Alice In Wonderland

alice-in-wonderland-movie-poster-1951-1020198120Bereits in den 1920er Jahren drehte Walt Disney für die Laugh-O-Gram Studios eine Reihe von Kurzfilmen auf Basis von Lewis Carroll’s Kinderbuchklassikern „Alice’s Adventures In Wonderland“ und „Through The Looking-Glass“.
Mehrere Versuche eines Langspielfilmes wurden verworfen.
Nach Kriegsende nahm man in den „Walt Disney Studios“ das Projekt erneut in Angriff.
Der Erfolg von „Cinderella“ setzte die Messlatte für den Film jedoch recht hoch.

Uraufführung: 26.7.1951
Regie: Clyde Geronimi, Hamilton Luske, Wilfred Jackson
Sprecher: Kathryn Beaumont, Ed Wynn, Sterling Holloway, Verna Felton, u.a…

Story:
Das Mädchen Alice (Stimme: Kathryn Beaumont) sollte eigentlich mit ihrer Schwester lernen.
Stattdessen träumt sie lieber in den Tag hinein.
Als plötzlich ein weisses Kanninchen (Bill Thompson) mit Handschuhen und einer Taschenuhr, das es zudem äusserst eilig zu haben scheint, an ihr vorbeischiesst, folgt sie ihm, und gelangt dadurch in ein wundersames Land.

Not my cup of tea

Not my cup of tea

Hier können nicht nur sämtliche Tiere sprechen und Blumen singen, und feiert nicht nur ein verrückter Hutmacher (Ed Wynn) täglich den Nichtgeburtstag, auch scheinen hier sämtliche physikalischen Gesetze ausser Kraft gesetzt.
Regiert wird das Wunderland von der Herzkönigin (Verna Felton), die am liebsten Cricket spielt und ihren Untertanen den Kopf abschlägt.

Her royal Madness

Her royal Madness

Trivia:
Bereits in den frühen 20er Jahren drehte Walt Disney erste „Alice In Wonderland“-Cartoons die auf Lewis-Carroll’s Klassiker basierten.
In den 30ern und 40ern scheiterten mehrere Anläufe einen Langspielfilm aus dem Stoff zu machen.

1945 verfasste der britische Autor Aldous Huxley ein erstes Drehbuch auf Basis der beiden Bücher „Alice’s Adventures In Wonderland“ und „Through The Looking-Glass“, und die Malerin Mary Blair („Cinderella“) erstellte ein Figuren- Farb- und Konzeptdesign.

Animator Marc Davis und Kathryn Beaumont

Animator Marc Davis und Kathryn Beaumont

Clyde Geronimi, Wilfred Jackson und Hamilton Luske, die bereits als Regisseure bei „Cinderella“ tätig waren, übernahmen diese Aufgabe auch wieder hier, während die sogenannten „Nine Old Men“ die Animationsarbeiten leiteten.

Für den Sprechpart von Alice setzte sich die britische Kinderdarstellerin Kathryn Beaumont („Peter Pan“) gegen die etablierten Disney-Kinderstars, Lisa Davies und Luana Patten durch.
Ed Wynn („Mary Poppins“) sprach die Rolle des verrückten Hutmachers,
Jerry Colonna („The Road to Hong Kong „) den Märzhasen und der „Mickey Mouse“-Sprecher Jimmy MacDonald („Cinderella“) die Haselmaus.

Der Engländer Richard Haydn („Mutiny on the Bounty“) lieh der Raupe seine Stimme, Sterling Holloway („Dumbo“) der Grinsekatze und Verna Felton („Cinderella“) der bösen Herzkönigin.
Bill Thompson („Lady and the Tramp“) der in späteren Cartoons Dagobert Duck die Stimme leihen sollte sprach das weisse Kaninchen und J. Pat O’Malley („The Jungle Book“) sprach einen ganzen Reigen von Figuren, darunter Tweedledum und Tweedledee oder aber das Walross.

Die Lieder des Filmes wurden von Mack David, Jerry Livingston und Al Hoffmann, die bereits an „Cinderella“ beteiligt waren, sowie Gene de Paul („The Adventures Of Ichabod And Mr Toad“) und Sammy Fain („The Rescuers“) komponiert.
Sie schrieben hierzu über 30 verschiedene Songs, von denen ein Grossteil jedoch verworfen wurde.
Oliver Wallace („Dumbo“) komponierte unterdessen den restlichen Score.

Fazit:
Mit „Cinderella“, dem, meiner Meinung nach, bis dato besten Disney-Film war die Messlatte für „Alice In Wonderland“ hoch gesetzt.
Dass es sich bei „Alice“ zudem um den 13 abendfüllenden Disneyfilm handelte, war wohl ein schlechtes Omen.

Dieses Omen sollte sich bewahrheitet und man hat das Niveau von „Cinderella“ in keiner Weise erreicht.Eines der grössten Mankos des Filmes ist schon die Story, die nicht zuletzt auf die Episodenhaftigkeit des Buches zurückzuführen ist.
Die einzelnen Segmente und Figuren, die für sich genommen sehr einfallsreich und witzig sind, wirken im Gesamtbild zusammenhangslos, es ist keine durchgängiger Handlungsbogen erkennbar, und man vermisst das dichte Storytelling eines „Snow White And The Seven Dwarfs“ oder „Cinderella“.

Stilistisch kommt der Film ebenfalls nicht an seine Vorgänger ran.
Im Gegensatz zum Realismus eines „Bambi“ oder der Tiefe von „Pinocchio“ wirkt der Stil hier wesentlich Cartoonhafter, das Setting eher schlicht.
Dies ist jedoch nicht unbedingt schlecht, im Gegenteil, „Alice“ hat einen völlig eigenen, grafischen, Stil.
Nur; im Direktvergleich wirkt das Design der Vorgänger doch ein ganzes Stück weit Detailgenauer und ausgereifter.

Überzeugen kann auf alle Fälle das einfallsreiche Figurendesign und viele der Animationssegmente, und es ist erkennbar, dass sich die Zeichner hier enorm ins Zeug gelegt haben.

Die entsprechenden Synchronstimmen sind sehr gut ausgewählt.
Mit Kathryn Beaumont hat Disney mal wieder ein Händchen für Kinderstimmen bewiessen, sie passt sehr gut zur naseweisen Alice.
Ed Wynn und Jerry Colonna sind als Hutmacher und Märzhase schlicht genial und Verna Felton beweisst als Herzkönigin mal wieder ihre stimmliche Wandlungsfähigkeit.

Was weniger gefällt ist die Filmmusik.
Trotz vieler Lieder (der Film hält bis heute den Disney-internen Rekord) generieren sich hierbei keine wirkliche Ohrwürmer, und auch der Score kann nie wirklich überzeugen und erzeugt niemals die narative Kraft früherer Soundtracks.

„Alice In Wonderland“ kommt nicht an seine Vorgänger (von den Episodenfilme sehe ich mal ab) heran, weder künstlerisch noch inhaltlich.
Gesamthaft kann gesagt werden, dass er der schwächste Film der „Walt Disney-Ära“ (1938-1967) ist.
Dass derselbige mit dem Endergebniss alles andere als zufrieden war, spricht für sich…

3 von 5 sprechenden Spielkarten

m3

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Daily Disney, Reviews, Specials abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s