Die Schwarzen Brüder

01„Die Schwarzen Brüder“ von Lisa Tetzner und Kurt Held gehört zu den bekanntesten und populärsten Jugendromanen der Schweiz.
Nun nahm sich der oscarprämierte Schweizer Regisseur Xavier Koller der Geschichte an.
Gemeinsam mit einem Grossteil des Casts und der Crew präsentierte er am vergangenen Sonntagabend im Rahmen des 9. Zurich Film Festivals den Film einem (mehrheitlich jungen) Publikum.

Uraufführung: 29.9.2013 (Zurich Film Festival)
Regie: Xavier Koller
Darsteller: Moritz Bleibtreu, Fynn Henkel, Catrin Striebeck, Leonardo Nigro, u.a…

Story:
Der Junge Giorgio (Fynn Henkel) lebt in einem armen Tessiner Bergbauerndorf.
Als sich seine Mutter den Fuß bricht, steht die Familie vor dem Ruin.
Denn für einen Arzt reicht seinem Vater das Geld nicht.
Da steht eines Tages der Italiener Antonio Luini (Moritz Bleibtreu) vor der Türe und „kauft“ Giorgo seinen Eltern ab.

Bergauf Bergab

Bergauf Bergab

Der skrupellose Luini bringt Giorgo und andere Jungen nach Mailand, wo er sie an Kaminfegermeister verkauft.
Als lebendige Besen müssen sie fortan die russigen Kamine putzen.
Die Arbeit ist hart und gefährlich, zudem sind ihre Herren oft unnachgiebig, und die „Wölfe“, eine Bande Mailänder Jugendlicher, macht ihnen das Leben schwer.

Gangs of Milano

Gangs of Milano

Doch im Geheimen verbünden sich die Jungs zur Gemeinschaft der „Schwarzen Brüder“, und beschliessen sich gegen die Angriffe von ausen zu wehren.
Hilfe erhalten sie hierbei von unerwarteter Seite.

Trivia:
Der 1940 erschienene „Die Schwarzen Brüder“ von Lisa Tetzner und ihrem Mann Kurt Held, zählt zu den beliebtesten Schweizer Jugendbüchern, und wurde mehrfach adaptiert, unter anderem in einer Fernsehserie mit Monica Bleibtreu in einer Nebenrolle.

Die Produzenten und Drehbuchautoren Fritjof Hohagen („Fata Morgana“) und Klaus Richter („Die Geschichte vom Brandner Kaspar“) adaptierten den Klassiker nun für die grosse Leinwand.
Regie führte der Schweizer Oscarpreisträger Xavier Koller („Reise der Hoffnung“).

Die Darsteller Moritz Bleibtreu, Fynn Henkel,  Regisseur Xavier Koller und Produzent Fritjof Hohagen (v.l.n.r.)

Die Darsteller Moritz Bleibtreu, Fynn Henkel, Regisseur Xavier Koller und Produzent Fritjof Hohagen (v.l.n.r.)

Nebst Hauptdarsteller Fynn Henkel, für den es indess die erste Kinorolle darstellte,
spielten unter anderem die Jungschauspielewr Oliver Ewy („Vorstadtkrokodile 3“) als Giorgos Freund Alfredo, und Ruby O. Fee („Löwenzahn – Das Kinoabenteuer“) als das Mädchen Angeletta mit.

Moritz Bleibtreu („Der Baader Meinhof Komplex“) spielte Antonio Luini, den Mann mit der Narbe, Richy Müller („Das Arche-Noah-Prinzip“) den Pater Roberto, Waldemar Kobus („Wickie und die starken Männer“) und der Franzose Dominique Horwitz („Die Rote Zora“) spielten die beiden Kaminfegermeister Battista Rossi und Meister Zitrone, während die Schweizer Sabine Timoteo („180°“) und Leonardo Nigro („Grounding“) Giorgios Eltern gaben.

Die Kamera führte Felix von Muralt („Dead Fucking Last“) und Gion-Reto Killias („Eine wen iig, dr Dällebach Kari“) übernahm den Schnitt.
Frank Bollinger („Stargate“) und Bettina Lessing („The International“) waren für die Ausstattung verantwortlich, die Österreicherin Birgit Hutter („Nordwand“) und Franziska Lange („Der Medicus“) für die Kostüme, und als Maskenbildner fungierten Nicole Zingg („Sennentuntschi“), Marc Hollenstein („10000 B.C.“) und Barbara Grundmann („Der Verdingbub“).
Gedreht wurde im Tessin im Südtirol, Köln und Frankfurt.

Fazit:
Xavier Koller’s oscarprämierter Film, „Reise der Hoffnung“ dreht sich um eine Gruppe Flüchtlinge, die von Mailand aus über die Berge in die Schweiz einwandern.
Nun dreht er mit der Verfilmung der „Schwarzen Brüder“ quasi das Gegenteil.

Richteten sich seine bisherigen Filme, mit ihren brisanten Thematik stets an ein erwachsenes Publikum, so möchte er mit seinem neusten Werk klar ein jüngeres Zielpublikum ansprechen.
Dies gelingt ihm auf alle Fälle, denn man merkt, dass er sein Zielpublikum ernst nimmt, und die Geschichte von Lisa Tetzner und Kurt Held zeitgemäss erzählt, ohne dabei die Essenz zu verlieren.
Zudem erzählt Koller die Geschichte in einem angenehmen Tempo, und bleibt stets nahe an seinen Protagonisten.

Man könnte dem Film eventuel zu wenig Biss, oder zu einfach gestrickte Charaktere vorwerfen; doch wer hier ein dramaturgisches Meisterwerk mit erstklassigen Dialogen erwartet, der ist ganz klar im falschen Film.

Wenn auch die Handlung (zumindest für erwachsene Kinogänger) etwas einfach wirkt, so ist die Machart des Werkes doch mehr als überzeugend.
Von der Bildgestaltung über die liebevollen Kostüme und Ausstattung gefällt hier alles, und selbst das CGI ist sehr gelungen.

Bei den Schauspielern überzeugen insbesonders die jugendlichen Hauptdarsteller, indess die „ältere“ Generation, allen voran Moritz Bleibtreu etwas stark zur Farcehaftigkeit neigen.
Auch hätte man sich als Schweizer etwas mehr heimische Gesichter vor der Kamera gewünscht.

„Die Schwarzen Brüder“ ist ein schön gemachter Film, der die über 70-jährige Geschichte auf eine moderne Art und Weise einem jungen Publikum näherbringt.

4 von 5 rostigen Russbesen

4

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Eine Antwort zu Die Schwarzen Brüder

  1. Owley schreibt:

    Sehr schöne Rezension, stimme dir völlig zu. Finde deinen zweitletzten Satz auch sehr richtig, das hätte man durchaus besser beachten können. Ist ja immerhin noch ein bisschen ein Schweizer Film-

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