Wachtmeister Studer

glaGestern jährte sich der Todestag von Friederich Glauser, einem der bekanntesten Schweizer Kriminalautoren zum 75. Mal.
Als Fan sowohl seiner Romane, aber auch des „alten“ Schweizerfilms kam ich natürlich auch an den beiden Wachtmeister Studer -Verfilmungen mit Heinrich Gretler in der Hauptrolle, nicht vorbei, und möchte diese nun hier präsentieren.
Zunächst der 1939 gedrehte „Wachtmeister Studer“; „Matto Regiert“ folgt in den nächsten Tagen…

Uraufführung: 13.10. 1939
Regie: Leopold Lindtberg
Darsteller: Heinrich Gretler, Anne-Marie Blanc, Sigfrid Steiner, Ellen Widmann, u.a…

Story:
Im Dörfchen Gerzenstein wird die Leiche eines Kaufmannes gefunden.
Schnell wird der ehemalige Zuchthäusler Erwin Schlumpf (Robert Bichler) als Täter ermittelt.
Der einzige der an dessen Unschuld glaubt ist der Polizeiwachtmeister Studer (Heinrich Gretler), der daher nach Gerzenstein reist.

Ein Mann des Volkes

Ein Mann des Volkes

Hier stösst er jedoch auf ein undurchdringbares Netz aus Lügen und Intrigen, und Jeder könnte der Täter sein.
War es etwa der Gärtnereibesitzer Ellenberger (Armin Schweizer), der in seiner Obstplantage vorwiegend ehemalige Kriminelle beschäftigt, Sonja (Anne-Marie Blanc), die Tochter des Ermordeten und Freundin Schlumpf’s, oder gar der Gemeindepräsident (Adolf Manz) persönlich?

Mutter und Tochter

Mutter und Tochter

Trivia:
1936, kurz nach Erscheinen des Buches „Wachtmeister Studer“ diskutierten der Autor, Friederich Glauser, und sein Kollege, der Schauspieler Heinrich Gretler („Heidi“), über eine Verfilmung des Stoffes – mit Gretler in der Hauptrolle.
Nach Glauser’s Tod kaufte die Praesens Film AG, unter Lazar Wechsler („Es Geschah Am Hellichten Tage“) – den Glauser nicht ausstehen, und dem er selbst die Rechte nie abgetreten hätte – die Filmrechte.

Der spätere Oscarpreisträger Richard Schweizer („Marie-Louise“) schrieb gemeinsam mit dem Schriftsteller Kurt Guggenheim („Wilder Urlaub“) das Drehbuch.
Die Regie wurde dem Österreicher Leopold Lindtberg („Füsillier Wipf“) übertragen, der dadurch erstmals Alleinregie bei einer Filmproduktion führen konnte.

Dreharbeiten mit Leopold Lindberg (r.)

Dreharbeiten mit Leopold Lindberg (r.)

Gretler spielte wunschgemäss die Hauptfigur, weitere Darsteller rekrutierte man am Zürcher Schauspielhaus.
Armin Schweizer („Oberstadtgass“) gab den Gärtner Gottlieb Ellenberger, Adolf Manz („Wilder Urlaub“), den Gemeindepräsident Aeschbacher und Robert Bichler („Uli der Knecht“) spielte Erwin Schlumpf.

Robert Trösch („Wilder Urlaub“) spielte Armin Witschi, die aus Deutschland zurückgekehrte Ellen Widmann („M – Eine Stadt sucht einen Mörder“) verkörperte seine Mutter und Anne-Marie Blanc („Gilberte De Courgenay“) seine Schwester Sonja.
Es war dies für Blanc die erste Rolle in einem Spielfim.

In weiteren Rollen waren indess Sigfrit Steiner („Das gefrorene Herz“) als der Untersuchungsricher, Zarli Carigiet („Es Dach überem Chopf“) als Erntehelfer, Rudolf Bernhard („Gilberte De Courgenay“) als Apotheker, und Hans Kaes („Landammann Stauffacher“) als Dorfspolizist Murmann zu sehen.
Schaggi Streuli, ab den 50ern als „Polizist Wäckerli“ selbst in einer Ermittlerrolle zu sehen, verkörperte hier einen Gefängniswärter.

Emil Berna („Der 42. Himmel“), der Stammkameramann der Praesens, führte die Kamera, Käthe Mey („Gilberte De Courgenay“) schnitt den Film, und Robert Blum („Uli der Knecht“) schrieb die Musik.
Gedreht wurde im Kanton Zürich, in den Dörfern Greifensee und Andelfingen, am Türlersee, sowie in den Rosenhofstudios in der Stadt Zürich.
Es war der allererste Film der in den Studios realisiert wurde.

Fazit:
Die Figur des Wachtmeister Studers ist untrennbar mit Heiri Gretler verbunden, und fast könnte man annehmen das Friederich Glauser seinen guten Freund vor Augen hatte, als er den Detektiv ersann.
Denn Studer ist zwar kantig, eckt gerne an und verhält sich äusserst bärbeissig; dennoch geht eine grosse Menschlichkeit und Herzlichkeit von dem Charakter aus; und diese beiden Gegensätze verkörpert Gretler schlicht perfekt.

Die Geschichte ist zwar aus rein kriminologischer Sicht nicht allzu anspruchsvoll, dennoch schafft Glauser viel Tiefe, indem er soziale Themen aufgreift unangenehme Sachlagen offen anspricht und Figuren von grosser menschlicher Tiefe kreiert, und trotz alledem noch seine äusserst helvetischen Stil beibehält.
Der Film schwächt viele kontroverse Themen zwar ab, dennoch kommt er dem Geiste Glausers recht nahe.

Nebst dem Eingangs erwähnten Gretler glänzt die Crém de la Crém der damaligen Schweizer Film – und Theaterlandschaft in dem Film.
Armin Schweizer gibt mal wieder einen windigen Charakter, bei dem man nicht weiss woran man ist, Adolf Manz den chauvinistischen Gemeindepräsidenten, und bei Anne-Marie Blanc lässt sich bereits in ihrer ersten Rolle erahnen, welches Talent in ihr schlummert.

„Wachtmeister Studer“ erinnert stark an die alten französischen Kriminalfilme der 30er wie etwa „La Nuit du carrefour“ oder „Le Quai des brumes“, was nicht zuletzt auch Emil Berna’s gekonnter Kameraführung zu verdanken ist.
Der Film weist aber auch eine durchaus schweizerische Handschrift auf, welche den „heile Welt“- Geist der Landidörfli-Schweiz von 1939 gut wiederspiegelt.

Dass „Wachtmeister Studer“ zu den besten Schweizer Filmen gezählt werden darf, ist keine Frage; selbst wenn er die Tiefe der Buchvorlage nicht ganz erreicht.
Der Film lebt stark von seinem Hauptdarsteller und ist noch über 70 Jahre nach seiner Uraufführung untrennbar mit Heiri Gretler verbunden.

4.5 Brissago-Zigarren

4.5

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Reviews, Schweizer Film abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s