Godzilla (2014)

godzilla_ver4Wie ich schon mehrmals erwähnt habe, war mein Konsum an japanischem Monstertrash à la Godzilla, Gamerra und Konsorte, in meiner frühesten Jugend schwindelerregend hoch.
Auch wenn ich diese Phase meiner cineastischen Entwicklung unlängst hinter mir gelassen habe; eine leichte Schwäche für Genrevertreter ist geblieben.
So kam es, dass „Pacific Rim“ mein Herz vor gut einem Jahr, merklich höher schlagen liess.
Ob dies der neusten Version von „Godzilla“ auch gelingen würde?

Uraufführung: 16.5.2014
Regie: Gareth Edwards
Darsteller: Aron Tyler-Johnson, Bryan Cranston, Sally Hawkins, Ken Watanabe, u.a…
Story:
Bei den Atomtests der USA in den 50ern handelte es sich in Tat und Wahrheit um Abwehrattacken auf eine Urzeitliche Riesenechse: Gojira; genannt Godzilla.
Leider ernährt sich das Tier von radioaktivem Material, und die Atomsprengköpfe haben es nur stärker gemacht.

We're Back! A Kaiju's Story

We’re Back! A Kaiju’s Story

1999 entdeckt der japanische Wissenschaftler Dr. Ishiro Serizawa (Ken Watanabe)auf den Phillipinen Überreste eines Riesenmonsters gleicher Grösse.
Zur selben Zeit wird in Japan ein Atomkraftwerk völlig verwüstet; aufgrund einer Kernschmelze wie es heisst.
Doch der Seismologe Joe Brody (Bryan Cranston), der bei dem Unglück seine Frau (Juliette Binoche) verlor, glaubt nicht an die offizielle Version und stellt Nachforschungen an.

Zum Mittelpunkt der Erde

Zum Mittelpunkt der Erde

15 Jahre später reist sein Sohn Ford (Aron Taylor-Johnson), ein Bombenspezialist der US-Army, seinem Vater nach und muss feststellen dass dieser Recht hatte.
Denn hinter dem Reaktorunglück steckt ein riesiges Monster, welches von den Wissenschaftlern jahrelang in Zaum gehalten wurde.
Doch nun scheint das Urviech sich befreien zu können…

Trivia:
Nachdem man 2004 „Godzilla: Final Wars“ herausbrachte, entschied sich „Toho Company“, die japanische Monsterschmiede, die Franchise nach 50 Jahren einzustellen.
Doch 2009 verkündete „Legendary Pictures“ dass man die Rechte an einem Reboot aufgekauft habe, und damit zum zweiten Mal nach 1998 eine US-Adaption des Stoffes generieren werde.
Gemeinsam mit „Warner Bros.“ wurde der Film produziert, und stellte damit die 40te und bislang letzte Kooperation zwischen den beiden Produktionsfirmen, dar.

Bryan Cranston und Regisseur Gareth Edwards  (v.l.n.r.)

Bryan Cranston und Regisseur Gareth Edwards (v.l.n.r.)

David Callaham („The Expendables“) verfasste ein erstes Drehbuch,
David S. Goyer („The Dark Knight“) und Frank Darabont („The Green Mile“) schrieben es später jedoch mehrfach um, ehe Max Borenstein  („Swordswallowers And Thin Men“) es vollendete.
Guillermo del Toro war kurzzeitig im Gespräch für den Regieposten, widmete sich jedoch seinem eigenen Kaiju-Film, „Pacific Rim“, sodass schliesslich der britische Regisseur Gareth Edwards („Monsters“) „erben“ konnte.

Für den Leader-Part war  Joseph Gordon-Levitt vorgesehen, gecastet wurde schliesslich jedoch der Brite Aaron Taylor-Johnson („Kick-Ass“).
Bryan Cranston („Argo“) spielte seinen Vater Joe, die französische Oscarpreisträgerin Juliette Binoche („The English Patient“) seine Mutter und Elizabeth Olsen („Oldboy“) schliesslich, seine Ehefrau, Ellen.

Der Japaner Ken Watanabe („Inception“) verkörperte den Wissenschaftler Dr. Ishiro Serizawa, der bereits im Original von 1954 vorkam, die Britin Sally Hawkins („Blue Jasmin“) gab seine Kollegin Dr. Vivienne Graham.
Akira Takarada, der die Rolle des Dr. Serizawa im Original-Godzilla-Film verkörperte, hatte eine kleine Cameo-Rolle inne, die allerdings im Endcut der Schere zum Opfer fiel.

Während Seamus McGarvey („Anna Karenina“) die Kamera führte, und Stephen Sommer’s Cutter, Bob Ducsay („The Mummy“), den Film schnitt, schrieb der französische Komponist Alexandre Desplat („The King’s Speech“) den Soundtrack.
Gedreht wurde zum grössten Teil um das kanadische Vancouver herum, aber auch auf Honolulu, Hawaii.

Prooduktionsdesigner war Owen Paterson („The Matrix“) langjähriger Partner der Wachowsky-Geschwister, die visuellen Effekte entstanden unter Ägide des Oscarpreisträgers Jim Rygiel („The Lord Of The Rings – The Fellowship Of The Ring“), und Andy Serkins („King Kong“ (2005)) schliesslich, half mittels Motion Capture bei der anatomischen Figurenentwicklung Godzillas.

Fazit:
Die alten Kaiju-Schinken, die früher noch im sonntäglichen Free-TV-Programm liefen, haben meine Kindheit nicht unwesentlich geprägt.
Doch dass es nur ein Original geben kann, bewies bereits die eher maue 1998er Version von Roland Emmerich.
Daher war ich sehr gespannt, was mich denn nun beim neuesten Kampf des nuklearen Riesendinos, welcher ja pünktlich zum 30 Jahr- Jubiläum anläuft, erwarten würde.
Im Hinterkopf schwirrte mir zudem Guillermo Del Torro’s letztjähriger „Pacific Rim“, die bildstarke Verbeugung vor dem Kaiju-Genre als Messlatte herum.

Erfreulicherweise gelingt Regisseur Gareth Edwards der Brückenschlag zu den japanischen Originalfilmen recht gut, und man nimmt offen Bezug zum 1954er Klassiker.
Die Story ist gut aufgebaut, die Spannung steigt zunehmend – so geht es fast eine Stunde bis man die Titelfigur erstmals in voller Grösse zu Gesicht kriegt – und macht den alten Krachern alle Ehre.

Gegen Filmende hin jedoch, entwickelt sich der Streifen leider zunehmend zu einem typischen, vom US-Militär gesponserten, Kriegsfilm, indem die Marines alles klarmachen.
Figuren wie der Wissenschaftler Serizawa, der noch 1954 eine tragende Rolle gespielt hatte, rücken dadurch leider ins zweite Glied.

Doch ohnehin geht es in diesem Film weniger um die Schicksale der (menschlichen) Figuren, sondern viel mehr um den Kampf der  Kreaturen.
Um den Endkämpfen dennoch etwas Relevanz abzugewinnen, baut man dafür  immer mal wieder Kinder in den Plot ein; denn hat schon bereits Spielberg bewiesen, dass sich Katastrophenfilme („Jurassic Park“, „War Of The Worlds“) am besten durch die Augen von Kinder gesehen, verkaufen lassen.

Doch gerade bei den Figuren, beziehungsweise deren Design gibt der Film Punkte ab.
Steht der Look des „neuen“ Godzillas in der Toho-Tradition, und stelllt einen interessanten Reboot dar, so wirken die M.U.T.O s absolut uninspiriert und erinnern optisch irgendwie an eine Mischung aus dem „Cloverfield“-Monster und den „Starship Troopers“- Arachnids.
Da hätte mir persönlich die verwendung eines „klassischen“ Toho-Monsters, z.B Mothra besser gefallen.
Einzig beim Sounddesign, das wirklich für Hühnerhaut sorgt, können die Viecher so richtig punkten.

Schauspielerisch kreiert Edwards keinen allzu grossen Wurf, auch wenn er auf die Unterstützung klangvoller Namen zurückgreifen darf.
Hauptdarsteller Taylor-Johnson wirkt eher blass in seiner Rolle und Elizabeth Olsen’s Rolle hätte man ungeniert streichen können – es wäre kaum aufgefallen.
Merklich überzeugender wirken hingegen Bryan Cranston und Ken Watanabe, wenngleich auch keiner dieser zwei der hohen Schauspielkunst frönt.

Zu erwähnen sei unbedingt noch Alexandre Desplat’s wuchtiger Soundtrack.
Der Franzose stellt damit klar, dass er sich auch in ganz grossen Kisten wohlfühlt, und für den richtigen Klangteppich sorgen kann.

Der neuste Ausflug von „Godzilla“ kann mit seiner Nähe zu den Originalfilmen, allen voran der 1954er Version, aber auch der interessant gestrikten Story punkten.
Weniger gelungen sind dafür die Figuren; die menschlichen (zu blass), aber auch die animalischen (schwaches Design).
Gerade bei Letzteren gefielen mir die künstlerischen Ergüsse eines Guillermo del Torros in „Pacific Rim“ um Längen besser.

Dennoch weiss dieser „Godzilla“ zu überzeugen; mit der bereits erwähnten Story, der wuchtigen Action, aber auch dem imposanten Score.

4 von 5 nuklear verseuchten Riesenechsen.

4

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2 Antworten zu Godzilla (2014)

  1. donpozuelo schreibt:

    Mir ging’s bei diesem Film ehrlich gesagt ein bisschen zu wenig um den Kampf der Monster und viel zu viel um die menschlichen Charaktere, die ich – bis auf Cranston – als ziemlich flach und ersetzbar fand. Da hat mich der Film dann doch extrem gelangweilt. Vernünftige Monster-Action kam für mich erst im letzten Kampf auf… das war super. Zwischendurch jedoch hat mich der Film nie so richtig fesseln können.

    • Mr. Nick schreibt:

      Fandest du?
      Meines Erachtens hat man gerade die menschlichen Einzelschicksale aufs wesentliche zurückgeschraubt, um dem Kampf der Giganten seinen vollen Lauf zu lassen.
      Daher wirken die meisten Charaktere – da stimme ich dir 100% zu – flach und uninspirierend (Ausnahmen stellen Cranston und Watanabe dar).
      Ich fand die Monster-Storyline mit ihrer Steigerung der bis hin zum Endkampf gut aufgebaut und daher recht spannend.

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