Devil’s Knot

devils-knot-posterVor zwanzig Jahren, im Mai 1993 ereignete sich in West Memphis ein Mord, welcher gemeinsam mit der darauffolgenden Verurteilung dreier Jugendlicher, genannt die „West Memphis Three“, in die Annalen der US-Justiz einging.
Der kanadische Regisseur Atom Egoyan drehte nun basierend auf diesem Fall den Thriller „Devil’s Knot“, welchen er kanadische Regisseur gestern gleich selbst am Zurich Film Festival präsentierte.

Uraufführung: 8.9.2013 (Toronto International Film Festival)
Regie: Atom Egoyan
Darsteller: Reese Witherspoon, Colin Firth, Alessandro Nivola, Bruce Greenwood u.a…

Story:
Im Mai 1993 werden in der amerikanischen Kleinstadt West Memphis drei kleine Jungs auf brutalste Art und Weise umgebracht.
Für die Bevölkerung und die lokale Polizei sind die Verantwortlichen schnell gefunden: die drei Teenager Jessie (Kristopher Higgins), Damien (James Hamrick) und Jason (Seth Meriwether) die in okkulten Kreisen verkehren.

Der Einzige der an der Schuld der drei Jugendlichen zweifelt, ist der Privatermittler Ron Lax (Colin Firth).
Er beginnt auf eigene Faust Nachforschungen anzustellen, und stösst dabei auf so manche Ungereimtheit und Schlampereien von Seite der Polizei her.

The Kings phonecall

The Kings phonecall

Stösst er zu Beginn noch auf Taube Ohren, so beginnen bald mehr und mehr Leute an der offiziellen Version zu zweifeln, darunter auch Pamela Hobbs (Reese Witherspoon) die Mutter eines der Opfer.

Legally Pink

Legally Pink

Trivia:
Der Fall der „West Memphis Three“gehört zu den meistdiskutierten amerikanischen Verbrechen der letzten paar Jahre.
Die damit verbundene Debatte deckte zahlreiche Fehler Seitens der Polizei her auf, sodass die, 1994 rechtskräftig verurteilten, Teenager 2011 freigelassen werden mussten.

Atom Egoyan (M.,mit Brille) gibt den Darstellern Anweisungen

Atom Egoyan (M.,mit Brille) gibt den Darstellern Anweisungen

Zahlreiche (Dokumentations-)Filme zum Thema erschienen im Verlauf der letzten zwanzig Jahre, und selbst der Neuseeländer Peter Jackson interessierte sich für den Fall.
Basierend auf dem Buch „Devil’s Knot: The True Story of the West Memphis Three“ von Mara Leveritt, drehte nun der Kanadier Atom Egoyan („Where the Truth Lies“) einen Spielfilm über das Geschehen.
Das Drehbuch schrieben die beiden Horrorspezialisten Paul Harris Boardman und Scott Derrickson ( beide „The Exorcism of Emily Rose“).

Colin Firth („The Kings Speech“) spielte den Privatermittler Ron Lax während Reese Witherspoon („Walk The Line“) die Mutter Pamela Hobbs gab.
Alessandro Nivola („Ginger & Rosa“) spielte ihren Ehemann Terry, und Kevin Durand („Robin Hood“) John Mark Byers den Vater eines anderen Jungen.

Mireille Enos („World War Z“) verkörperte die Kronzeugin Vicki Hutcheson,
Rex Linn („The Zodiac“) den leitenden Inspektor Gary Gitchell, und Bruce Greenwood („Star Trek Into Darkness“) spielte den Richter.

Die Jungschauspieler Kristopher Higgins („In Time“), James Hamrick („Dive“) und Seth Meriwether („Back in the Game „) verkörperten die drei Hauptverdächtigen Jessie, Damien und Jason, während Dane DeHaan („Chronicle“) einen weiteren jugendlichen Verdächtigen spielte.

Bei der Crew griff Regisseur Egoyan auf ein bewährtes Team zurück: seinen langjährigen Kameramann Paul Sarossy („One Way“) und seine Stammcutterin Susan Shipton („Being Julia“).
Die Musik stammte vom letztjährigen Oscarpreisträger Mychael Danna („Life Of Pi“).
Gedreht wurde in den US-Städten Morrow und Atlanta.

Fazit:
In „Devil’s Knot“ geht es nicht um das Verbrechen, nicht um das Urteil; nein es geht in erster Linie um das Verhalten der Gemeinschaft.
Es ist also durchaus nicht falsch, den Film als eine Art kriminalistische Sozialstudie zu betrachten.
In fast schon dokumentarisch, äusserst akribischem Stil rollt Egoyan den Fall auf und nimmt dabei den Standpunkt eines stummen Betrachters ein.
Das Geschehen nimmt so kommentarlos seinen Lauf, und während man dadurch sehr viel über das Zusammenspiel in der Kleinstadt erfährt, hätte man sich gerade bei den Figuren mehr Subjektivität gewünscht.

Denn während Colin Firth absolut solide spielt, und Reese Witherspoon nicht nur mit ihrem Mut zur Hässlichkeit verblüfft, sondern auch sehr tiefgründig agiert, lässt die vom Regisseur gewählte Distanz leider nur wenig Identifikation mit den Figuren zu, und so bleibt dem Zuschauer quasi nur der Blick durchs Glas.

Die stilistische Machart unterstreicht diese Betrachtungsweise zusätzlich.
Durch Aufnahmen im Video-Look und Off-Stimmen
wirkt „Devil’s Knot“ oftmals sehr dokumentarisch.

Storytechnisch hat diese Angehensweise den Nachteil, dass praktisch keinerlei dramaturgische Höhepunkte entstehen können.
Leider entwickeln sich im Verlauf des Filmes auch einige Längen.

Die Story die „Devil’s Knot“ zugrunde liegt, hat grosses dramaturgisches Potential.
Regisseur Atom Egoyan entschied sich jedoch dafür die Geschichte möglichst nüchtern und kommentarlos zu betrachten.
Somit entstand ein messerscharfes Gesellschafts-Lehrstück, dem allerdings die nötige Figurentiefe abgeht und dass stellenweise sehr langatmig daherkommt.

3.5 von 5 Ecken eines Pentagrams

3.5

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