L’Avare

L'AVARESeit Jahren schon plante Louis de Funès die (Theater-)Adaption eines Stoffes seines Lieblingsdramatikers, Moliére.
1980 wurde der Traum in der Verfilmung von „L’Avare“, der Komödie um einen Geizhals, Realität, und de Funès spielte nicht nur den Titelpart, nein, er übernahm nebst Jean Girault auch gleich die Co-Regie.
Hierbei kam auch sein künstlerisches Talent zum Zuge.

Uraufführung: 24.3.1980
Regie: Jean Girault und Louis de Funès
Darsteller: Louis de Funès, Claude Gensac, Michel Galabru, Anne Caudry, u.a…

Story:
Der reiche Adelige Harpagon (Louis de Funès) ist ein Pfennigfuchser und Geizkragen, der mit Argusaugen über seinen Besitz wacht, und stets nur auf das Mehren seines Vermögens aus ist.
Selbst aus seinen Kindern versucht er Kapital zu schlagen; so soll seine Tochter Élise (Claire Dupray) den alten, aber reichen Anselme (Georges Audoubert) heiraten.

Money, Money, Money....

Money, Money, Money….

Er selbst möchte die, viel jüngere, Marianne (Anne Caudry) ehelichen.
Allerdings hat bereits sein Sohn Cléante (Frank David) ein Auge auf das Mädchen geworfen.
Auch Élise ist alles andere als einverstanden mit den Kuppelungsversuchen ihres Vaters; liebt sie doch den Diener Valère (Hervé Bellon).
Als auch noch Herpagons grösster Schatz, eine Schatulle mit 10000 Goldtalern, verschwindet, hängt der Haussegen entgültig schief.

Toll triebens die alten Franzosen

Toll triebens die alten Franzosen

Trivia:
Seit den 60er Jahren hegte Louis de Funès den Traum, in einem Stück des französischen Komödienkönigs Molière zu spielen.
Der Traum wurde jedoch nicht Wirklichkeit und nach seinen Herzinfarkten, 1974, war gesundheitlich an Theateraufführungen nicht mehr zu denken.
So sann er über eine Fernsehproduktion nach.
Nach Absage diverser TV-Stationen sagte schliesslich Christian Fechner („L’Aile ou la Cuisse“) zu, das Vorhaben zu produzieren; allerdings als Kinofilm.

De Funès nahm das Angebot an, und teilte sich den Regieposten mit Jean Girault, dem Regisseur der „Gendarme“-Reihe.
Die Wahl fiel auf „L’Avare“, aus dem Jahre 1668.
Während er selbst die Titelrolle des geizigen Harpagon übernahm, besetzte er einen Grossteil der Nebenrollen mit eher unbekannten Gesichtern.
Claire Dupray („L’esprit de famille“ TV) und Frank David („Les misérables“ 1982) spielten seine Kinder Élise und Cléante, der Theaterschauspieler Hervé Bellon gab den Diener Valère und Bernard Menez („Dracula père et fils“) Cléante’s Kollegen Flèche.
Anne Caudry („Le Crime d’amour“) spielte Marianne, und Georges Audoubert („Prêtres interdits“) den Kaufmann Anselme.

Mit Michel Galabru, Guy Grosso und Michel Modo, als Küchenchef Maître Jacques und zwei Hausdiener, konnten drei Kollegen aus den „Gendarme“-Filmen gecastet werden, und mit Claude Gensac („Jo“) in der Rolle der Kupplerin Frosine spielte de Funès liebste Spielpartnerin mit.

Gedreht wurde Ende 1979 in den Filmstudios von Boulogne-Billancourt und dem nordfranzösischen Städtchen Senlis.
Edmond Richard („La Soupe aux choux“) wirkte als Kameramann, Michel Lewin („Le Gendarme et les Extra-terrestres“) als Schnittmeister, mit.
Den Soundtrack schrieb der Theatermusiker Jean Bizet, indess Rosine Delamare („The Day of the Jackal“) für die Kostüme verantwortlich war.
Teile der Filmkulisse beinhalteten Zeichnungen und Karrikaturen; diese wurden von keinem geringeren gezeichnet als „Astérix“-Schöpfer, Albert Uderzo.

Louis de Funès und Jean Girault

Louis de Funès und Jean Girault

Fazit:
„L’Avare“ ist nicht das erste Theaterstück, welches mit Louis de Funès eine Kinoadaption erfährt – man denke an „Oscar“ oder „Jo“.
Jedoch hatte das Stück von Moliére bereits über 300 Jahre auf dem Buckel als man mit den Dreharbeiten begann, und die Rolle des „Geizigen“ wurde de Funès nicht auf den Leib geschrieben.

Dies ist allerdings ein Fakt, der alles andere als selbstverständlich ist, denn de Funès füllt den Part aus, als wäre er eigens auf ihn zugeschneidert worden.
Es ist die mit Abstand bösartigste und zynischste Rolle in seiner Kinokarriere; und dennoch (oder gerade deswegen) ist es eine Freude ihm bei seinem Spiel zuzusehen.
Er gibt den Part des geldgeilen, berechnenden und hinterlistigen Geizkragens mit grösster Spielfreude, und weiss ihm mit jeder Menge Mimenspiel und körpersprachlichen Nuancen anzureichern, gibt sich aber auch physisch keine Blösse und rennt und springt (mit über 65 Jahren und nach zwei Herzinfarkten!!) durch das Bild wie zu seinen besten Zeiten.

Aus dem Rest des Casts sticht ausser den „alten Bekannten“ Claude Gensac, Michel Galabru und dem Duo Guy Grosso und Michel Modo, niemand heraus.
Mehr als, solides TV-Niveau liegt kaum drin; weshalb ich nicht länger bei der Schauspielleistung verweilen möchte.

Viel Interessanter ist es, die Machart des Filmes zu betrachten; stellt dieser doch die einzige Regiearbeit de Funès‘ dar.
Und tatsächlich, er geht einige Wagnisse und Experimente ein.
Da wäre zum Beispiel das Dekor, welches einerseits durch seine Schlichtheit eben alles andere als auffällt, jedoch, dadurch dass es sich ständig verändert, sowie Elemente wie vergrösserte Originalseiten aus Molières Textbuch von 1668, Werbeplakaten zur Uraufführung und Karikaturen von Uderzo zu sehen.

Des weiteren arbeiten de Funès und Girault mit schnittechnischen Mitteln wie Film-Einschüben und Match Cuts, und schaffen dadurch eine, eher modern, und nahezu experimentel-surrealistisch wirkende Stimmung.

„L’Avare“ ist sicherlich einer der speziellsten Louis de Funès-Filme; mit einem „Drehbuch“ das über 3 Jahrhunderte auf dem Buckel hat, einer äusserst interessanten, teils fast schon experimentell wirkenden Machart und einem Louis de Funès in Höchstform, der nicht nur Moliéres Werk alle Ehre macht, sondern auch gleichzeitig seine schauspielerischen Qualitäten, die über blosse Komik hinausgehen, unter Beweis stellt.

4 von 5 Goldschatullen

4

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Allgemein, Louis de Funès-Special, Reviews, Specials abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s