Oscar

OSCAR bMit der Hauptrolle im Theaterstück „Oscar“ wurde Louis de Funès 1959 in Frankreich quasi über Nacht zum Star.
In insgesamt mehr als 600 Vorstellungen, perfektionierte er über die Jahre die Rolle des cholerischen und hinterlistigen Industriellen Barnier.
1967 folgte dann die, sehnlichst erwartete, Kinoadaption des Stückes, die ebenfalls zum Kassenschlager wurde.

Uraufführung: 11.10.1967
Regie: Édouard Molinaro
Darsteller: Louis de Funès, Claude Rich, Claude Gensac, Roger Van Hool, u.a…

Story:
Unternehmer Bertrand Barnier (Louis de Funès) staunt nicht schlecht, als eines Morgens sein Buchhalter Christian Martin (Claude Rich) vor der Tür steht, eine saftige Gehaltserhöhung fordert, und um die Hand seiner Tochter Colette (Agathe Natanson) anhält.
Daneben gibt er zu, Barnier über Jahre um mehrere Millionen betrogen zu haben, gleichzeitig aber auch von dessen illegalen Steuerhinterziehungen zu wissen.

"I'll make him an offer he can't refuse."

„I’ll make him an offer he can’t refuse.“

Eine unangenehme Situation für den Industriellen, erst recht als Colette ihm gesteht eigentlich den Chauffeur Oscar (Roger Van Hool) von dem sie erst noch ein Kind erwartet, zu lieben.
Dumm nur dass Barnier diesem erst wenige Wochen zuvor gekündigt hat, und er nun unauffindbar ist…

Where is Walo Oscar

Where is Walo Oscar

Trivia:
Bereits bei seiner Uraufführung 1958 bekam das Theaterstück „Oscar“ positive Kritiken; ein durchschlagender Erfolg wurde es erst als 1961 Louis de Funès („Le Gendarme de Saint-Tropez“) die Hauptrolle des Unternehmers Barnier übernahm.
Bald schon kündigte man eine Verfilmung des Stoffes an; es sollte jedoch über fünf Jahre dauern, ehe man in Édouard Molinaro („La Cage aux folles“) den passenden Regisseur gefunden hatte.

Regisseur Edouard Molinaro

Regisseur Edouard Molinaro

Gemeinsam mit Jean Halain („Fantômas“) und de Funès, der das Stück zu diesem Zeitpunkt bereits über 400 Mal gespielt hatte, wurde es für die Leinwand adaptiert.
Die Dreharbeiten, die 1967 stattfanden, wurden zum grössten Teil in der von Le Corbusier erbauten Villa Stein durchgeführt.
Der Russe Georges Wakewitch („La tragédie de Carmen“) war dabei für das Set-Design verantwortlich.Nebst Louis de Funès selbst in seiner Paraderolle als Bertrand Barnier, traten mit Mario David („Les Grandes Vacances“) als Masseur Philippe Dubois, Germaine Delbat („La Traversée de Paris“), und Dominique Page („Les Tricheurs“) als Hausmädchen Bernadette, weitere Darsteller aus der Original-Theaterbesetzung auf.

Claude Rich („Astérix & Obélix: Mission Cléopâtre“) spielte Christian Martin, Claude Gensac, die hier zum zweiten Mal nach „Les Grandes Vacances“ an de Funès Seite auftratt spielte dessen Ehefrau – es sollte bald ihre Paraderolle werden.
Auch Paul Préboist („Le Grand Restaurant“) der den Butler Charles gab, sollte noch in weiteren Filmen des Hauptdarstellers zu sehen sein.

Agathe Natanson („The Da Vinci Code“) wurde von de Funès höchspersönlich für die Rolle der Tochter Colette gecastet, und der Belgier Roger Van Hool („Tanguy“) schliesslich, verkörperte den titelgebenden Oscar.

Die Musik schrieben Jean Marion („Le Grand Restaurant“) und François Truffaut’s Lieblingskomponist, Georges Delerue („Tirez sur le pianiste“), Raymond Lemoigne („Fantômas se déchaîne“) führte die Kamera und Robert und Monique Isnardon („L’Aile ou la Cuisse“) den Schnitt.

„Oscar“ war auch als Film ein Grosserfolg (am Theater spielte de Funès das Stück noch bis 1972) und brachte es 1991 gar auf ein gleichnamiges US-Remake mit Sylvester Stallone in der Hauptrolle.

Fazit:
Wenig Darsteller, nur ein einziges Set und das Ganze in Echtzeit; Nein, „Oscar“ kann seine Theater-Herkunft nicht verleugnen.
Auch bleibt der Film, rein vom technischen Standpunkt her, in seiner Machart eher simpel, fokusiert sich stattdessen lieber voll und ganz auf die Handlung.
Diese wurde insgesamt relativ unverändert von der Theaterbühne direkt in den Film übertragen.

Inhaltlich fordert einem der Film nicht allzu sehr, allerdings steht der Film in bester Vaudeville-Tradition, und kann gerade dadurch; sowie die ideenreichen, rasanten, Irrungen und Wirrungen punkten.
Punkten kann „Oscar“ allerdings auch dank seinem Hauptdarsteller, welcher hier den Part seines Lebens gibt.
De Funès schnaubt, schreit, schlägt; und wenn er zum Schluss vollends die Nerven verliert, schauspielerisch dabei zu Höchstformen aufläuft, so gehört das zum Besten was man in seinen Filmen geboten kriegt, und man Versteht weshalb er in einem Atemzug mit Komikgrössen wie Chaplin und Keaton genannt wird.
Man kann sagen, was Louis de Funès hier abliefert ist nicht weniger als die Quintessenz seines Schaffens.

Es ist ganz klar der Verdienst von Regisseur Molinaro, der bei der Darstellerwahl ein gekonntes Händchen bewies (wie auch in späteren Filmen) das de Funès Kollegen nebst ihm nicht vollends untergehen.
So kann Claude Rich als ebenso spitzbübischer wie charmanter Jüngling überzeugen, Claude Gensac bietet einen spannenden Gegenpol zum Film-Gatten de Funès und Mario David gibt den leicht beschränkten Masseur auf herrliche Art und Weise.

Nebst den Schauspielerischen Leistungen, kann – so verückt das klingen mag – gerade das Design des Filmes punkten.
Denn Art Director Wakewitch bringt, trotz nur einer einzigen Bühne, ein absolut moderner und ansprechenden Look, ganz im Stil moderner Architektur à la Le Corbusier in den Film.

„Oscar“ ist ein auf die Leinwand gebanntes Theater, dass dies kaum zu bestreiten vermag.
Doch trotz Spiel-Atmosphäre und Schwank-Handlung, überzeugt der Film – aufgrund der Leistungen seines unvergleichlichen Hauptdarstellers

4 von 5 Geldkoffern

4

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