Snowpiercer

snowpiercer_ver19Ein aufstrebender südkoreanischer Regisseur, ein französischer Sci-Fiction Comic und ein internationaler Cast mit Preisgekrönten Darstellern wie John Hurt, Ed Harris oder Tilda Swinton; das sind die Zutaten für einen Film mit Kultpotential: „Snowpiercer“.
Regisseur Bong Joon-ho behauptet er habe den Comic noch beim Zeitschriften-händler verschlungen und sich förmlich in die Story verliebt;
Ich habe dafür im Kino 2 Stunden gebraucht 😉 .

Uraufführung: 1.8.2013
Regie: Bong Joon-ho
Darsteller: Chris Evans, Song Kang-ho, Tilda Swinton, John Hurt,  u.a…

Story:
In nicht allzu ferner Zukunft; nachdem man beim Versuch der Erderwärmung Herr zu werden kurzerhand eine globale Eiszeit ausgelöst hat, konnten sich die wenigen Überlebenden in einen gigantischen Zug retten, der unaufhaltsam durch die vereiste Landschaft fährt.

Der Weg der Arbeiterklasse ins vorderste Abteil

Der Weg der Arbeiterklasse ins vorderste Abteil

Während die Oberschicht in mondänen Wagen im vorderen Teil des Zuges lebt, hausen die ärmeren Schichten, eingepfercht in enge Pritschen, und unter erbärmlichsten Bedingungen, in den hinteren Wagen.

Fräulein Rottenmeier 2.0

Fräulein Rottenmeier 2.0

Unter Anführung des kämpferischen Curtis Everett (Chris Evans) und des greisen (John Hurt) startet diese Unterschicht eines Tages eine Revolution, und kämpft sich langsam aber beständig von Wagen zu Wagen bis an die Zugsspitze.

Trivia:
Als der südkoreanische Regisseur Bong Joon-ho („The Host“)
eines Tages den französischen Comic „Le Transperceneige“ von Jacques Lob, Benjamin Legrand und Jean-Marc Rochette in die Finger bekam, entschloss er sich daraus einen Film zu machen.

Bong John-ho bei den Dreharbeiten

Bong John-ho bei den Dreharbeiten

Mit Unterstützung seines Regiekollegen Park Chan-wook („Oldboy“) konnte das Projekt finanziert werden, und 2012 die Dreharbeiten, die zum grössten Teil im Studio in Prag und im Tirol in Angriff genommen werden.

Der Amerikaner Chris Evans („Captain America: The First Avenger“) spielte die Hauptrolle an seiner Seite agierten die beiden Briten John Hurt („The Elephant Man“) und Jamie Bell („Filth“) als sein Mentor Gilliam und sein Protegé Edgar.

Die beiden Oscarpreisträgerinnen Tilda Swinton („Only Lovers Left Alive“) und Octavia Spencer („Smashed“) spielten die Erzieherin Mason und die kämpferische Mutter Tanya.

Der Südkoreaner Song Kang-ho („The Good, the Bad, the Weird“)
und seine Landesfrau Go Ah-sung („The Host“), die beide bereits unter Ägide von Regisseur Bong Joon-ho gespielt hatten, verkörperten den drogensüchtigen Ingenieur Namgoong Minsu und dessen Tochter Yona.
Ed Harris („The Rock“) schliesslich gab den Schurken Wilford.

Während Marco Beltrami („World War Z“) die Musik schrieb, filmte Bong Joon-ho’s Stamm-Operateur Hong Kyung-pyo („Mother“) das Werk.
Das Production Design und die Art Direction wurde den Tschechen Ondrej Nekvasil und Stefan Kovacik (beide „The Illusionist“) übertragen.

Fazit:
Nachdem Bong Joon-ho spätestens mit dem Schocker „The Host“ ins  Sichtfeld der Kritiker und Fans weltweit gerückt ist, wagt sich der Südkoreaner nun mit „Snowpiercer“ erstmals auf internationales Parkett.

Hier bewegt er sich unglaublich solide, ohne dabei aber auch nur annähernd seine Wurzeln zu vergessen; was wohl auch damit zusammenhängen mag, dass er auf die Unterstützung von Kameramann Hong Kyung-pyo – der starke Aufnahmen zu erzeugen vermag – sowie die darstellerischen Fähigkeiten von Song Kang-ho und Go Ah-sung verlassen konnte.

Doch auch wenn beide grossartig spielen, muss auch dem internationalen Cast Tribut gezollt werden.
Chris Evans überzeugt in der Rolle des modernen Spartakus, Altstar John Hurt passt wie der Stock aufs Auge für den Part des weisen Mentors, und Ed Harris hat sich Bong Joon-ho nicht ohne Grund bis zum Schluss aufgespart…

Doch allesamt werden an die Zugswand gespielt, und zwar von einer Frau; Tilda Swinton.
Die Rolle der Ekelgouvernante, die in schulmeisterlichem Ton die Revoluzzer herunterkanzelt ist ebenso schräg wie genial.
Swilton schafft (wie so oft) den Spagat zwischen absolutem Overacting und grosser Schauspielkunst, scheinbar spielend, und mausert sich so zum heimlichen Star des Werkes.

Doch es sind nicht nur die Darsteller und der erstklassige Look des Filmes (sieht man mal vom den grottigen CGI ab), die „Snowpiercer“ zu einem der besten Filme des Jahres machen, sondern gerade die Story.
Denn diese ist in erster Linie eine sozialkritische.

Das soziale Gefälle wird hier kurzerhand in die horizontale verlegt, und die gesamte Welt auf diesen einen Zug heruntergespitzt.
So wird „Snowpiercer“ von der apokalyptischen Zukunftsversion zum revolutionären Kammerstück.
Der Zuschauer bleibt, in fast schon vojeuristischer Intimität am Geschehen dran, und bewegt sich mit dem Zug der Aufständischen von Wagen zu Wagen vorwärts.

Das Erzähltempo das Bong Joon-ho anschlägt bleibt dabei recht hoch, während die Action tough und blutig daherkommt, so wie man es sich vom südkoreanischen Film eben gewohnt ist.
Dass der Film es mit den Gesetzten der Physik und Logik nicht so genau nimmt, stört indess absolut nicht; auch wenn man schon lange keinen so „anspruchsvollen“ Film mit einer gleichzeitig solch hohen Dichte an Verstössen gegen die physikalischen Grundgesetzte gesehen hat.

„Snowpiercer“ ist ein starker, dichter Film, hinter dem eine überaus intelligente Idee steckt, und bei dem von der Grundgeschichte, über den stylistischen Look, bis hin zu den Darstellern – allen voran Tilda Swinton – einfach alles stimmt.
Ein Film mit Kultpotential.

5 von 5 Proteinblöcken

5

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4 Antworten zu Snowpiercer

  1. donpozuelo schreibt:

    Jawoll ja… bei mir gab’s auch volle Punktzahl. Wirklich ein beeindruckender und spannender Film, der nicht nur blosses Action-Kino ist, sondern sich auch wirklich Gedanken um die Charaktere gemacht hat.

    Ich kann dazu nur immer wieder den Comic empfehlen, der wirklich sehr lesenswert ist… da merkt man dann auch, dass Bong Joon-ho nicht einfach nur kopiert, sondern sich wirklich etwas eigenes geschaffen hat.

    • Mr. Nick schreibt:

      Alles andere als volle Punktzahl wäre ja gelacht 😉 …
      Den Comic habe ich bislang noch nicht gelesen, habe mir jedoch auch sagen lassen, dass man sich bei der filmischen Umsetzung einige „Freiheiten“ rausgenommen habe…

      Werde ihn mir baldmöglichst zutun.

      • donpozuelo schreibt:

        Ja, der Comic ist gerade in seinem Ende noch sehr viel gemeiner als der Film 😀

      • Mr. Nick schreibt:

        Klingt verlockend.
        Muss mal beim Comichändler meines Vertrauens vorbei, da krieg ich evt. sogar die französische Originalausgabe…

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