkbar machte.

Als teulischer Barbier Sweeney Todd (an der Seite Helena Bonham Carters)

Als teulischer Barbier Sweeney Todd (an der Seite Helena Bonham Carters)

Doch Depp blieb sich selbst treu.
Nebst einer Hauptrolle in Robert Rodriguez Western „Once Upon A Time In Mexico“, oder dem Peter Pan-Erfinder J.M.Barrie in Marc Forster’s „Finding Neverland“, spielte er erneut für Tim Burton, unter anderem in „Charlie And The Chocolat Factory“ oder „Sweeney Todd“ welcher ihm nebst einer weiteren Oscarnomination den Golden Globe einbrachte.

In Finding Neverland (erneut mit Freddie Highmore)

In „Finding Neverland“ (erneut mit Freddie Highmore)

Im 2009 erschienenen „Public Enemies“ von Michael Mann verkörperte er den Gangster John Dillinger als eine Art moderner Robin Hood.
Nach dem plötzlichen Tod Heath Ledgers im selben Jahr, teilte er sich in Terry Gilliam’s „The Imaginarium of Dr. Parnassus“ mit Jude Law und Collin Farell den Rest von Ledger’s Rolle.

Der 2010 erschienene Liebesfilm „The Tourist“, in dem er an Seite Angelina Jolies auftrat, scheiterte gewaltig; als zu aufgezogen wurde die Story-, zu platt die Figuren, bezeichnet.

Mit Angelina Jolie in "The Tourist"

Mit Angelina Jolie in „The Tourist“

Der Animations-Western „Rango“ von Gore Verbinski, in dem er der Hauptfigur die Stimme lieh, gefiel den Kritiker wieder ausserordentlich und wurde 2012 gar mit einem Oscar für den besten Animationsfilm ausgezeichnet.

„Pirates Of Carribean – On Strangers Tide“, „The Rum Diary“ (in welchem er erneut Hunter S. Thompson verkörperte) und „Dark Shadows“ mussten zwar einiges an Negativkritik einstecken, konnten aber immerhin noch ein ordentliches Box Office vorweisen.

Dieses Jahr wird Johnny Depp in „Lone Ranger“ als Indianer Tonto zu sehen sein, eine Rolle die für ihn ein Stück weit „back to the roots“ bedeutet, einerseits aufgrund seiner indianischen Wurzeln, zum andern da es sich wieder einmal mehr um eine Figur handelt, die am Rande der Gesellschaft steht.

Für das nächste Jahr laufen indess bereits die Vorbereitungen für einen fünften Teil der „Pirates“-Reihe, und erfahrungsgemäss konnte Depp mit seinen Rollen ja immer wieder überraschen.

Hoffen wir auf viele weitere Edwards Scissorhands, Jack Sparrow’s und Don Juan’s, die uns zum träumen, zum lachen, zum weinen bringen, und vielleicht auch hin und wieder zum nachdenken anregen.
Denn kaum einer verkörpert den ewigen Aussenseiter so berührend wie er es tut.

In diesem Sinne: Happy Birthday Johnny Depp!!!

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