Louis de Funès – der liebenswerte Choleriker

Louis de Funès - der liebenswerte CholerikerEnde Monat jährt sich der Geburtstag eines der grössten französischen Komikers; Louis de Funès zum 100sten mal.
Grund genug für mich, mich eingehend mit dem kleinen, ungestümen Franzosen zu befassen.

Der 31. Juli 1914; der Vorabend (wortwörtlich) des 1.Weltkrieges, der europäischen Urkatastrophe, die unsägliches Leid über Millionen Menschen bringen sollte.
Just an diesem Tag kam im, nahe an Paris gelegenen, Courbevoie, eben jener Mensch zur Welt, welcher seinerseits bald Millionen Menschen zum Lachen bringen sollte; Louis de Funès.

Während auf den Schlachtfeldern von Verdun und an der Somme der Krieg tobte, wuchs der kleine Louis relativ geborgen, in der Obhut seiner spanischstämmigen Eltern auf.
Es zog ihn schon früh zur Kunst, allem voran zur Musik, und er nahm daher bald schon Klavierunterricht.

Als Pianist

Als Pianist

Nach kurzzeitigen Besuchen der „École Technique de Photographie et de Cinéma“ (aus der er aber aufgrund seines schlechten Benehmens flog) anfangs der 30er, und beruflicher Tätigkeit als Dekorationsfachmann, begann er 1941 – bereits verheiratet und Vater eines Sohnes – Schauspielunterricht beim damaligen Schauspielstar René Simon zu nehmen.
Nebenbei trat er in dieser Zeit als Barpianist in verschiedenen Nachtclubs auf.
Bei dieser Gelegenheit lernte er auch seine zweite Frau, die er 1943 ehelichte, kennen; Jeanne Barthélemy de Maupassant, eine Großnichte von Guy de Maupassant.

Mit Ehefrau Jeanne und Sohn Olivier

Mit Ehefrau Jeanne und Sohn Olivier

Ab 1944 spielte de Funès erste kleine Rollen am Theater, und wirkt 1946 auch erstmals in einem Kinofilm mit: „La Tentation de Barbizon“.
Diese Rollen waren allesamt eher kleine Statistenauftritte, und de Funès selbst meinte später einmal dazu: „Ich habe bloss Türen geöffnet und geschlossen“.
In dieser Zeit arbeitete er unter anderen mit Louis Jouvet, Jeanne Moreau und dem, zu dieser Zeit, grössten Komiker Frankreichs; Fernandel, zusammen.

1956 gab er seine erste grössere Kinorolle in „La traversée de Paris“ an der Seite von Jean Gabin und dem Komiker Bourvil, und ab 1959 verkörperte er im Theaterstück „Oscar“ von Claude Magnier die Titelrolle.
Der Part des cholerischen Fabrikdirektors, den er in dem Stück verkörperte, machte
de Funès über Nacht berühmt, und schon bald folgten die ersten Kino-Hauptrollen, unter anderem in Filmen wie „Pouic-Pouic“ oder „Les Veinards“, die vielfach auf Theaterstücken basieren.

In "Fantômas", 1964

In „Fantômas“, 1964

1964 gelang ihm mit zwei Filmen, in denen er jewils als Flic auftrat, der Durchbruch.
Während er als Inspectur Juve in „Fantômas“ von André Hunebelle, zunächst nur als Nebendarsteller nebst Jean Marais gecastet wurde, sich allerdings in den beiden Fortsetzungen zum heimlichen Star der Filme mauserte, war „Le gendarme de Saint-Tropez“, in welchem erden übereifrigen Gendarmen Cruchot gab, ganz klar auf ihn zugeschnitten.
Regie führte hier Jean Girault, der bald zum Stammregisseur Louis de Funès avancieren sollte, und auch bei den fünf Fortsetzungen, die im Laufe der Jahre entstehen sollten, federführend war.

1964 in "Le gendarme de Saint Tropez"

1964 in „Le gendarme de Saint Tropez“

In der Franko-Italienischen Koproduktion „Le corniaud“ von 1965 spielte er erneut an der Seite des Komikers Bourvil, und erstmals unter Regie seines langjährigen Freundes, Gérard Oury.
Im Folgejahr wiederholte das Trio seine Zusammenarbeit, und brachte die Kriegskomödie „La grande vadrouille“ in die Kinos; es sollte der finanziell erfolgreichste Film de Funès, und langjähriger Spitzenreiter der französischen Kinocharts werden.

Mit Regisseur Jean Girault

Mit Regisseur Jean Girault

In den 60ern konnte de Funès seinen Ruf als populärster Komiker Frankreichs kontinuierlich ausbauen, auch europaweit, so beispielsweise in Deutschland, wo er bis heute eine grosse Fangemeinde besitzt.
In dieser Zeit entstanden Filme wie „Le grand restaurant“ in dem er einen cholerischen Restaurantbesitzer spielte, die Filmadaption seines Bühnenerfolges „Oscar“, „Le tatoué“ in dem er erneut an der Seite Jean Gabin’s auftrat, sowie „Hibernatus“ und „L’homme orchestre“ in denen jeweils auch sein Sohn Olivier de Funès mitspielte.

Anfangs der 70er spielte er unter anderem in der Krimikomödie „Jo“, einer Adaption des, bereits mehrfach verfilmten, Bühnenstück „The Gazebo“, in der historischen Klamottenzotte „La folie des grandeurs“ an der Seite des aufstrebenden Yves Montand, und im unvergesslichen „Les aventures de Rabbi Jacob“ in dem er einen falschen Rabbiner gab.

Als Rabbi Jacob, 1973

Als Rabbi Jacob, 1973

Nachdem er 1974 einen Herzinfarkt erlitten hatte, zog er sich vorerst vom Filmgeschäft zurück.
In dieser Zeit widmete er sich im Garten seines herrschaftlichen Landsitzes, dem Château de Clermont im westfranzösischen Le Cellier, seinem grössten Hobbby, dem Rosenzüchten.
Nebenbei nahm er einige Hörspiele auf Schallplatte auf, so unter anderem ein Hörbuch zu Walt Disney’s „The Aristocats“.

Louis, der Rosenzüchter

Louis, der Rosenzüchter

1976 gelang Regisseur Claude Zidi, das Kunstück, ihn auf die Leinwand zurückzuholen, und zwar in „L’aile ou la cuisse“, in dem er an der Seite des Komiker Coluche‚ einen Restaurantkritiker gab.
Unter der Ägide Zidi’s drehte er 1978 auch „La zizanie“.

In "L'aile au cuissse", 1976

In „L’aile au cuissse“, 1976

1980 führte de Funès bei der Verfilmung von „L’avare“ nach dem gleichnamigen Bühnenstück seines Lieblingsautoren Moliéres, erstmals selber (Co-)Regie.
Im selben Jahr erhielt er auch die höchste französische Kinotrophäe, den César, für sein Lebenswerk.

Seine Letzten beiden Filme, „La Soup aux Choux“, indem er es mit einem Ausserirdischen zu tun kriegt, aber auch „Le gendarme et les gendarmettes“ der sechste und letzte Teil der „Gendarme“-Reihe entstanden erneut unter Jean Girault.
Ironischerweise spielte de Funès in seiner letzten Rolle, just jenen Part, mit dem ihm fast zwei Jahrzehnte früher der Durchbruch gelang.

1980 in "La soup aux choux" an der Seite von Jean Carmet

1980 in „La soup aux choux“ an der Seite von Jean Carmet

Louis de Funès starb am 27. Januar 1983 an den Folgen eines Herzinfarktes.
Dennoch ist seine Popularität bis heute ungebrochen, und dies weit über die Grenzen Frankreichs hinaus.
Erstaunlich eigentlich, wenn man bedenkt dass der 1,64 grosse Franzose hauptsächlich unhaltbare Choleriker, griesgrämige Miesepeter und mehrheitlich bösartige Zeitgenossen verkörperte.
Doch de Funès gelang es, diese Rollen zu perfektionieren und mit einer unerreichten Mimik und erstklassigem Körperspiel eine ganz eigene Klasse der Komik zu schaffen.

In den nächsten Wochen werde ich hier, im Rahmen eines Specials, einige der (für mich) besten und bekanntesten Louis de Funès-Filme vorstellen, und hoffe, den liebenswerten Choleriker dadurch dem einen oder anderen Besucher dieses Blogs etwas näher bringen zu können.

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