James Cameron – König des Blockbusters

specialAm 16. August konnte der Filmemacher James Cameron seinen 60. Geburtstag feiern.
Gut, ist  mittlerweile auch schon 4 Tage her, doch lieber späte Ehre als gar keine…
Hier nun also eine kurze Laudatio auf das Geburtstagskind:

Um einen König zu stürzen benötigt es einen wahrlich mächtigen Gegner; – das wusste bereits William Shakespeare.
Und, dieses Gesetz scheint nicht nur im mittelalterlichen England zu gelten, sondern auch im Hollywood der Neuzeit.

So war „Titanic“ von 1997 bis 2009 unangefochten der erfolgreichste Kinofilm aller Zeiten (lässt man die Inflation ausser Acht) ehe er von „Avatar“ „gestürzt“ wurde.
Der Clou; beide Filme stammen von ein und demselben Regisseur: James Cameron.
Doch wer ist dieser Cameron?

"Titanic" brachte Cameron 11 Oscars ein

„Titanic“ brachte Cameron 11 Oscars ein

Geboren am 16. August 1954, in der kanadischen Provinz Ontario, später ins kalifornische Orange County umgezogen, begann sich Cameron schon sehr früh fürs Kino, und insbesondere für Spezialeffekte zu interessieren.
Nach einem abgebrochenen Physikstudium und Tätigkeit als LKW-Fahrer, stieg er Ende der 70er-Jahre, beflügelt durch George Lucas‘ „Star Wars“ bei B-Movie-König, Roger Corman’s („The Raven“) Produktionsfirma „New World Pictures“ ein.

Nachdem er seine Brötchen zunächst als Production Designer und Art Director bei Filmen wie „Battle Beyond The Stars“ und John Carpenter’s „Escape From New York“ verdiente, wurde ihm 1981 bei der Horrorfilmfortsetzung „Piranha II: The Spawning“ erstmals der Regieposten überlassen.
Beim Dreh zerstritt er sich jedoch mit dem Produzenten Ovidio G. Assonitis („Iron Warrior“), sodass er das Set vor Beendigung der Produktion verliess.

Als Production Designer bei "Escape from New York"

Als Production Designer bei „Escape from New York“

Einen (wortwörtlichen) Albtraum, den Cameron jedoch während Ebendiesen katastophalen Dreharbeiten hatte, sollte ihm seinen ersten grossen Erfolg einbringen.
Im Traum sah er einen Roboter, der sich, bewaffnet mit Küchenmessern durch ein Trümmerfeld kämpft.
Bald hatte er daraus ein Drehbuch gezimmert, und 1984 begannen die Filmarbeiten zu „The Terminator“.
Produziert wurde der Film von Gale Anne Hurd („Armageddon“) seiner späteren Ehefrau, indess der, eben erst durch „Conan the Barbarian“ zum Kinostar gewordene, Arnold Schwarzenegger die Titelrolle übernahm.

Mit Schwarzenegger am Set von "The Terminator"

Mit Schwarzenegger am Set von „The Terminator“

Dank dem Film, der zum Kassenschlager und Kultfilm wurde, gelang Cameron der Durchbruch, und der Erfolg verhalf ihm zu lukrativen Aufträgen.
So durfte er die Drehbücher zum Rambo-Sequel, „Rambo: First Blood Part II“, und zur Fortsetzung von Ridley Scott’s „Alien, „Aliens“ verfassen.
Beim zweiten Projekt übernahm er gleich auch den Regieposten und erzielte mit dem Resultat einen beachtlichen Erfolg.
So war der Film für insgesamt sieben Oscars nominiert – seitdem war jeder Spielfilm Cameron’s mindestens für ein Goldmännchen nominiert.
Auch arbeitete er hier erstmals mit dem Komponisten James Horner zusammen.

Beim Dreh zu "Aliens"

Beim Dreh zu „Aliens“

Auch mit seinem nächsten Film, dem 1989 gedrehten „The Abyss“ blieb er dem Science Fiction-Genre treu.
Und ein weiteres Thema trat auf seinen Plan; der Unterwasserfilm.
In diesem Jahr ehelichte er seine dritte Frau, die spätere Oscarpreisträgerin Kathryn Bigelow („Zero Dark Thirty“).
Die Ehe hielt allerdings nur zwei Jahre.
Erfolgreicher war dagegen die Verbindung mit dem Terminator, und so realisierte er 1991 die Fortsetzung zu seinem erfolgreichen Erstling von 1984, „Terminator 2: Judgment Day“.
Mit Hauptdarsteller Schwarzenegger und Jamie Lee Curtis („A Fish Called Wanda“) in den Hauptrollen drehte Cameron 1994 die Actionkomödie „True Lies“, welche auf dem französischen Film „La Totale!“ von Claude Zidi („L’Aile ou la Cuisse“) basiert.
Mit dieser Stoffwahl betrat er, der für Sci-Fi bekannt geworden war, absolutes Neuland.

Noch ungewöhnlicher erschien da sein nächstes Projekt: „Titanic“.
Auch wenn die Geschichte über den Untergang des mächtigsten Passagierschiffes seiner Zeit schon unzählige Male als Vorlage fürs Kino diente (selbst Joseph Goebbels‘ UFA verwendete den Stoff; allerdings als antibritische Propaganda…), so war man im Vorfeld der Produktion doch eher skeptisch ob Cameron einen historischen Stoff stemmen möge; und erst noch im Gewand einer Romanze.
Der Film verschlang zudem Produktionskosten in der Höhe von 200 Mio. $, benötigte Heerscharen von Komparsen, und ein neues Studiogelände musste eigens für die Dreharbeiten errichtet werden.

Auf der "Titanic"

Auf der „Titanic“

Doch der Streifen, der 1997 Premiere feierte wurde über Nacht zu einem Riesenerfolg und erfolgreichstem Film seit Spielberg’s „Jurassic Park“.
Mit Oscarnominationen in 14 Kategorien und Siegen in deren 11 schrieb er 1998 zudem Filmgeschichte und übertraf, beziehungsweise legalisierte, die bisherigen Rekordhalter „Gone With The Wind“ und „Ben Hur“.
Cameron selbst erhielt dabei die Auszeichnung als bester Regisseur.

Trotz, oder gerade wegen des Erfolges ging er danach erst mal auf Tauchstation; wortwörtlich.
Denn seine folgenden Filme „Expedition: Bismarck“, „Ghosts Of The Abyss“ und „Aliens Of The Deep“ drehten sich allesamt um die Unterwasserwelten und waren, verglichen mit seinem bisherigen Oeuvre, eher klein angelegte Dokumentarfilme.
In dieser Zeit entwickelte er gemeinsam mit Meeresbiologen und Unterwasserforschern der „National Geographic Society“ ein bemanntes U-Boot, die „Deepsea Challenger“, mit welchem er 2012 in den Marianengraben tauchte.

Auf Tauchfahrt

Auf Tauchfahrt

Daneben entwickelte Cameron, der sich zunehmend für den Umweltschutz einzusetzen begann, ein Plot zu einem neuen Science Fiction-Streifen, der in einer Zukunft spielt, in welcher die Menschen gezwungen sind, die Erde zu verlassen und auf dem Planeten Pandora Fuss zu Fassen: „Avatar“.
Für die Produktion, die 2006 begann, kreierte er eigens eine neue, stereoskopisches Kamerasystem, die Fusion Camera, die es ermöglichte direkt in 3D zu drehen.

Mit der Fusion Camera

Mit der Fusion Camera

Die Mühe hatte sich gelohnt, und „Avatar“ erhielt nach seinem Erscheinen, 2009, nicht nur mehrere Auszeichnungen für seine technischen Errungenschaften, nein; er wurde auch mit fast 3 Milliarden $ Einnahmen zum erfolgreichsten Film – was er bis heute immer noch ist.

Nun, nach wie vor steht die Frage im Raum, wer ist den genau dieser James Cameron nun ist.
Gerüchten zufolge soll er einer der unnachgiebigsten, fordernsten Regisseure Hollywoods und grösste Perfektionist seit Stanley Kubrick sein.
Geschichten von, mit Nagelpistolen an die Wand getackerten Handys von Setarbeitern grassieren, und Kate Winslet beteuerte nach „Titanic“, nie wieder mit ihm zusammen zu arbeiten wollen.

Dies sind Behauptungen, deren Richtigkeit für mich schwer zu überprüfen ist; einzig für den Punkt des Perfektionisten spricht die Machart seiner Filme.
Und damit wären wir bei der Machart, und damit etwas Greifbarerem.
Sattelt man das Pferd von vorne auf, so fällt auf dass Cameron und seine Filme Kind des Blockbusterkinos der späten 70er sind.
Und auch wenn er, im Gegensatz zu einem George Lucas oder Steven Spielberg das neue Hollywoodkino nicht erfunden hat, so hat er daraus den grösstmöglichen Nutzen gezogen und es, nicht zulezt dank technischer Innovation, erweitert.

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Nimmt man Camerons Werk inhaltlich genauer unter die Lupe, so fällt sofort auf dass, ganz im Gegensatz zu Weggefährten wie etwa Ridley Scott  oder einem Oliver Stone („Platoon“), grosse inhaltliche Ambitionen und dramaturgische Dichte bei im eher rar sind.
Dafür setzt er voll und ganz auf Unterhaltungswert und technische Affinität.
Oder anders ausgedrückt: Kinovergnügen in möglichst ansprechendem Gewand.
Damit hat er den Zuschauer stets auf seiner Seite, und das Publikum hat ihm diese klare Haltung immer mit grosser Aufwartung verdankt.

Man könnte sogar soweit gehen, James Cameron, der mit jedem seiner Filmprojekte auch die Kinotechnik ein Stückchen weiterentwickelte, als eine Art modernen Kinopionier im Stile eines George Mélies zu sehen.

In der nächsten Zeit werdet ihr genügend Gelegenheit haben, dies zu urteilen, werde ich hier in (möglichst regelmässigem Abstand) seine wichtigsten Filme präsentieren.

Happy Birthday James. Hasta La Vista!

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