La Folie des grandeurs

La-Folie-des-grandeurs-1971Nach den Grosserfolgen die „Le Corniaud“ und „La Grande Vadrouille“ erzielten, wollte Regisseur Gérard Oury Ende der 60er-Jahre erneut einen Film mit seinen guten Freunden, den Komikern Louis de Funès und André Bourvil drehen.
Als Stoff dazu sollte eine Comedy-Variante des Victor Hugo– Historiendramas
„Ruy Blas“ herhalten, und sowohl de Funès wie Bourvil sagten ihre Mitarbeit an dem Film zu.
Doch dann kam alles anders…

Uraufführung: 8.12.1971
Regie: Gérard Oury
Darsteller: Louis de Funès, Yves Montand, Karin Schubert, Alice Sapritch, u.a…

Story:
Spanien im 17. Jahrhundert.
Der Edelmannn Don Salluste (Louis de Funès), der geldgierige Steuereintreiber des Königs, fällt wegen einer Affäre mit einer Zofe, bei der Königin (Karin Schubert) in Ungnade.
Als Folge muss er sämtliche Titel und sein gesamtes Vermögen abgeben.

Die Grandeurs...

Die Grandeurs…

Doch Salluste hekt bereits einen Plan aus, Titel und Vermögen zurückzugewinnen.
Er möchte der Königin ihrerseits eine Affäre andichten, um anschliessend als Entdecker derselbigen dahzustehen.
Allerdings braucht er dazu einen Verführer; und da er seinen Neffe Don Cesar (Gabriele Tinti) eben erst in die Sklaverei verbannt hat, bleibt nur sein Diener Blaze (Yves Montand), der sich nun fortan als Adeliger ausgeben muss.

Durch die Blume Hecke

Durch die Blume Hecke

Trivia:
1960 führte das renomierte Pariser Theater, die Comédie-Française das Stück „Ruy Blas“ nach Victor Hugo auf.
In der Rolle des intriganten Don Salluste war Gérard Oury zu sehen.
1969 – Oury war mittlerweile ein angesehener Komödienregisseur, der mit dem Duo Louis de Funès – Bourvil die beiden Kino-Grosserfolge „Le Corniaud“ und „La Grande Vadrouille“ lancieren konnte – dachte er über eine Comedy-Adaption des Stoffes nach.
Gemeinsam mit seiner Tochter Danièle Thompson und Marcel Jullian, mit denen er schon „La Grande Vadrouille“ schrieb, verfasste er unter dem Titel „Les sombres héros“ ein Drehbuch.

Louis de Funès, Gérard Oury und Yves Montand

Louis de Funès, Gérard Oury und Yves Montand

Die Titellrollen des Don Salluste und dessen Dieners Blaze, sollten an Louis de Funès Bourvil gehen, die sofort zusagten.
Der Drehbeginn wird auf 1971 festgelegt.
Doch dann geschah das Unfassbare – Bourvil verstarb am 23. September 1970.
Louis de Funès weigerte sich den Film ohne seinen guten Freund zu drehen; das Projekt war zum Scheitern verurteilt.

Nachdem die deutsch-französisch-spanisch-italienischen Produktionspartner jedoch auf die Realisation des Streifen drängten (selbst Jerry Lewis war kurzzeitig als Ersatz für Bourvil vorgesehen), suchte Oury fieberhaft nach einem neuen Darsteller.
Schliesslich fand er im aufstrebenden Kinostar Yves Montand -welcher zwar eher dem ernsten Fach zuzuordnen war – einen Nachfolger mit dem auch de Funès bereit war, zu drehen.
Montand stand übrigens im letzten Film Bourvil’s, „Le cercle rouge“ gemeinsam mit diesem vor der Kamera.

Die Deutsche Karin Schubert („Vamos a matar, compañeros“) wurde für die Rolle der Spanischen Königin gecastet, der Spanier Alberto de Mendoza („And Then There Were None“) spielte deren Ehemann, König Carlos II, und Alice Sapritch („Sur un arbre perché“) verkörperte die Anstandsdame Doña Juana.

Der Italiener Gabriele Tinti („Le Gendarme de St. Tropez“) gab Salluste’s Neffen, Don Cesar, sein Landsmann Venantino Venantini der mit de Funès bereits in „Le grand restaurant“ spielte gab den Anführer der  Grandes, und Paul Préboist („Oscar“), auch er ein häufiger Partner de Funès, spielte den stummen Informanten.
Es war das letzte filmische Zusammentreffen von de Funès und Préboist..

Gedreht wurde der Film, der mittlerweile in „La Folie des grandeurs“ umbenannt wurde, an Originalschauplätzen in Spanien; unter anderem Barcelona, Madrid und Sevilla, aber auch der Wüste von Almería, in der bereits zahlreiche Italo-Western entstanden.
Innenaufnahmen wurden in den Franstudios in Saint-Maurice gedret.
Der Russe Georges Wakhevitch („Oscar“) fungierte als Setdesigner, Jacques Fonteray („Moonraker“) entwarf die Kostüme und Jean Barthet („Les Couloirs du temps : Les Visiteurs 2“) wirkte als Prücken- und Hutmacher mit.

Henri Decaë („Jo“) bediente die Kamera und Albert Jurgenson („Le Corniaud“) schnitt den Streifen.
Für die Musik ging man besondere Wege, und engagierte den Pop-Musiker Michel Polnareff („Lipstick“), für den es die erste Filmarbeit darstellte.

Yves Montand (r.) nahm zur Vorbereitung Unterricht bei einer Flamenco-Tänzerin

Yves Montand (r.) nahm zur Vorbereitung Unterricht bei einer Flamenco-Tänzerin

Fazit:
Die vierte Zusammenarbeit zwischen Regisseur Oury und Hauptdarsteller de Funès stand ganz im langen Schatten den Bourvil hinterliess, und dem Druck, bedingt durch die beiden „Vorgänger“, „Le Corniaud“ und „La Grande Vadrouille“.

Doch der Film kann dem Druck standhalten, und beweist, dass de Funès und Oury auch alleine zu Grossem fähig sind.
De Funès brilliert ein weiteres Mal in der rolle des Geldgeilen, arroganten und hinterlistigen Aristokraten, und man merkt ihm die Spielfreude förmlich an.
Yves Montand, der hier nun anstelle Bourvil’s den Gegenpart verkörpert, gelingt dies ganz gut.
Vorallem ist ihm anzurechnen, dass er den Part des naiven, gutherzigen Kumpels nicht bloss von Bourvil kopiert, sondern ihm eine eigene weitaus schlitzohrigere und bösartigere Note zufügt.

Während Karin Schubert wohl hauptsächlich als Amuse-Bouche fürs Auge gecastet wurde, und nicht wirklich viel zur darstellerischen Qualität beizutragen hat, blüht Alice Sapritch in der Rolle der lüsternden Anstandsdame vollends auf und sorgt so für den einen oder andern Lacher.

Ohnehin ist der Humor in diesem Film recht dicht gestreut, und urkomische Wendungen und aberwitzige Situationen reichen sich die Hand.
Die Story wird dabei intelligent aufgezogen lässt dabei den Hauptfiguren genügend Platz um sich zu entfalten, bietet aber auch jede Menge handfeste und rasante Action.

Daneben fällt sofort die, handwerklich äusserst sorgfältige Machart des Filmes ins Auge.
Nicht nur die Kameraarbeit – mal wieder erstklassig- nein auch die prächtigen Kostüme, Perücken und die prunkvolle Ausstattung zeugen vom Herzblut, das Oury in dieses Projekt gesteckt hat.

Die Musik ist ein weiteres Element, das unbedingt erwähnt werden sollte.
Denn – vordergründig völlig deplaziert – baut Polnareff in diesen Kostümfilm einen Score ein der mit seinen E-Gitarren-Klängen und blechernden Trompeten eher an die Filmmusik eines Ennio Morricone-Italowestern erinnert, denn einen Historienfilm.
Doch interessanterweise fügt sich der Score perfekt in den Film ein; wohl auch, da die Aufnahmen der Wüste von Almeria, nicht von ungefähr, entfernt an Sergio Leone erinnern.

„La Folie des grandeurs“ gehört zu den ganz grossen Klassikern unter den Louis de Funès-Filmen – wen wunderts, mit Gérard Oury als Regisseur.
Eine witzige, rasante Historienkomödie mit einem de Funès in Höchstform, ergänzt von einem äusserst soliden Yves Montand.
Zudem zeugt der Film handwerklich von grösster Sorgfalt, wiederspiegelt in herrlichen Kostümen, prunkvoller Ausstattung und fundierter Machart.

5 von 5 liebestolllen Papageien

5

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