L’Aile ou la Cuisse

L'AILE OU LA CUISSEIm Jahr 1974 erlitt Louis de Funès innert kurzer Zeit  zwei Herzinfarkte,
und es sah fast so aus als wäre die Filmkarriere des Schauspielers am Ende.
Doch Regisseur Claude Zidi gelang es 1976, de Funès mit dem Film „L’Aile ou la Cuisse“ zurück auf die Leinwand zu bringen; und dies erst noch mit grössstem Erfolg.
So wurde der Film sowohl im Heimatland  Frankreich wie aber auch in Deutschland zum kommerziell erfolgreichsten Streifen des Jahres.

Uraufführung: 27.10.1976
Regie: Claude Zidi
Darsteller: Louis de Funès, Coluche, Ann Zacharias, Julien Guiomar, u.a…

Story:
Charles Duchemin (Louis de Funès) Gastrokritiker und Herausgeber des renomierten Restaurantführers „Guide Duchemin“, ist unter Restaurantbesitzern und Wirten ebenso geachtet wie gefürchtet; weiss doch niemand wann er – oft in Verkleidung – den nächsten Testbesuch abstatten wird.
Doch Duchemin will sich zur Ruhe setzen, und plant, in Begleitung seines Sohnes Gérard (Coluche), ein letztes Mal auf eine grossangelegte Testtour durch Frankreichs Küchen zu gehen, ehe der Junior das väterliche Werk weiterführen soll.

Louis der Feinschmecker

Louis der Feinschmecker

Allerdings interessiert sich Gérard nicht wirklich für die Gastronomie, und seine wahre Leidenschaft ist die Manege.
So tritt er, ohne das Wissen seines Vaters, allabendlich als Clown in einem Wanderzirkus auf, und denkt nicht daran Gastrofibeln herauszugeben.
Doch Duchemin und der Haute Cuisin droht just neues Ungemach in Form des Industriellen Jacques Tricatel (Julien Guiomar), der Frankreich mit einer Vielzahl Fastfoodrestaurants überschwemmen will.

"In the summertime..."

„In the summertime…“

Trivia:
Nachdem er 1974 innert kürzester Zeit zwei Herzinfarkte erlitten hatte, zog sich Louis de Funès („Le Gendarme de Saint-Tropez“) vom Filmgeschäft zurück, und gönnte sich, ärtztlich verordnete, Ruhe.
Doch dann tauchten Produzent Christian Fechner („Les amants du Pont-Neuf“) und Regisseur Claude Zidi („Astérix et Obélix contre César“) mit einem, von Zidi verfassten Drehbuch bei de Funès auf.

Der Film sollte „Merci patron“ heissen und nebst de Funès, Pierre Richard als Hauptdarsteller haben.
Louis de Funès sagte, entgegen dem Rat seiner Ärzte und Versicherung sofort zu; doch Richard zeigte wenig Interesse am Projekt.
Schliesslich konnte der Komiker Coluche („Banzaï“) für den Part gewonnen werden.

De Funès‘ Lieblingspartnerin Claude Gensac („Jo“) spielte seine Sekretärin, Julien Guiomar („Borsalino“) wurde als Industrieller Jacques Tricatel gecastet, die Schwedin Ann Zacharias („Don Juan 73“) verkörperte Marguerite und Raymond Bussières („Dracula père et fils“) den Chauffeur Henri.

Um de Funès zu schonen, wurde ein Drehplan geschrieben, der den Schauspieler möglichst kurze Präsenzzeiten abverlangte, und darauf geachtet, möglichst wenig Aufnahmen wiederholen zu müssen.
Gedreht wurde zum grössten Teil in einer ehemaligen Flugzeughalle im nordfranzösischen Trappes, Aussenaufnahmen entstanden in Paris und kleineren Dörfern im Umland der französischen Hauptstadt.
Claude Renoir („The Spy Who Loved me“) führte die Kamera, das Ehepaar Robert und Monique Isnardon („Oscar“) schnitten den Film, und Zidi’s Stammkomponist, Vladimir Cosma („Les Aventures de Rabbi Jacob“), komponierte die Filmmmusik.

Der Film wurde zum erfolgreichsten Französischen Film des Jahres 1976, und 1978 wurde ihm die Goldene Leinwand; die Auszeichnung für komerziell besonders erfolgreiche Filme in Deutschland, verliehen.

Regisseur Claude Zidi

Regisseur Claude Zidi

Fazit:
Wie schon „Les Aventures de Rabbi Jacob“, gehört auch „L’Aile ou la Cuisse“ zur Spätphase des Oeuvre Louids de Funès; war Ersterer noch eine Art Aufwärmübung, so ist man hier wirklich warmgelaufen.
Zwar setzt man, wie der Vorgänger, vermehrt auf Inhaltstiefe; doch wo  Dieser Klamauk und halsbrecherische Action bietet,  setzt „L’Aile ou la Cuisse“ vermehrt auf ruhige Töne.
Geschuldet ist dies natürlich in erster Linie dem Gesundheitszustand des Hauptdarsteller de Funès; ist man aber ehrlich, so muss man zugeben, dass der Film gerade von dieser leiseren Gangart lebt.

Louis de Funès stellt gekonnnt unter Beweis, dass er auch die feinere Partitur bestens beherrscht und brilliert durch erstklassige Mimik, Wortwitz und parodistischer Einlagen.
So kann man de Funès wiederum in unzähligen Verkleidungen, sei es nun als alte Dame mit Federhut oder als grossspuriger Texaner mit Stetson und entsprechendem Slang („Hellööö äi ääm mistér young“), sehen, und sich von dessen – immer noch sprühenden – Komik überzeugen.

Mit Coluche hat man ihm zudem erneut einen Partner zur Seite gestellt, der ihn aufs Vortrefflichste ergänzt, ohne dabei an Eigenständigkeit zu verlieren.
Der Komiker gibt den gutmütigen, ruhigen, leicht träumerischen Sohn als herrliches Gegendstück zu de Funès, und erinnert in seinen besten Momenten an die leise Komik eines Bourvil’s.
Daneben wird mit seiner Figur dem Film um eine interessante Ebene- nämlich den Vater-Sohn-Konflikt  –  erweitert.
Ein weiterer Konflikt, den das Drehbuch bereithält ist der Gastro-Kampf, quasi das Filetstück des Filmes.

Denn dadurch baut Zidi gekonnt Seitenhiebe auf die beiden Richtungen der (französischen) Esskultur ein; der Haute Cuisine, die sich krankhaft nach Sternen und Punkten richtet, und dem Schnellimbiss, bei dem Geschmack zweitrangig und Profit alles ist.
Diese Thematik ist nach wie vor aktuell, jedoch wohl nirgends so passend anzusiedeln wie in Frankreich, dem Land des guten (Ess-) Geschmackes.
Das „Menu“ welches uns Zidi da präsentiert, wird abgerundet durch einen herrlich majestätischen Soundtrack Vladmir Cosma’s, der hier eine seiner besten Filmarbeiten ever abliefert.

Mit „L’Aile ou la Cuisse“ holt Claude Zidi nicht nur Louis de Funès auf die Kinoleinwand zurück, es gelingt ihm auch eine ungekannt ruhige, aber nicht minder komische Seite des Komikers aufzuweken.
Dazu trägt sicherlich auch die Story bei, die auf ebenso intelligente wie witzige Weise mit der Französischen Gastronomie abrechnet; aber auch Coluche, der de Funès hervorragend ergänzt.

5 von 5 Duchemin-Sternen

5

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