Gambit

GambitMit „Gambit“, einer Heist-Comedy über einen Bilderfälscher,
versuchen sich die Cohen-Brothers mal wieder an einem Remake.
(Die gleichnamige Vorlage mit Michael Caine stammt aus den 60ern.)
Im Gegensatz zu „The Ladykillers“ oder „True Grit“, beschränkte sich ihre Aufgabe hier jedoch auf das Drehbuchschreiben, und den Regieposten überliesen sie dieses Mal Michael Hoffman.
Vor der Kamera versammelte dieser mit Colin Firth, Alan Rickman oder Cameron Diaz, ein wahres Starensemble.

Uraufführung: 7.11.2012
Regie: Michael Hoffman
Darsteller: Colin Firth, Cameron Diaz, Alan Rickman, Stanley Tucci, u.a…

Story:
Der Kunstexperte Harry Deane (Colin Firth) möchte seinem Boss, dem versnobten Multimilliardär Lionel Shahbandar (Alan Rickman) eins auswischen.
Mithilfe des Fälschers Major Wingate (Tom Courtenay) versucht er diesem eine Kopie eines verschollenen Werkes von Claude Monet anzudrehen.

Um das Ganze authentisch wirken zu lassen, spannen die beiden Schlitzohren das Cowgirl PJ Puznowski (Cameron Diaz), die Enkelin des letzten Besitzers des seither verschwundenen Bildes, in ihren Plan ein.

Cowgirl und Indianer

Cowgirl und Indianer

Der Plan verläuft von Beginn an relativ harzig, und Shahbandar zeigt zunächst kein Intresse an dem Gemälde, dass ihm Harry anzudrehen versucht.
Dennoch willigt er in ein Treffen mit PJ, der vermeindlichen Verkäuferin, ein.

Hat den Durchblick... (Alan Rickman)

Hat den Durchblick… (Alan Rickman)

Als diese dann in London eintrifft, läuft das Ganze komplett aus dem Ruder.
Shahbandar macht ihr schöne Augen und führt sie sogleich zum Dinner aus, die Dame fühlt sich geschmeichelt, denkt nicht mehr daran weiterhin mit Harry zu kooperieren, und zu allem Übel plant Shahbandar auch noch, diesen kurzerhand durch den deutschen Kunstkenner Martin Zaidenweber (Stanley Tucci) zu ersetzen.

Trivia:
In den späten 90ern suchte Filmproduzent Mike Lobell („Tears Of The Sun“) nach einem Filmstoff für ein Remake.
Er stiess auf „Gambit“, ein Heist-Movie aus dem Jahre 1966, mit Michael Caine, Shirley MacLaine und Herbert Lom in den Hauptrollen.

Der Zufall wollte es, dass er kurz darauf auf Joel und Ethan Coen traf, die unbedingt mal wieder ein Drehbuch neu adaptieren wollten.
So kam es, dass die zwei Brüder das Drehbuch zu „Gambit“ verfassten.

So schnell wie Lobell Drehbuchautoren fand, so lange zog sich die Suche nach dem passenden Regisseur hin.
Der Regieposten wurde zunächst Alexander Payne angeboten, als dieser ablehnte klopfte Lobell bei Robert Altman und Bo Welch an.
Zwar lehnten auch diese beiden (aus jeweils unterschiedlichen Gründen) ab, Letzterer brachte jedoch den britischen Oscarpreisträger Colin Firth („The King’s Speech“) als Harry Deane ein.
Obwohl auch Hugh Grant und Gerard Butler für die Rolle im Gespräch waren, machte Firth schliesslich das Rennen.

Die Amerikanerin Cameron Diaz („Charlie’s Angels“) übernahm den Part der PJ Puznowski für den nebst ihr auch Reese Witherspoon, Sandra Bullock und Jennifer Aniston vorsprachen.
Alan Rickman („Harry Potter and the Deathly Hallows – Part 2“) spielte den Milliardär Shabandar, Stanley Tucci („The Hunger Games“) den Kunstexperten Zaidenweber und Tom Courtenay („Quartet“) den „Major“.
Die amerikanische Oscarpreisträgerin Cloris Leachman („Spanglish“) hatte einen kleinen Auftritt als PJ’s Grossmutter.

Die Regie übernahm unterdessen nach langem hin und her der Amerikaner Michael Hoffman („A Midsummer Night’s Dream“).
Der Deutsche Florian Ballhaus („RED“), Sohn des preisgekrönten Kameramannes Michael Ballhaus, führte die Kamera, Paul Tothill („Hanna“) schnitt den Film und Rolfe Kent („Up In The Air“) schrieb die Filmmusik.

Regisseur Hoffman und Cameron Diaz (v.l.n.r.)

Regisseur Hoffman und Cameron Diaz (v.l.n.r.)

Nebst London, in dem ein Grossteil der Aufnahmen stattfanden, unter anderem im Flughafengelände von Heathrow und dem Savoy Hotel, wurden gewisse Szenen in  Albuquerque, New Mexico, gedreht.

Fazit:
Zum zweiten Mal nach „The Ladykillers“ machen sich die Coen-Brüder an die Neuadaption eines Comedyklassikers.
Während bei „The Ladykillers“ das Remake meiner Meinung nach nicht an das Original herankommt, muss ich bei „Gambit“ auf einen solchen Vergleich, mangels Kenntniss des Originals, verzichten.

Ohnehin überlassen die beiden Brüder den Regieposten Michael Hoffman; wer also einen „echten Coen“ erwartet, der wird eher enttäuscht.
Dennoch ist die Handschrift der zwei, wortwörtlich, erkennbar.
Insbesonders in den schrägen Dialogen und der genialen Figurenzeichnung kommt dies sehr stark zum Zuge.
Die Figuren werden allesamt von tollem Schauspiel getragen; die Akteure sind ohnehin das grosse Plus des Filmes.

Colin Firth verkörpert den steifen britischen Kunsthändler der von einem Unglück ins nächste rennt, auf so herrliche Weise, dass man förmlich mit ihm mitleidet.
Alan Rickman, einer der ganz grossen britischen Charakterdarsteller, der immer mal wieder im komischen Fach zu sehen ist, gibt den exzentrischen Multimillionär Shabandar als herrlich überhebliches Arschloch, und ist sich dabei für nichts zu schade, was Szenen beweisen, in denen er splitterfasernackt durch sein Büro spaziert.
Cameron Diaz kann zu Beginn des Filmes noch nicht ganz überzeugen, steigert sich jedoch mit zunehmender Spieldauer.

Doch, so gut die Figuren und Dialoge daherkommen, so sehr schwächelt die Handlung.
Das Ganze ist sehr vorhersehbar, nie kommt wirklich Spannung auf, und auch der Humor des Filmes hält sich in Grenzen.
So wirkt beispielsweise die Szene in der Hotellobby eher plump, flach und eher infantil.
Im Gegensatz dazu hat es einige geniale Seitenhiebe auf den Kunstmarkt und einige Anspielungen auf die Kunstgeschichte im allgemeinen; so beispielsweise die Szene in der der Kunstfälscher verzweifelt versucht einen Jackson Pollack zu kopieren.

Alles in allem bleibt der Humor des Filmes jedoch sehr verhalten, und dem Ganzen fehlt schlicht und einfach der Biss.

Die Machart ist grundsätzlich solide, und es gelingt Michael Hoffman gar einen gewissen Groove in den Film zu transformieren.
Hierzu tragen sicherlich auch die swingigen Klänge Rolfe Kent’s bei.
Dennoch gelingt es ihm nicht die dünne Story zu übertünchen.

„Gambit“ ist ein kleiner Film mit gross(artig-)en Schauspielern.
Der Film bietet zwar tolle Figuren, fokusiert sich allerdings zu stark auf diese, und vernachlässigt dabei die Handlung.
Der Humor fusst hauptsächlich aus den genialen Dialogen, bleibt aber in der Story selbst über weite Teile auf der Strecke.

3 von 5 impressionistischen Pinselstrichen

3

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