Les Aventures de Rabbi Jacob

Les Aventures de Rabbi JacobIn „Les Aventures de Rabbi Jacob“ spielt Louis de Funès einen ausgefuchsten Rassisten, der durch allerlei Verstrickungen schliesslich für einen jüdischen Rabbiner gehalten wird.
Der Film war die letzte Zusammmenarbeit de Funès und seines Freundes des Regisseurs Gérard Oury.
In Frankreich wurde er zum grössten Kinoerfolg des Jahres 1973 und war im Folgejahr unter anderem für einen Golden Globe Award nominiert.

Uraufführung: 18.10.1973
Regie: Gérard Oury
Darsteller: Louis de Funès, Claude Giraud, Suzy Delair, Henri Guybet, u.a…

Story:
Der Industrielle Pivert (Louis de Funès) ist ein Rassist aus Überzeugung; Belgier, Schwarze, Juden; Alles was in seinen Augen nicht dem Ideal-Franzosen entspricht, bedeckt er mit Schimpf und Spott.
Als er eines Abends eine Autopanne hat, geht er zu Fuss zum nächsten Gebäude, einer Kaugummifabrik, und wird Zeuge eines Verbrechens.

"If I were a rich man..."

„If I were a rich man…“

Die Geheimpolizei eines Arabischen Landes hat den, nach Frankreich geflohenen Revolutionsführer Slimane (Claude Giraud) gekidnappt und will ihm den Garaus machen.
Allerdings verhindert Pivert dies ungewollt; und schon bald ist er gemeinsam mit Slimane auf der Flucht vor den Häschern.
Als die beiden sich zur Tarnung als orthodoxe Juden verkleiden, wird Pivert prommt für den, aus Amerika angereisten Rabbi Jacob (Marcel Dalio) gehalten…

Le Clan des Arabiens

Le Clan des Arabiens

Trivia:
Ende des Jahres 1972 legte der Regisseur Gérard Oury („La folie des Grandeurs“) Louis de Funès („Oscar“), mit dem er bereits vier Filme gedreht hatte, das von ihm, seiner Tochter Danièle Thompson („La Grande Vadrouille“) und dem Rabbiner Josy Eisenberg verfasste Drehbuch zu „Les Aventures de Rabbi Jacob“ vor.
De Funès sagte sogleich zu, die Titelrolle des Victore Pivert in dem Film zu übernehmen.

Claude Giraud („Angélique, marquise des anges“) wurde als Slimane gecastet, Henri Guybet („Le retour du grand blond“) spielte Salomon, den jüdischen Chauffeur Piverts und Suzy Delair („Rocco e i suoi fratelli“) seine Gattin, Germaine.
Der Italiener Renzo Montagnani („Le Cadeau“) gab den Chef der arabischen Geheimpolizei, Claude Piéplu („Astérix et Obélix contre César“) verkörperte den Kommisar Andréani, und Marcel Dalio („Casablanca“) gab den „echten“ Rabbi Jacob.

Gedreht wurde in Paris und Umgebung, so auch am  Flughafen Paris-Orly und der Kirche des Städtchen Montjavoult; aber auch in New York, wo die Anfangsszene des Filmes realisiert wurde.
Innenaufnahmen entstanden in den Filmstudios von Billancourt.
Während Henri Decaë und Albert Jurgenson wie schon bei „La folie des Grandeurs“ die Kamera- beziehungsweise Schnittarbeit betrauten, schrieb der Erfolgskomponist Vladimir Cosma („Le Grand Blond avec une chaussure noire“) den Score.

„Les Aventures de Rabbi Jacob“ wurde an den Kinokassen ein durchschlagender Erfolg, und mit über 7 Millionen Eintritten allein in Frankreich zum Box Office-Erfolg des Jahres 1973, und 1974 gar für den Golden Globe Award als bester fremdsprachiger Film nominiert.

Gérard Oury und Louis de Funès planten bereits ein weiteren gemeinsamen Film; „Le Crocodil“, der die Geschichte eines Diktators erzählen sollte.
Alllerdings erlitt de Funès 1974 einen Herzinfarkt, drehte bis 1976 keine Filme mehr, und das Projekt blieb Projekt.
Somit war „Les Aventures de Rabbi Jacob“ die letzte Zusammenarbeit zwischen de Funès und Oury.

Louis de Funès und Gérard Oury (v.l.n.r.)

Louis de Funès und Gérard Oury (v.l.n.r.)

Fazit:
Teilt man die Filmkarriere Louis de Funès in verschiedene Epochen, so läutet „Les Aventures de Rabbi Jacob“ die Letzte, gut ein Jahrzehnt und 7 Filme umfassende, Phase ein, die unter anderem Werke wie „L’Aile au la Cuisse“ oder „La Soup aux Choux“ hervorbrachte.
Diese finale Epoche ist geprägt von einer erstaunlich grossen Inhaltstiefe und gewissen Reife, die im Gegensatz zu – nicht minder guten – früheren Werken, wie „Le Gendarme de Saint-Tropez“ oder „Oscar“, steht.

Genau diese inhaltliche Tiefe findet man auch in „Les Aventures de Rabbi Jacob“, der ein klares Plädoyer gegen Rassismus und für Toleranz bietet.
Dabei, und das ist das Grossartige an diesem Film; geht jedoch auch der Humor und das Tempo nicht verloren und beides trifft in der Person de Funès‘ aufeinander.
Er spielt den giftelnden, Galle speienden Rassisten ebenso, wie man es von de Funès erwartet, als kleines, bösartiges Eckelpaket.
Allerdings nimmt mit zunehmender Läuterung der Figur auch die Sympathie, die man ihr entgegenbringt zu; und im Gegensatz zu „Le Corniaud“ etwa, wo man sich heimlich freut wenn der schelmische Louis am Schluss unterliegt, freut man sich hier ehrlich über ein Happy-End zu seinen Gunsten.

Die Nebendarsteller ergänzen de Funès zwar allesamt gut; Claude Giraud als tougher Revoluzzer, Henri Guybet als spitzbübischer Chauffeur, Renzo Montagnani in der Rolle des Gangsters und Claude Piéplu als, leicht an Simeon’s Maigret erinnert; es fällt jedoch auf, dass im Gegensatz zu den andern de Funès/Oury -Filmen der starke Gegenpart (Bourvil, Yves Montand) fehlt.
Weiter schlimm ist das nicht, den was de Funès allein abliefert reicht für mindestens drei Filme.
Nebst der erwähnten darstellerischen Qualität, geht er hier physisch bis ans Limit; er rennt, tanzt, fuchtelt und fliegt in Kaugummimasse – kurzum er gibt Alles.
Damit wird er dem rasanten, actionreichen Plot des Filmes gerecht.
Denn nebst Humor und der gut verpackten Grundbotschaft des Filmes, bietet Oury wieder einmal ein Abenteuer, bei dem die Action Schlag auf Schlag kommt.

Technisch ist der Film wiederum sehr ansprechend gemacht – was allerdings ob der Tatsache dass man fast dasselbe Team wie schon bei „La folie des Grandeurs“ beisammen hatte, nicht verwundert.
Vladmir Cosma, der hier erstmals die Musik zu einem Louis de Funès-Film schrieb, präsentiert einen tollen Score, der sich an zahlreichen Motiven der jüdischen Musik bedient.

Mit „Les Aventures de Rabbi Jacob“ stellen das Duo Gérard Oury und Louis de Funès ein weiteres, leider bereits letztes, Mal ihr Können unter Beweis.
Während de Funès, als falscher Rabbi, eine wahre Tour de Force ablegt, fuchtelt, Grimassen schneidet und springt; inszeniert Oury eine solide, witzige, actionreiche und rasante Komödie, die mit dem Aufruf zu Religionstoleranz und der Demaskierung des Fremdenhass‘ eine ebenso intelligente wie aktuelle Grundbotschaft beinhaltet.

4,5 von 5 Bädern in Kaugummimelasse

4.5

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