Sur un arbre perché

SUR UN ARBRE PERCHELouis de Funès bekannte stets, ein grosser Bewunderer des Allzeit-Komikers Charles Chaplin zu sein.
1971 sollten die Kinozuschauer in Serge Korber’s „Sur un arbre perché“ endlich Gelegenheit haben de Funès gemeinsam mit Chaplin in einem Film zu sehen.
Allerdings handelte es sich hierbei nicht um den „Tramp“ Charlie, sondern dessen Tochter Géraldine.
Mit dabei war auch de Funès‘ Nachwuchs; Sohn Olivier in seiner letzten Filmrolle.

Uraufführung: 14.4.1971
Regie: Serge Korber
Darsteller: Louis de Funès, Géraldine Chaplin, Olivier de Funès, Paul Préboist, u.a…

Story:
Der reiche Unternehmer Henri Roubier (Louis de Funès) ist in grösster Eile unterwegs zu eienem Geschäftstreffen, als ein junger Autostopper (Olivier de Funès) und die gutaussehende Madame Müller (Géraldine Chaplin) seinen Wagen anhalten und ungefragt zusteigen.
Die beiden bringen ihn so stark in Rage, dass er in einer Steilkurve die Kontrolle über das Auto verliert, und geradeaus über die Klippen fährt.

Drei im Jeep

Drei im Jeep

Glücklicherweise fängt die Baumkrone einer Pinie das Auto mitsamt seinen Insassen auf.
Allerdings begint für diese nun eine wahre Tortur.
Denn meterhoch über dem Abgrund thronend, auf Hilfe wartend, verbringen die drei nun bange Tage.
Die kleinste Bewegung könnte zudem das Ende bedeuten.

Les visiteurs...

Les visiteurs…

Trivia:
Unter dem Titel „L’Accident“ plante Regisseur Serge Korber Anfangs der 70er ein Drama über eine, in einem Auto eingeschlossene, Gruppe.
Bereits sah er die Kinostars Yves Montand und Annie Girardot für die Hauptrollen vor, da kam Komiker Louis de Funès („Oscar“) das von Pierre Roustang („La millième fenêtre“) verfasste Drehbuch und erkannte dessen komisches Potential.

So kam es, dass de Funès Stammautor Jean Halain („L’Homme orchestre“) auf Zusagen Korber’s das Script komplett überarbeitete, und die Hauptrollen nun an de Funès ging.
An seiner Seite spielte sein Sohn Olivier („L’Homme orchestre“) den namenlosen Anhalter.
Es war sein letzter Spielfilm; er wurde später Pilot bei AirFrance.

Die weibliche Hauptrolle sollte zunächst an Shirley MacLaine gehen, aufgrund terminlicher Unstimmigkeiten kam schlussendlich aber die Amerikanerin Géraldine Chaplin („Doctor Zhivago“), Tochter des, von Funès hochverehrten, Charlie Chaplin‘, zum Zuge.

Paul Préboist der in diversen Louis de Funès-Filmen auftrat so zum Beispiel in „La grande Restaurant“, spielte einen Reporter und Alice Sapritch („La Folie des grandeurs“) Roubier’s Gattin.
Der spätere französische Komikstar Pierre Richard („Le Grand Blond avec une chaussure noire“) trat hier in einer winzigen Statistenrolle auf.

Gedreht wurde, spektakulär, an der Mittelmeerküste im südfranzösischen Cassis, wo ein echtes Auto auf eine Pinie am  Steilhang montiert wurde.
Für die Dreharbeiten musste daher nebst Helikoptern auch auf die Hilfe von professionellen Bergsteigern zurückgegriffen werden.
Die meisten Nahaufnahmen und Szenen mit den Schauspielern entstanden jedoch in den Studios Boulogne.
Edmond Séchan („Le Gendarme à New York“) führte die Kamera, Serge Korbers Ehefrau Marie-Claire („Un idiot à Paris“) schnitt den Film und Alain Goraguer („Amour de poche“) schrieb die Filmmusik.

Louis de Funès und Regisseur Serge Korber (v.l.n.r.)

Louis de Funès und Regisseur Serge Korber (v.l.n.r.)

Fazit:
Ein Haufen wildfremde Menschen in ein Vehikel gesperrt – was Hitchcock bereits in „Lifeboat“ als Plotline nutzte, und Grundlage so manchen Katastrophenfilmes ist („The Poseidon Adventure“, „Speed“…) nutzt Serge Korber hier für eine Komödie.

Diese Idee ist gewagt, und alleine schon hierfür verdient Korber Respekt.
Noch mutiger ist es, wenn man einen Darsteller wie Louis de Funès, der die körperliche Spielfreiheit braucht, dadurch zwingt, sein Spiel auf das Essentielle zu reduzieren.
Dies gelingt Korber als Regisseur und de Funès als Darsteller hervorragend und Letzterer beweist, das er auch aus einem Minimum das Maximum herausholen kann.

Allerdings macht ein de Funès noch keinen guten Film, und wieder einmal sind es die Nebendarsteller die patzen.
Olivier de Funès gibt sich alle  Mühe, kann schauspielerische Unerfahrenheit jedoch nicht kaschieren und verblasst neben seinem Vater gänzlich.
Noch enttäuschender ist Géraldine Chaplin, der man, wäre die Rolle nicht so klein, völlig deplaziertes Overacting ankreiden könnte.
Die Rolle scheint unpassend zu den sonst eher dramatischen Parts der Actrisse, und sie kommt damit schlecht zurecht.

Dass die Handlung des Filmes alles andere als weitschweifend ist, liegt ob der simplen Ausgangslage auf der Hand; dennoch schaffen es die Drehbuchautoren die eine oder andere interessante Wendung und witzige Idee in der Story unterzubringen.
Insgesammt gelingt es jedoch nicht über die Grundidee hinauszukommen und so wirkt der Film stellenweise etwas langeweilig.
Daran ändert auch der Schluss nichts, mit dem man wohl noch etwas Bewegung ins Spiel bringen wollte, der jedoch viel zu stark ins Absurde abdriftet.

Handwerklich kann man dem Film nichts vorwerfen, und gerade in Sachen Kameraarbeit überrascht er direkt.
So gelingt es Edmond Séchan wunderbare Shots der Mittelmeerküste einzufangen.

„Sur un arbre perché“ der versucht eine, eigentlich mehr einem Thriller oder Katastrophenfilm gerecht werdende, Ausgangssituation ins komische zu übertragen, scheitert letztendlich am Unvermögen dabei auch Spannung zu generieren, und – wie so viele Louis de Funès-Filme – am schwachen Cast.
Der Hauptdarsteller selber beweist indess, dass er auch auf kleinstem Raum zu grossen Darstellerischen Leistungen fähig ist.

3 von 5 Autostoppern

3

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