Cinderella

cinderellaSeit dem Kriegseintritt der USA, 1942, drehten die Walt Disney Studios praktisch nur noch Propagandafilme und Regierungsauftragsarbeiten.
Die Langspielfilme die das Studio produzierte bestanden aus einzelnen Kurzfilmsegmenten, so beispielsweise „Saludos Amigos“ oder „The Adventures Of Ichabod And Mr. Toad“.
Insgesamt brachten diese Filme dem Studio nichts ein, und so entschloss man sich Ende der 40er Jahre wieder einen abendfüllenden Märchenfilm zu produzieren.

Uraufführung: 15.2.1950
Regie: Clyde Geronimi, Hamilton Luske, Wilfred Jackson
Sprecher: Ilene Woods, Eleanor Audley, James MacDonald, Verna Felton, u.a…

Story:
Das Mädchen Cinderella (Ilene Woods) wächst mit ihrer Stiefmutter (Eleanor Audley) und den beiden Stiefschwestern Anastasia (Lucille Bliss) und Drizella (Rhoda Williams) auf.
Die drei behandeln sie äusserst schlecht und sie muss für sie sämtliche Haushaltsarbeiten verrichten.
Ihre einzigen Freunde sind die Tiere des Hauses.

"I gotchu!"

„I gotchu!“

Als der König (Luis Van Rooten) eines Tages alle jungen Frauen des Landes zu einem royalen Ball einlädt, bei dem die Schönste mit dem Prinzen tanzen darf, möchte Cinderella natürlich auch daran teilnehmen.
Doch ihre böse Stiefmutter setzt alles daran, dies zu verhindern.

Mass nehmen...

Mass nehmen…

Trivia:
Das Märchen „Cendrillon“ des Franzosen Charles Perrault, das auch den Gebrüdern Grimm als Vorlage zu „Aschenputtel“ diente, verarbeitete Walt Disney bereits 1922 zu einem Cartoon der Laugh-O-Gram Studios.
In den 1930ern lagen dann erste Drehbuchentwurfe für einen langen Zeichentrickfilm vor, mussten aber „Snow White“ und „Pinocchio“ den Vorrang lassen.

1948 entschloss man sich jedoch definitiv dazu den Stoff zu verfilmen.
Erste Konzeptzeichnungen und Farbvorschläge stammten von der Künslerin Mary Blair („The Three Caballeros“).
Regie führten der Italiener Clyde Geronimi („Sleeping Beauty“),Wilfred Jackson („Peter Pan“) und Hamilton Luske („Mary Poppins“), während die Animation hauptsächlich von Disney’s Stammzeichnern, den „Nine Old Men’s“, ausgeführt wurden.
Um Kosten zu sparen, wurde ein Grossteil der Filmehandlung von Darstellern gespielt, aufgezeichnet und mittels dem Rotoscoping-Verfahren in Zeichentrick-Form gebracht.

Die Konzept- und Farbkünstlerin Mary Blair

Die Konzept- und Farbkünstlerin Mary Blair

Die Sängerin Ilene Woods lieh Cinderella die Stimme, während Eleanor Audley („Sleeping Beauty“) Lady Tremaine, den Part der Stiefmutter, sprach.
Lucille Bliss („101 Dalmatians“), die später Schlumpfine die Stimme leihen sollte und Rhoda Williams („Star Trek IV: The Voyage Home“) sprachen deren beide Töchter, Anastasia und Drizella ein.

Der Prinz wurde von William Phipps („The War Of The Worlds“) gesprochen, wobei der US-Talkmaster Mike Douglas die Gesangsparts übernahm.
Luis Van Rooten („Night Has a Thousand Eyes“) synchronisierte sowohl den König wie auch den Grossherzog und der Tontechniker und spätere Mickey Mouse-Sprecher James MacDonald lieh der gesamten Mäusebande die Stimmen.
Verna Felton („Dumbo“) sprach die Gute Fee ein, und Betty Lou Gerson schliesslich, („101 Dalmatians“) fungierte als Erzählerin.

Da Disney den Soundtrack kommerziell vertreiben wollte, gründete er dazu die „Walt Disney Music Company“ und beauftragte die bekannten Komponisten und Texter Mack David, Al Hoffman und Jerry Livingston (alle drei „Alice In Wonderland“) damit, Lieder für den Film zu verfassen.
Der restliche Score stammte von Oliver Wallace und Paul Smith, die bereits an „Dumbo“ mitwirkten.

„Cinderella“ wurde zum grössten finanziellen Erfolg für die Walt Disney Studios seit „Snow White And The Seven Dwarfs“.
Die Tonmischung, der Soundtrack und der Song „Bibbidi-Bobbidi-Boo“ wurden zudem je für einen Oscar nominiert, und der Film wurde 1951 mit dem allerersten Goldenen Bären der Berlinale ausgezeichnet.

Fazit:
Acht Jahre liegen zwischen „Bambi“ und „Cinderella“; acht Jahre in denen sich der Stil des Studios verändert hat, was man sehr gut feststellt.
Im Gegensatz zum fast schon realistischen Ton von „Bambi“ herrscht bei „Cinderella“ ein eher plakativer Grundstil vor.

Ein Grossteil der Figuren sind in einem eher cartoonhaften Zeichenstil gehalten; einzig Cinderella, Lady Tremaine und der Prinz sind relativ realgetreu animiert.
Dass sich diese beiden Stile nicht beissen, nein, sogar ganz gut miteinander harmonieren, darf zu den grossen Verdiensten der Macher gezählt werden.
Auch die, bereits erwähnten, plakativen Bildhintergründe fügen sich grossartig in das Gesamtbild.
Des weiteren kann der Film mit dem Spiel von Schatten und Licht, welches er intensiv betreibt, punkten.

Storytechnisch macht Disney hier alles richtig.
Nebst der (zeitlosen) Grundstory mit viel Charme aber auch äusserst dramatischen Momenten angereichert, erzählt er auf einer weiteren Ebene die eher cartoonige Geschichte rund um die Mäuse und den Kater Lucifer.
Diese beiden Ebenen fliessen stets ineinander über, ergänzen sich vorzüglich und erzeugen so eine durchgehend stimmige Handlung.

Erwähnt werden muss sicherlich der Soundtrack, der wie bereits schon bei „Snow White“ oder „Pinocchio“ erstklassige Orchestration mit eingängigen Songs verreint.

Die Synchronsprecher sind wie stets sehr pointiert gewählt, Ilene Woods hat eine angenehme Spech- und eine tolle Singstimme, Eleanor Audley ist als fiese Aristokratin grossartig und James MacDonald kann sein Comedytalent vollends ausschöpfen.

„Cinderella“ ist ein rundum gelungener, um nicht zu sagen perfekter Film, der eine witzige, cartoonhafte Ebene mühelos mit einer märchenhaften, romantischen verbindet, und dies in einem ebenso einfach wie elegant wirkendem Stil.
Der Soundtrack und die Lieder tragen ihren Teil zum Gelingen des Filmes bei.

5 von 5 gläsernen Pantoffeln

m5

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