Jo

JO„Jo“ von 1971 ist die zweite Verfilmung des Comedy-Theaterstückes „The Gazebo“, in welchem eine Leiche zum Verschwinden gebracht werden muss.
Louis de Funès der in diesem Film die Hauptrolle spielt, agiert ein weiteres Mal unter Ägide seines guten Freundes Jean Girault’s, dem Regisseur der „Gendarme“-Filme.
Auch Claude Gensac und Michel Galabru aus eben derselbigen Filmreihe spielten in dieser Kriminalkomödie mit.
Der Film wurde zu einem beträchtlichen Erfolg und zählt unter Fans zu den beliebteren de Funès-Filmen.

Uraufführung: 1.9.1971
Regie: Jean Girault
Darsteller: Louis de Funès, Bernard Blier, Claude Gensac, Michel Galabru, u.a…

Story:
Der renommierte Drehbuchautor Antoine Brisebard (Louis de Funès) wird seit längerem von einem gewissen „Jo“ erpresst.
Daher beschliesst er eines Abends, den Unbekannten zu sich einzuladen und ihn anschliessend zu erschiessen.
Das Vorhaben gelingt, doch wohin nun mit der Leiche?

"Non!" "Si!" "Oh!"

„Non!“ „Si!“ „Oh!“

Da kommt der Gartenpavillion, die seine Ehefrau Sylvie (Claude Gensac) errichten will, gerade recht.
So wird der Tote kurzerhand in der, dafür ausgehobenen, Fundamensgrube verscharrt.
Allerdings steht schon bald die Polizei in Form des Inspektor Ducros (Bernard Blier) bei Brisebard im Wohnzimmer und stellt äusserst unangenehme Fragen…

Die dummen Gesichter der Reichen

Die dummen Gesichter der Reichen

Trivia:
1964 adaptierte der französische Theaterautor Claude Magnier das Stück „The Gazebo“ des Australiers Alec Coppel („Vertigo“).
Er schlug Louis de Funès, der mit dem von Magnier geschriebenen Stück „Oscar“ der Durchbruch gelang, die Hauptrolle vor, dieser war jedoch mit den Dreharbeiten zu „Le Gendarme de Saint-Tropez“ und „Fantômas“ vollends ausgelastet.

Sechs Jahre später klopfte de Funès seinerseits, bei Magnier an und unterbreitete ihm die Idee den Stoff für einen Film zu benutzen; schliesslich wurde bereits das englischsprachige Originaltheater verfilmt; 1959 mit Glenn Ford in der Hauptrolle.

Magnier war begeistert, und de Funès schlug gleich einen passenden Regisseur vor; Jean Girault, mit dem er bereits „Le Gendarme de Saint-Tropez“ und dessen Fortsetzungen gedreht hatte.
Nebst Louis de Funès in der Hauptrolle traten daher auch zahlreiche Stammdarsteller aus den „Gendarme“-Filmen auf.
So gab Claude Gensac ein weiteres Mal de Funès Gattin, und Michel Galabru den Landschaftsgärtner Tonelotti.

Bernard Blier spielte wie schon in „Le Grand Restaurant“ den Polizei-Inspektor,
Guy Tréjan („Pouic-Pouic“) den Rechtsanwalt Colas und der international renomierte Jacques Marin („Charade“) einen Hilfspolizisten.
Als Gendarmen traten auch Paul Préboist („Le Grand Restaurant“) und sein Bruder Jacques Préboist („Love In The Afternoon“) auf.

Die Dreharbeiten fanden komplett in den Franstudios in Saint-Maurice, nahe Paris, statt.
Henri Decaë der mit de Funès bereits „Le Corniaud“ drehte, wirkte als Kameramann, der spätere mehrfach Caesar-prämierte Armand Psenny („Un dimanche à la campagne“) schnitt den Film.
Für die Filmmusik zeichnete sich Raymond Lefèvre, der Komponist der „Gendarme“-Reihe, verantwortlich.

Michel Galabru, Louis de Funès und Bernard Blier mit Regisseur Jean Girault (v.l.n.r.)

Michel Galabru, Louis de Funès und Bernard Blier mit Regisseur Jean Girault (v.l.n.r.)

Fazit:
Nachdem er Anfangs der 70er mit den beiden Filmen unter Serge Korber „L’Hommme orchestre“ und „Sur un arbre perché“ sich ein Stück weit von seinen Paraderollen entfernt hatte, und damit nur mässigen Erfolg generieren konnte, war eine Rückkehr zu Jean Girault nur eine logische Folge.
Um sicher zu gehen, wählte man ein Theaterstück – war man doch damit bereits mit der Verfilmung von „Oscar“ richtig gelegen.

Ja und auch „Jo“ funktioniert bestens, und lässt nichts anbrennen.
Klar, die Handlung ist eher simpel, und lebt von viel Situationskomik und Running Gags; doch gerade dies vermag Girault in ebenso rasantem und wohldosiertem Tempo zu inszenieren.
Und klar, seine Herkunft kann der Film, der sich ungeniert in der Kiste des Vaudeville-Theaters bedient, nicht leugnen, und auch strahlt das Werk ungemein stark eine Studioatmosphäre aus; störend wirkt das nie.

Im Gegenteil, so richtet sich das Augenmerk stärker auf Louis de Funès, der hier mal wieder eine schauspielerische Tour de Force aufs Parkett legt, springt, schreit, fuchtelt und Grimassen schreit, und der von Fettnäpfchen zu Fettnäpfchen stolpert, immer bloss eine Haaresbreite vor der Polizei.
Dieese wird in Bernard Blier der den Polizei-Inspektor gibt, grossartig verkörpert.
Denn Blier gibt hier, stärker noch als in „Le Grand Restaurant“ das gesetzhüterische Gegenstück zu de Funès, und er spielt den knochentrockenen, humorlosen Ermittler schlicht grossartig.
Alleine schon der „Non!“-„Si!“-„Oh!“ Dialog ist Comedy vom Allerfeinsten und zu Recht in die Kinoannalen eingegangen.

Nebst dem Duo Blier-de Funès kann ein weiteres Mal Claude Gensac punkten, die erneut die, aristokratisch – damenhaft wirkende Ehegattin und den Ruhepol des Filmes darstellt.
Michel Galabru schliesslich gefällt als ebenso übereifriger wie trotteliger Gartenbaumeister.

Technisch kann der Film angesichts der, den Eigenheiten eines Theaterstücks geschuldeten „Befangenheit“, nicht gerade brillieren, handwerklich solide ist er allemal.
Herauszustechen vermag nur der jazzige, funky Soundtrack Lefèvre’s.

In „Jo“ kann Louis de Funès erneut in Theateratmosphäre agieren; und er schöpft dabei aus dem Vollen.
Hilfreich ist dabei auch ganz klar Bernard Blier, der ihm in dieser, zwar simplen, aber rasant und witzreich inszenierten Krimikomödie Paroli bietet.

4 von 5 höhenverstellbaren Sofas

4

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