Only God Forgives

only_god_forgives_xxlgDer 2010 erschienene Independencefilm „Drive“ wurde zu einem Überaschungserfolg, und quasi über Nacht zu einem modernen Kultfilm erklärt.
Nun meldet sich Regisseur Nicolas Winding Refn gemeinsam mit seinem „Driver“ Ryan Gosling, und seinem neusten Werk „Only God Forgives“ zurück.
Der Film sorgte noch vor seiner offiziellen Premiere für Furore, als er nämlich in Cannes bei einer Pressevisionierung lauthals ausgepfiffen wurde.

Uraufführung: 22.5.2013 (Festival de Cannes)
Regie: Nicolas Winding Refn
Darsteller: Ryan Gosling, Kristin Scott Thomas, Vithaya Pansringarm, u.a…

Story:
Die beiden amerikanischen Brüder Julian (Ryan Gosling) und Billy (Tom Burke) betreiben in Bangkok einen Boxclub, und machen nebenbei mit Drogenhandel das grosse Geschäft.

One Fight in Bangkok...

One Fight in Bangkok…

Als Billy eines Nachts eine minderjährige Prostituierte umbringt, lässt ihn der Polizeileutnant Chang (Vithaya Pansringarm) auf brutale Weise ermorden.
Julian stellt den Mörder seines Bruders, den Vater (Kovit Wattanakul) der toten Prostituierten, lässt ihn jedoch am Leben.

Dies löst den Unmut seiner Mutter Crystal (Kristin Scott Thomas) aus, die nach Bangkok gereist ist, um die Leiche von Billy zu identifizieren.
Sie fordert Julian dazu auf, seinen Bruder zu rächen.
So beginnt ein Katz und Maus – Spiel, dessen Kreise sich immer enger ziehen, und das in einer unausweichlichen, folgeschweren Konfrotation enden wird.

Die Todesklinge von Thailand (Vithaya Pansringarm und Kristin Scott Thomas)

Die Todesklinge von Thailand (Vithaya Pansringarm und Kristin Scott Thomas)

Trivia:
Eigentlich wollte der dänische Regisseur Nicolas Winding Refn 2009, nach dem Erscheinen von „Valhalla Rising“, sich der Verfilmung des von ihm verfassten „Only God Forgives“ widmen.
Allerdings bat ihn der Schauspieler Ryan Gosling bei einem Film, in welchem er die Hauptrolle übernehmen sollte, Regie zu führen: „Drive“.
Der Film wurde zum Überaschungserfolg des Jahres 2010, und Nicolas Winding Refn über Nacht einem breiten Publikum bekannt.

Hauptdarsteller Ryan Gosling und Regisseur Nicolas Winding Refn

Hauptdarsteller Ryan Gosling und Regisseur Nicolas Winding Refn

2011 konnte er sich schliesslich ungestört „Only God Forgives“ widmen, welcher als dänisch-französisches Co-Produktion produziert wurde.
Er griff dabei auf ein bewährtes Team zurück.
So übernahm Kameramann Larry Smith der bereits bei „Bronson“ die Kamera geführt hatte, diesen Posten erneut, und ersetzte dabei den langjährigen Operateur Refn’s, den Dänen Morten Søborg.
Auf eine langjährige Zusammenarbeit mit Refn zurückbicken konnte zudem dessen Stammcutter Matthew Newman, der auch diesen Film schnitt.

Der US-Komponist Cliff Martinez, schrieb nach „Drive“ zum zweiten Mal die Filmmusik für einen Film von Nicolas Winding Refn.

Die Hauptrolle wurde ursprünglich Luke Evans auf den Leib geschrieben.
Als dieser sich jedoch für Peter Jackson’s „The Hobbit“-Trilogie verpflichten liess, ersetzte ihn Regisseur Refn kurzerhand mit Ryan Gosling.

Tom Burke („Dragonheart: A New Beginning“) verkörperte Billy, während die britisch-französische Schauspielerin Kristin Scott Thomas („The English Patient“) die Rolle der Mutter übernahm.

Die beiden thailändischen Akteure Vithaya Pansringarm („Hangover 2 „) und Yayaying Rhatha Phongam („Angels“) spielten Leutnant Chang und die Prostituierte Mai, welche mit Julian eine sexuelle Beziehung unterhält.
Gordon Brown, der bereits in „Bronson“ und „Valhalla Rising“, kleinere Rollen innehatte, spielte Gordon, Julian und Billy’s Kollege.

Der Film wurde in Bangkok gedreht, ausschliesslich an Originalschauplätzen, also gänzlich ohne Studioaufnahmen.
Zudem wurde der Film, unüblicherweise, in chronologischer Reihenfolge gedreht und viele Szenen noch am selben Tag geschnitten.

„Only God Forgives“ hatte seine Premiere an den Filmfestspielen von Cannes, wo er im Wettbewerb um die Goldene Palme lief.
An seiner Uraufführung lieferte er zudem noch einen kleineren Skandal, da ein Gros der anwesenden Kritiker und Journalisten den Film ausbuhten.

Fazit:
„Only God Forgives“ hört sich schwer nach einem Bibelspruch, oder aber nach dem Titel eines Italo-Western an.

Während ersteres weniger auf Nicolas Winding Refn’s neuestes Werk zutrifft, kommt das zweite der Sache schon wesentlich näher.
In seiner Kompromisslosigkeit, und von seinem Aufbau her, erinnert der Film stark an ein Sergio Corbucci-Film.
Auf der andern Seite bedient sich Refn in Sachen Dramaturgie bei den griechischen Epen der Antike und den Königsdramen eines William Shakespeares.

Er lässt seine Figuren, fast wie Schachfiguren, ganz langsam Zug um Zug ziehen, und präsentiert sie auf eine unnabahre, distanzierte und kühle Art und Weise.
Im Gegensatz dazu wirken die Bilder, die Kameramann Larry Smith einfängt, messerscharf.
Die klare Gliederung von Form und insbesonders Farbe, schafft eine einzigartige Bildsprache.
Gerade die intensiven Farben, die hier einen zentralen Stellenwert einnehmen erinnern, wohl nicht von ungefähr an Krzysztof Kieslowski’s „Trois Couleurs“-Trilogie.
Daneben trägt Cliff Martinez‘ starker Score stark zur Stimmung des Filmes bei, da er diese mitträgt, und nahezu zum Puls des Geschehens wird.

Obwohl, wie gesagt, keine wirkliche Nähe zu den Figuren aufkommt, überzeugen die Darsteller.
Ryan Gosling rückt hier allerdings, im Gegensatz zu „Drive“, merklich in den Hintergrund.
Kristin Scott Thomas spielt sehr stark, und verkörpert einen Alptraum von Mutter, ganz im Geiste einer Lady Macbeth, und Vithaya Pansringarm als Chang, der sich als der, titelgebende, Gott sieht, punktet mit seiner ruhigen, pointierten Spielart.

In Sachen Gewalt hält sich Refn, wie gewohnt, nicht zurück und selbst als eher gewalterprobter Cineast, fordert einem der Film stellenweise ganz schön heraus.
Im Gegensatz dazu stehen die, fast schon surrealistisch, traumhaft wirkenden, Szenen in der Karaoke-Bar, die von einer guten Prise (bösartigen) Humor getragen werden.

Eigentlich sollte man ja Äpfel und Birnen nicht zusammenzählen, oder anders gesagt, zwei Filme, nur weil sie von ein und demselben Regisseur sind, jedoch völlig unterschiedlich gelagert sind, nicht unbedingt miteinander vergleichen – ich tu’s jetzt trotzdem.

Denn Gegensatz zu „Drive“, der ja von der Hipsterkultur (nicht zu Unrecht) zu einem Meisterwerk stilisiert wurde, wird es „Only God Forgives“ ungleich schwerer haben, einen ähnlichen Status zu erreichen.
Erstens kommt das Werk wesentlich düsterer, kompromissloser und kantiger daher als sein „Vorgänger“, zweitens fehlt ihm die emotionale Figuren- und Storynähe desselbigen.

„Only God Forgives“ ist weniger gefällig als „Drive“ und man muss sich ganz bewusst auf das Werk einlassen.
Ich kann daher durchaus verstehen, dass der Film nicht Jeder Mannes /Frau‘ Sache ist.
Meiner Meinung nach ist es allerdings ein kleines cineastisches Meisterwerk, dass uns der Däne Refn hier präsentiert, wenngleich auch ein eher schwer verdauliches.

5 von 5 sauberen Schwerthieben

5

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